Alternative Kulturhotspots



Besetzte Häuser 1988 im 6. Bezirk; das WUK - Kulturzentrum für alle
„Wien ist anders“: Mit diesem Slogan warb Österreichs Bundeshauptstadt im In- und Ausland lange Zeit um Gäste. Wien ist tatsächlich anders als noch Anfang der 1970er Jahre.
Chillen am Kanal, rocken im Schlachthof oder relaxen im Biedermeierstil – Wien macht’s möglich
Damals glich die einstige Haupt- und Residenzstadt des Habsburger-Reiches einer gealterten Diva. Die Verwandlung setzte Mitte der 1970er-Jahre ein. Stadtbild und Infrastruktur wurden runderneuert. Auch kulturell kam vieles in Bewegung: Es etablierte sich eine vitale Alternativkultur.
Biedermeier alternativ
Noch bis 12. August liefert das Wien Museum mit der Ausstellung „besetzt“ spannende Einblicke in jene Zeit, als es in der Stadt von frisch geschaffenen Initiativen nur so wimmelte. „Die Stadt gehört allen“ lautete damals das Motto. Man verbündete sich gegen die Abrissvorhaben, Mietwucher und Wohnungsspekulanten, besetzte Häuser und schuf soziale und kulturelle Freiräume.
Auch das selbst verwaltete Amerlinghaus im biedermeierlichen Spittelmarkt-Viertel geht auf eine solche Besetzung zurück. Noch heute befinden sich hier über 30 Initiativen. Lesungen, multikulturelle Veranstaltungen und Diskussionen stehen auf der Tagesordnung.
Kulturelles Backsteinfeeling
Ebenfalls über ein reichhaltiges Kulturprogramm verfügt das WUK (Werkstätten- und Kulturhaus), in dem zahlreiche alternative Einrichtungen vertreten sind. Im Sommer verwandelt sich der begrünte Innenhof in eine Bühne für Musiker. Ausstellungen, Tanzveranstaltungen und Kinderprogramm ergänzen das Programm. Viele kommen aber einfach nur her, um sich im WUK-Beisl ein Bier zu genehmigen.
Vom Schlachthof ans Wasser
Im etwas anderen Ambiente präsentiert sich auch die Arena – ein ehemaliger Inlandsschlachthof, der als alternatives Kulturzentrum fungiert. Für das abwechslungsreiche Party- und Konzertprogramm nimmt man gerne die etwas längere Fahrzeit mit der U-Bahnlinie U3 in Kauf – etwa wenn am 28. August die „Queen of Punk“ Patti Smith hier ein Konzert gibt.
Internationale DJs sind hingegen das Hauptgeschäft im Flex. Die besonders bei Jugendlichen beliebte Location am Donaukanal hat ihren Ursprung ebenfalls in der Hausbesetzungsszene. Gerade bei sommerlich hohen Temperaturen sitzt es sich heute noch angenehm an der Uferpromenade, auch wenn das Lokal in den letzten Jahren zusehends kommerzialisiert wurde.
Info:
www.wienmuseum.at, www.amerlinghaus.at, www.wuk.at und www.flex.at
Tipp:
Arena Sommerkino
Die Arena bietet auch heuer eines der besten Open-Air-Kinos der Stadt. Denn was gibt es Schöneres, als ein kühles Helles aus dem Beisl zu genießen, auf der Wiese zu relaxen und sich von Russ Meyers Filmklassiker „Faster, Pussy Cat! Kill Kill!“, Nicholas Winding Refns „Drive“ oder Joe Cornishs „Attack the Block“ fesseln zu lassen?
http://www.arena.co.at/index.php/
Rosa Haus
Die Rosa Lila Villa ist das sichtbarste Zentrum für Lesben, Schwule und TransGender Personen in der Stadt – erkämpft wurde das rosa Haus in den 80er Jahren von engagierten AktivistInnen. Im Sommer ist das Café Restaurant Willendorf mit seinem begrünten Gastgarten ein beliebter Treffpunkt.
www.villa.at
„Cut-ups, Cut-ins, Cut-outs“
Wer sich mit Sub- und Popkultur auseinander setzt, der kommt an William S. Burroughs nicht vorbei. Der Autor von „Naked Lunch“ beeinflusste die Beatles ebenso wie David Bowie oder Iggy Pop. In seiner schriftstellerischen Arbeit bediente er sich oft der „Cut up“-Technik – eine Methode, bei der er Textmaterialien miteinander verschnitt und mit der er verkrustete Strukturen aufbrechen wollte. Zu sehen ist eine stattliche Anzahl dieser Dokumente derzeit in der Kunsthalle Wien. Die Besucher erwartet eine liebevoll aufbereitete Schau, die Fotos, Bilder, Filme, Notizzetteln und Tondokumente des „Vaters der Beat-Generation“ vereint.
http://www.kunsthallewien.at/






