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Im Gemeinderatssaal schlüpft man in die Rolle der Wiener StadtpolitikerInnen
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Das Wiener Rathaus und „die Frauen“
Da sich am 8. März 2011 der Internationale Frauentag zum 100. Mal jährte, bietet die Frauenabteilung der Stadt Wien gemeinsam mit dem Bürgerdienst das ganze Jahr über spezielle Führungen unter dem Titel „Wege der Frauen durchs Rathaus“ an. Anhand von neun Stationen werden Informationen zum Rathaus selbst mit jenen zur Politik von und für Frauen im Rathaus verknüpft.
„Jede Frau verändert sich, wenn sie erfährt, dass sie eine Geschichte hat“, lautete ein Grundsatz der aus Wien stammenden Gerda Lerner, die sich selbst ein Jahr lang nur mit Frauengeschichte beschäftigt hat. Auf dieses Credo stützt sich auch die kostenlose Spezialführung durchs Rathaus, die von der Historikerin Meike Lauggas und einer Mitarbeiterin des Stadtinformationszentrums angeboten wird.
Frauen auf dem Weg zur Selbstbestimmung
Im Zentrum der Forderungen zum ersten Internationalen Frauentag am 8. März 1911 standen politische Mitbestimmung und das allgemeine Wahlrecht für Frauen. Wienerinnen übten auf der Straße und in Vereinigungen immer wieder politischen Druck aus, wobei sie großen Mut bewiesen, da ihnen das damals verboten war. Das für alle geltende Wahlrecht und das Recht zur Gründung politischer Vereine erhielten sie erst 1918. Seither gab es immer Frauen als Politikerinnen im Wiener Gemeinderat, heute liegt die weibliche Präsenz bei 34 Prozent. Zu einem eigenen Tätigkeitsbereich wurde Frauenpolitik erstmals 1987 mit der ersten Frauenstadträtin Christine Schirmer. Nach dieser Einführung zur Bedeutung der Frauenbewegung im Laufe der Geschichte beschäftigt sich die 2. Station der Führung mit der „Sichtbarkeit von Frauen in Straßenbenennungen“. Auch wenn in den letzten Jahren Verkehrsflächen vermehrt „weiblich“ benannt werden, stehen dabei immer noch 3.810 männliche nur 329 weiblichen gegenüber. Was kaum jemand weiß: Jeder kann Vorschläge zur Benennung von Straßennamen machen!
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Von Station zu Station auf den Spuren der Frauen im Rathaus
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Die Rechte der Frau
Die nächsten drei Stationen beschäftigen sich mit der Selbstbestimmung der Frau. Dieses Thema umfasst Bereiche wie das Recht auf eigene Sexualität, Verhütung, Schwangerschaft, Mutterschutz und sexuelle Gewalt genauso wie die Erleichterung der Berufstätigkeit von Müttern. Im Besonderen sollte das Konzept „Einküchenhaus“ – 1911 erstmals realisiert – berufstätigen Frauen ein selbständiges Leben ermöglichen und die Hausarbeit zentral und gegen Bezahlung auslagern. Aufgrund von angeblicher „Bedrohung für Ehe- und Familienideale“ konnte sich das Projekt nicht durchsetzen. Interessant ist, wie lange Frauen eigentlich als Ehefrau und Mutter gegenüber ihrem Ehemann unterdrückt wurden: Zum Beispiel hat die Frau erst seit der Eherechtsreform von 1976 keinen Untertanenstatus mehr. Davor musste sie etwa die Unterschrift ihres Mannes vorweisen, um überhaupt einen Beruf ausüben zu dürfen. Einer ledigen Mutter wurde bis 1989 vorerst kein Sorgerecht für ihr Kind zugesprochen, sondern nur dem Vater, auch wenn dieser sich gar nicht um das Kind kümmerte, oder dem Jugendamt. Auch Vergewaltigung innerhalb der Ehe war bis 1989 nicht strafbar, nur sehr schwierig als "sexuelle Nötigung".Gewaltschutz
Der Kampf gegen Gewalt war und ist ein wesentlicher Bereich in der Frauenpolitik. Auch wenn familiäre Gewalt lange als Privatangelegenheit galt, gründeten 1978 in Wien engagierte Sozialarbeiterinnen das erste Frauenhaus, um bedrohten, misshandelten Frauen einen sicheren Ort zu schaffen. Mittlerweile verfügt Wien über vier autonome, von der Stadt Wien finanzierte Frauenhäuser mit 166 Plätzen für Frauen und ihre Kinder. Der seit 1996 existierende 24-Stunden-Frauennotruf der Stadt Wien hat gerade im ersten Halbjahr 2011 eine deutliche Steigerung der Anrufe verzeichnet. Bis Ende Juni meldeten sich 129 Opfer wegen einer Vergewaltigung, im Vorjahr waren es 74.Frauen in Bildungsinstitutionen und am Arbeitsmarkt
Durch Bildung und Erwerbstätigkeit verdienen Frauen eigenes Geld, das ihnen selbständiges Entscheiden und Überleben ermöglicht. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ ist eine Forderung, die 1911 gleichermaßen aktuell war wie sie es leider noch heute ist. Noch dazu zwingt die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie viele Frauen in Teilzeitjobs. In Wien gilt das für 37,3 Prozent der Frauen, die von ihrem Einkommen allein meist nicht überleben könnten. Um den Zugang zu höherer Bildung haben Frauen rund 150 Jahre gekämpft. Zentrale Figur in diesem Zusammenhang war Marianne Hainisch.
