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Vienna´s weekly European journal

Auf den Spuren eines Wiener Künstlers

07. August 2012

Zum 150. Geburtstag von Gustav Klimt

Auf den Spuren eines Wiener Künstlers

1: Gustav Klimt
Wie könnte es anders sein: eine Wachsfigur von Gustav Klimt befindet sich im Wiener Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds

Gustav Klimt und Wien sind untrennbar miteinander verbunden. Hier verbrachte der große Reformator der Kunst sein ganzes Leben. Hier entstanden Meisterwerke wie „Der Kuss“ oder „Goldene Adele“. Und obwohl er sein Leben lang in Wien wirkte, gibt es heute nur mehr wenige Orte, die auf den großen Künstler der Jahrhundertwende verweisen.

Doch man findet sie. Am besten unter Anleitung von sachkundigen FremdenführerInnen, MuseumskuratorInnen und BuchautorInnen wie Alexandra Steiner-Strauss und Monika Sommer, die alle drei Disziplinen verbinden. Pünktlich zum Klimt-Jahr erschien ihr etwas anderer Stadtführer. „Gustav Klimt und Wien. Spaziergänge zu den Orten seines Wirkens“ (Metro Verlag) verspricht auf Klimts „siegreichsten und kummervollsten Momenten“ zu wandeln. Ein Versprechen, das die Autorinnen auf rund 180 Seiten einhalten. Das Buch ist einfach und verständlich geschrieben und bietet sowohl für totale NeueinsteigerInnen als auch für kunstinteressierte WienkennerInnen aufschlussreiche Informationen. Zudem ist es trotz Hardcover-Bindung erstaunlich leicht und lässt sich wunderbar als Wienführer auf den Spuren Gustav Klimts einsetzen. Wer jedoch geführte Touren vorzieht, sollte sich den 7. September freihalten. An diesem Tag nämlich führen die beiden Buchautorinnen BesucherInnen persönlich durch die Stadt: vom schlicht gehaltenen Klimt Grab auf dem Hietzinger Friedhof über den Ort von Klimts Geburtshaus, wo heute ein Wohnbau aus den 1960er Jahren steht, bis hin zur so genannten, gerade im Umbau befindlichen Klimt Villa. Letztere diente dem Künstler von 1911 bis zu seinem Tod 1918 als Atelier und war damals noch keine Villa.

Gewohnt hat Klimt hier allerdings nicht. Das tat er einen Großteil seines Lebens in der Westbahnstraße 36 im siebten Bezirk. Heute erinnert eine schlichte Gedenktafel an die zahlreichen Jahre, die der Künstler in dem bescheidenen Gebäude gemeinsam mit seiner Mutter und seiner Schwester verbrachte.


2: Hermesvilla Eingang
Frühe Erfolge als Dekorationsmaler in der Hermesvilla

Frühe Erfolge
Klimt hatte sieben Geschwister. Zwei davon besuchten, so wie ihr später so erfolgreicher Bruder, die Kunstgewerbeschule. Georg machte sich einen Namen mit Goldschmiede- und Treibarbeiten. Er zeichnete auch für einige der Rahmen von Klimts Gemälden verantwortlich.
Gemeinsam mit seinem Bruder Ernst Klimt und Franz Matsch feierte Gustav frühe Erfolge als historistischer Dekorationsmaler. Den ersten Auftrag für die Hermesvilla erfüllten die frischen Absolventen mit Bravour. Leider sind die Deckengemälde heute nicht mehr im Originalzustand erhalten. Große Erfolge feierten die drei als „Künstler Companie“ auch mit den Deckengemälden im Stiegenhaus des Burgtheaters. Wer genau hinschaut, kann in einem der Bilder, und zwar im Globe Theatre, sogar ein Selbstporträt des Künstlers erkennen. Es ist das einzige, das von Klimt existiert. Doch auch andere Familienmitglieder wie Ernst oder die Schwestern wurden von der Künstler Companie im Burgtheater verewigt. Ein weiteres Goody im Burgtheater sind die Entwurfszeichnungen für die Gemälde auf Karton, die vor einigen Jahren gefunden wurden. Diese sind zu Theaterzeiten im Angelika Prokopp Foyer oder bis Ende August bei geführten Touren (Fr-So 14 Uhr) zu bewundern.
Vom Star- zum Skandalkünstler
Nach dem großen Erfolg der Geschwister folgte ein weiterer Auftrag von Seiten des Kaiserhauses: die Gestaltung der Zwickelbilder im Stiegenhaus des Kunsthistorischen Museums. Der Kaiser zeigte sich begeistert und soll zu Klimt gewandt gesagt haben: „Ich freue mich immer, wenn ich etwas von Ihnen sehe“. Die Bilder wurden bis heute kein einziges Mal konserviert und restauriert und sind im perfekten Originalzustand erhalten. Das Klimt-Jahr bietet durch einen temporär errichteten Steg samt Sonderführung am 2. September die Möglichkeit, Klimts Werke aus nächster Nähe zu betrachten.

