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Die BOKU Wien (li.) und ihr Rektor Martin Gerzabek (re.)
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Donau-Rektoren-Konferenz Wien
Appell zu Forschungsschub
Wenn die Länder des Donauraums wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen deren Universitäten in naher Zukunft massiv die Forschung verstärken und auch verhindern, dass die besten akademischen Köpfe abwandern.
Dies war der Tenor einer zweitägigen Konferenz von Donauraum-RektorInnen an der Universität für Bodenkultur (BOKU) im November 2011 in Wien. An ihr nahmen mehr als 100 leitende ProfessorInnen und AkademikerInnen teil. Den dramatischen Wandel seit Gründung dieses Gremiums 1983 erläuterte eingangs der Gastgeber, BOKU-Rektor Martin Gerzabek. Er sprach von einer rasanten Öffnung auch des akademischen Europas: Von einer ersten Ost-West Dialog-Plattform vor dem Fall des Eisernen Vorhangs zum neuen Europa mit offenen Grenzen und Kooperations-Möglichkeiten seit der Wende. Mehr als drei Millionen StudentInnen an rund 50 Universitäten böten sich nun historische Chancen für Bildung, Forschung und Innovation. Die Unis müssten vor allem in der neuen EU-Donauraum-Strategie eine aktive Rolle spielen, so Gerzabek.
Akademische Öffnung Europas
Europa modernisieren, wettbewerbsfähig halten, sozial ausbalancieren, massiv in Forschung und in eine auf Wissen basierende Gesellschaft investieren: Diese Ziele bezeichnete der Wiener EU-Regional-Kommissar Johannes Hahn als Kernanliegen der EU-Donauraum-Strategie. Unis, Städte und Regionen spielten bei dieser Zukunfts-Modernisierung der Donau-Großraumregion eine wichtige Vorreiterrolle. RektorInnen müssten dabei auch als Brückenbauer fungieren, ergänzte Wissenschaftsminister Karl-Heinz Töchterle. Kräfte müssten gebündelt, Kooperationen verstärkt und EU-Programme optimal genutzt werden.„Positiv-kritisch“ meldete sich Erhard Busek zu Wort, mit seinem Institut für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM) einer der Mitveranstalter der Konferenz. Er habe sich gut die Hälfte seines politischen Lebens für engere Kooperation im Donauraum engagiert, sagte Busek und resümierte: „Die EU-Integration funktioniert aber noch immer nicht wirklich.“ Notwendig wären massive Anstrengungen in grenzüberschreitende Forschung, Innovation, Kooperation und Effizienz. Die Abwanderung der Intelligenz müsse verhindert, akademische Mobilität verbessert werden. Es fehle an notwendigen Investitionen. Die EU-Donauraum-Strategie biete gute Chancen für eine umfassende Erneuerung. Dafür müssten attraktive, zukunftsfähige Projekte ausgearbeitet werden. „Die Situation ist nicht so schlecht“, versicherte Busek. Er sehe sich „ermutigt“, dass sich die Donauraum-Strategie zu einer „Erfolgs-Story“ entwickeln werde.
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Johannes Hahn (li.), Erhard Busek (re.)
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Warnung vor Forschungskluft Ost-West
Einen flammenden Appell zum Forschen richtete der ehemalige Rektor der Universität Wien, Georg Winckler, an die Konferenz-KollegInnen. Seine Botschaft: wer nicht intensiv forsche und entschieden in Bildung investiere, verliere an Wettbewerbsfähigkeit und verpasse die Zukunft Europas. Winckler wies anhand neuester Daten nach, dass Europa in der Forschung vor allem gegenüber den USA zurückliege. Besonders kritisch bezeichnete er die Lage in Osteuropa, wo die Unis am wenigsten Forschungs-intensiv seien. Winckler sprach von einer Ost-West Kluft auf Uni-Forschungsebene. Als Ausweg empfahl er, die Qualität der Forschung zu steigern, den Wettbewerb auch unter den Unis zu intensivieren, sich „autonom“ vielfältiger aufzustellen und in „Wissens-Regionen“ zu investieren. Brünn bildet StudentInnen gezielt für nachhaltige Jobs aus und setzt massiv auf höhere Bildung.Allianzen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Regionen
Die Stadt Wien bot sich der Donau-Rektoren-Konferenz als traditionsreicher Partner und Impulsgeber an. Für Wien hielt Stadt-Planungs-Direktor Kurt Puchinger ein Grundsatzreferat. Puchinger ist auch Koordinator des Prioritätsbereiches 10 der EU-Donauraum-Strategie (Verbesserung der institutionellen Kapazitäten und Zusammenarbeit) in Kooperation mit Slowenien. Er charakterisierte die Wiener Stadtverwaltung als Dienstleistungs-Unternehmen mit starkem Fokus auf BürgerInnen sowie auf dem letztem Stand von Wissenschaft und Forschung, vernetzt mit PartnerInnen in der Donau-Region. Wien strebe dabei nachhaltige und zukunftsfähige Allianzen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Städten/Regionen an. Dies sei auch ausschlaggebend für Europas Zukunft. „In einigen Teilen der Donau-Region besteht ein dringender Bedarf für nachhaltige Verbesserung von Regierungsstrukturen, vor allem bei öffentlichen Ausschreibungen“, erklärte Puchinger. In anderen Teilen wie in Österreich gebe es Struktur-Probleme zwischen Kern- und Umland. Bei der Umsetzung der neuen EU-Donauraum-Strategie sei nun in erster Linie Wissen gefragt, besonders in Kernbereichen wie Recht und Finanzen, um Zukunftskonzepte zu entwickeln. Das Potenzial dafür wäre verfügbar, versicherte Puchinger, auch an den Unis.
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Wiens Stadtplanungs-Direktor Kurt Puchinger
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Entwicklungsschub Städte/Regionen
Wien habe in den vergangenen Jahrzehnten gute Erfahrungen mit der Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung und Unis gemacht. Diese Erfahrungen wolle Wien verstärkt auch PartnerInnen in der EU-Donauraum-Strategie zur Verfügung stellen. Bei der EU-Koordinations-Rolle mit Slowenien im Top-Bereich 10 strebe Wien einen Schub für innovative Stadt- und Regional-Entwicklung an, betonte Puchinger. Bessere gesellschaftliche, zivile und administrative Strukturen seien Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand. Und: die Donau-Region müsse auch „ein sicherer Platz zum Leben“ werden. Der Stadtplanungs-Direktor zitierte dazu ein Beispiel in der Pipeline: „Danube Excellence": ein Uni-Projekt, initiiert von Wien, mit Budapest, Marburg und Bukarest. Ziel sei der Aufbau verbesserter Strukturen und Technologien in Sicherheitsfragen, vom Trinkwasser über den Hochwasserschutz bis zur Energieversorgung, inklusive engerer Kooperation und Kommunikation zwischen Rettungskräften. Herauskommen sollte dabei ein Schub für interregionale akademische Ausbildungen auf diesen Gebieten.(fhe)
Fotos © Wikipedia/Newald, boku.ac.at, idm.at, PID, European Commission
erstellt am: 2011-11-23