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In der Wienbibliothek (MA 9) findet Frau umfangreiches Informationsmaterial zur Wiener Frauengeschichte
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Wer sind „die Frauen“?
Die vorletzte Station beleuchtet die Position von Frauen in Kriegen und für den Frieden. Nicht nur bei diesem Thema wird sichtbar, dass es „die Frauen“ nicht gibt. Auch wenn Frauen im Allgemeinen nachgesagt wird, weniger gewaltbereit zu sein als Männer und sich gegen den Krieg stark gemacht zu haben – Bertha von Suttner erhielt beispielsweise für ihre Antikriegsbemühungen den Friedensnobelpreis –, waren Wienerinnen auch Faschistinnen, Nationalsozialistinnen und Mitläuferinnen. Ebenso waren Wiener Frauen Feministinnen und Widerstandskämpferinnen und wurden als solche verfolgt, vertrieben und ermordet. Alles, was Frauen verbindet, ist, dass sie als Frauen gesehen werden wollen und nicht nur als Mütter, Töchter oder Ehefrauen. An der letzten Station zum Thema „Die Bedeutung von Frauenpolitik für Frauen“ schließt Meike Lauggas mit den Worten: „Frauenpolitik ist notwendig, solange Frauen als Frauen diskriminiert werden.“
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Info:
Wege der Frauen durchs Rathaus Nächste Termine: 30. August, 20. September, 18. Oktober 2011 jeweils 16.30–17.45 Uhr Treffpunkt Stadtinformationszentrum im Rathaus, Eingang Friedrich-Schmidt-Platz 1, 1010 Wien. Es führen Meike Lauggas (MA 57) und eine Mitarbeiterin des Stadtinformationszentrums (MA 55). Anmeldung unter +43/1/4000 83539 oder über oeffentlichkeitsarbeit@ma57.wien.gv.at Zusatztermine und weitere Infos unter www.frauen.wien.at Daten und Fakten zum Wiener Rathaus: Der Gemeinderatssitzungssaal im ersten Stock ist 14 Meter hoch, das Prunkstück dieses Raumes ist ein 3,2 Tonnen schwerer Luster mit einem Durchmesser von 5 Metern. Zur Reinigung werden zwei Personen mittels Hebebühne in die Höhe des Lusters gehoben, die in einem Wartungsgang aus Panzerglas ganz in dem 3 Meter tiefen Beleuchtungskörper verschwinden. 213 Energiesparlampen beleuchten den Gemeinderatssaal. Die Rathaus-Garderobe ist mit 50 Metern die längste Österreichs und bietet Raum für 1.700 Mäntel. Der Rathausturm ist 97,9 Meter hoch, der darauf stehende Rathausmann ist mit Fähnchen 5,4 Meter hoch. Noch mehr Zahlen: Gesamtfläche des Rathauses: 20.000m2 7 Innenhöfe, von denen der Arkadenhof der größte ist 1.770 Räume über 2.000 Fenster 2,5 km Ganglänge 2.500 Personen arbeiten im Rathaus Kostenlose Rathausführungen ohne Frauenschwerpunkt für Einzelpersonen finden Mo, Mi und Fr jeweils um 13 Uhr statt. Ohne Anmeldung! www.wien.gv.at/buergerdienst/stadtinfo/rathausfuehrung/ |
(ene)
Fotos © Gudrun Krieger
erstellt am: 2011-07-11