Mit gezielterem Blick lässt sich feststellen, dass Klimt bereits hier begann, sich langsam vom Historismus und der Dekorationsmalerei zu distanzieren. Sein letzter Auftrag nach dem Tod seines Bruders Ernst geriet gar zum größten Kunstskandal des Habsburger Reiches. Die so genannten Fakultätsbilder erregten die Gemüter derart, dass Klimt nie wieder einen Auftrag von öffentlicher Hand annahm und sein Honorar für die Bilder zurückzahlte. Leider sind die symbolistischen Bilder heute nicht mehr im Original zu bestaunen, sie verbrannten 1945 auf Schloss Immendorf. Eine Sonderführung am 11. August führt zu den Reproduktionen und liefert spannende Einblicke in die vielschichtigen Diskussionen, die rund um die Gemälde stattfanden.


3: KHM Brücke
Einzigartig: Mit der temporären "Ansichtsplattform" bietet das KHM im Klimt-Jahr die seltene Gelegenheit, seinen Wandgemälden so nah wie nie zuvor zu kommen

Goldene Zeiten
Obwohl Klimt als eher scheuer Zeitgenosse galt, erwies er sich Zeit seines Lebens als streitbarer Mensch, der sich auch für junge – damals noch gänzlich unverstandene – Künstler wie den jungen Oskar Kokoschka oder Egon Schiele einsetzte. 1897 war er gemeinsam mit 18 anderen Künstlern aus dem Künstlerhaus ausgetreten, um die Wiener Secession zu gründen. Wenige Jahre später verließ er auch diese. Klimt befand sich gerade inmitten seiner goldenen Phase. Eine Phase, die Klimts wohl berühmteste Werke wie u.a „Der Kuss“ hervorbringen sollte. Gezeigt wurde das weltberühmte Gemälde das erste Mal in der Kunstschau von 1908, die Klimt gemeinsam mit u.a. Josef Hoffmann und Kolo Moser auf dem Gelände des heutigen Wiener Konzerthauses gestaltete. Es wurde sogleich von der Modernen Galerie (heutiges Belvedere) erstanden, wo es auch heute noch zahlreiche BesucherInnen anzieht. Aktuell ist es im Rahmen der Jubiläumsausstellung „150 Jahre Gustav Klimt“ zu bestaunen, die noch bis 26. September zu sehen ist. Neben Führungen durch die Ausstellung (immer mittwochs um 19.00 Uhr) bietet das Museum im Klimt-Jahr allerdings auch Workshops zum Vergolden und besondere Stadtführungen auf den Spuren des Künstlers an (am 16. und 30. September).


4: Secession
Ein Must für Klimt-Fans: die Secession mit dem Beethovenfries im Keller


Eine „Tour de Klimt“ darf aber natürlich auch im Angebot des Vereins der Wiener Stadtspaziergänge nicht fehlen. An jedem Freitag im August heißt es, sich mit einer ausgebildeten Fremdenführerin auf eine städtische Spurensuche zu Klimts Frühwerk zu machen.
Wer sich im Vorfeld ein bisschen schlau machen möchte, dem sei ein Blick in das so genannte „Klimt Book“ empfohlen. Die Autorin Barbara Sternthal liefert nicht nur Einblicke in das Leben und Werk Klimts, sondern entwirft zudem ein Bild der Zeit, als der große Künstler lebte.















Info:
Führungen 2012:
Der unsichtbare Klimt – Spurensuche in Hietzing und Penzing
Fr., 7. Sep., 16.00 Uhr. Treffpunkt: Eingang Hietzinger Friedhof
www.wienmuseum.at

Geführte Tour zum großen Stiegengemälde und ins Angelika Prokopp Foyer im Burgtheater
August: Fr. bis So., 14.00 Uhr. Treffpunkt: Burgtheater
www.burgtheater.at

Aug in Aug mit Gustav Klimt im Kunsthistorischen Museum Wien
2. September
www.khm.at

Klimt Sonderführung: Der Streit um die „Fakultätsbilder“
11. August, 13.00 Uhr
www.univie.ac.at

Klimtspaziergänge. Der Glanz des Fin de Siècle, organisiert vom Belvedere
Klimt und der Historismus: 16. September, 11.00-15.00 Uhr, Treffpunkt: Belvedere.
Klimt und die Secession: 30. September, 11.00-15.00 Uhr, Treffpunkt: Belvedere
www.belvedere.at

Gustav Klimt. Frühe Werke – eine Karriere beginnt.
Immer Fr. im August um 14.00 Uhr. Treffpunkt: Stubenring 5, MAK (vor dem Haupteingang)
www.wienguide.at/dpages/index.php?page=detail&idtour=363

Buchtipps:
Monika Sommer und Alexandra Steiner-Strauss. Gustav Klimt. Spaziergänge zu den Orten seines Wirkens. Metroverlag: Wien 2012. Euro: 19,90. ISBN 978-3-99300-068-4

Barbara Sternthal: Klimt Book. Bohmann Verlag: Wien 2012. Euro: 29,90. ISBN 978-3-99015-016-0 (erschienen in Deutsch und Englisch)

Gewinnspiel:
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Link-Tipp:
Liste der Wiener Ateliers und Wohnungen von Gustav Klimt

sasch