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Vienna´s weekly European journal

Drehscheibe Wien: internationaler Wirtschaftsstandort

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Drehscheibe Wien: internationaler Wirtschaftsstandort

Dass Wien eine der bedeutendsten europäischen Kulturmetropolen ist, kann als jedermann bekannt vorausgesetzt werden. Noch nicht ganz so geläufig ist einer breiten Öffentlichkeit die Tatsache, dass Wien auch in wirtschaftlicher Hinsicht einen europäischen Spitzenplatz innehält. Die im Prinzip anhaltend positive Wirtschaftsentwicklung dürfte jedoch dafür sorgen, dass auch dieser Aspekt selbstverständlicher Teil des allgemeinen Wissens über Wien wird.
Deshalb gleich vorweg: Als Ausnahme des Prinzips muss das Krisenjahr 2009 gelten. Die durch den US-amerikanischen Bankencrash ausgelöste globale Wirtschaftskrise hatte auch für Wien Folgen, wenn auch bei weitem nicht so gravierende wie für andere Städte und Länder. Um genau zu sein, ging die Wiener Wirtschaftsleistung 2009 um 2,3% zurück.

2009 ist vorbei und der Aufschwung schwingt längst wieder voller Elan.
Prominentester Protagonist der positiven wirtschaftlichen Entwicklung ist die Mercer-Studie, die im November 2011 Wien als Stadt mit der weltweit höchsten Lebensqualität ausweist – und das nicht zum ersten Mal. Aufgrund der Tatsache, dass diese Studie in erster Linie auf die Bedürfnisse von Wirtschaftstreibenden ausgelegt ist, kommt dem wirtschaftlichen Umfeld bei der Bewertung der Lebensqualität eine Schlüsselrolle zu. Wien ist somit nicht nur aufgrund seiner mannigfaltigen Qualitäten attraktiver Lebensmittelpunkt, es liegt gerade auch in Bezug auf die ökonomische Infrastruktur im internationalen Spitzenfeld.

Straßenbahnfertigung bei Bombardier
Luftaufnahme der Bombardierwerke in Wien

Auch die Wiener Straßenbahnen, im Volksmund lautmalerisch "Bim" genannt, werden hier gebaut (l.); Innen- und Außenansicht (r.) der Bombardier-Werke in Wien Donaustadt

Wandel zum Wissen

Wien ist sowohl im europäischen Kontext, als auch im direkten österreichischen Vergleich wirtschaftlich sehr gut aufgestellt. Das zeigt sich etwa am durchschnittlichen Bruttoregionalprodukt pro Kopf, welches in Wien fast doppelt so hoch ist, wie beim österreichischen Schlusslicht Burgenland und immerhin noch rund ein Drittel über dem österreichischen Durchschnittswert. International nimmt Wien mit dieser bedeutenden wirtschaftlichen Kennzahl hinter der Schweiz und den Niederlanden einen hervorragenden dritten Platz ein. Noch beeindruckender ist eine andere, von großer Kraft und Leistung kündende Zahl: Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt in Wien bei 180 % des EU Durchschnitts.

Auch auf die Herausforderungen der Zukunft ist Wien bestens vorbereitet. Betrachtet man die traditionellen drei Wirtschaftssektoren, den primären (Bergbau und Landwirtschaft), den sekundären (Industrie und verarbeitendes Gewerbe) und den tertiären, den Dienstleistungssektor, so zeigt sich, dass Wien den Wandel hin zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft erfolgreich abgeschlossen hat. Mehr als 80% der Wertschöpfung findet im tertiären Sektor statt. Dass Landwirtschaft und Bergbau im städtischen Bereich nur eine marginale Rolle spielen (0,1%) ist klar. Signifikant für die Entwicklung ist eher der Rückgang des produzierenden Gewerbes. Die entscheidende Rolle spielt, jetzt und in Zukunft, die Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft.

Schlüsselfaktor: Drehscheibe Wien

Einer der in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblichen Faktoren für die positive Entwicklung Wiens liegt in seiner Funktion als Drehscheibe für die Märkte in Zentral- und Osteuropa. Nach der Öffnung des eisernen Vorhangs 1989 haben gerade österreichische, insbesondere Wiener Unternehmen die damit verbundenen Chancen sehr schnell erkannt und genutzt. Das hat dazu geführt, dass in Wien beheimatete Unternehmen in Summe durchschnittlich rund 40 Prozent ihres Umsatzes in ost- und mitteleuropäischen Ländern erwirtschaften. De facto nehmen Wiener Unternehmen in diesen Märkten längst eine Schlüsselposition ein. Neben der geografischen Lage spielen, wenn auch indirekt, die historischen Verbindungen in diese Länder eine Rolle. Weniger weil sich hier alte Verbindungen neu knüpfen ließen, sondern schlicht weil durch die Vergangenheit, aber auch durch die in Generationen gewachsene Wiener Bevölkerungsstruktur ein großes Verständnis für die Kulturen und Gepflogenheiten Ost- und Mitteleuropas vorhanden ist. Es ist dies ein weiterer Standortvorteil für Wien, der umgekehrt auch zu einem verstärkten Engagement osteuropäischer Firmen in der Stadt beiträgt. Insgesamt haben sich bislang mehr als 300 internationale Konzerne hier angesiedelt.
Durch die intensiven Wirtschaftsbeziehungen der hiesigen Wirtschaft mit diesen Zukunftsmärkten bewerten Experten Wien als für Krisen nicht so anfällig wie andere europäische Metropolen. Die vergleichsweise geringe Auswirkung der Krise von 2009 bestätigt das.

Die andere Drehscheibe: Hafen Logistikdrehscheibe Mitteleuropa

Eine wachsende wirtschaftliche Bedeutung kommt auch dem Wiener Hafen zu. Dessen Donau-Geschäfte boomen. Das Hafengeschäft lief auch in wirtschaftlichen Krisenzeiten gut. Die Wiener Hafen-Gruppe konnte in den vergangenen Jahren Umsätze und Gewinne weiter deutlich steigern. Umsätze wurden im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 Prozent auf 50,8 Mio. Euro ausgebaut. Die Gewinne machten trotz der in diesem Jahr getätigten Investitionen von 11 Millionen Euro mehr als 8 Millionen Euro aus. Im Logistikzentrum des Wiener Hafens werden bereits 12 Millionen Tonnen Güter per annum umgeschlagen, allein im neuen Containerterminal täglich 1.800 Containereinheiten.

Luftaufnahme des Wiener Hafens
Verladekran im Wiener Hafen

Auch wenn Österreich ein Binnenland ist: Der Wiener Hafen hat als Logistik-Drehkreuz eine große Bedeutung für die gesamte Region

Firmengründungen: Neues dank Dynamik

Diese Dynamik spiegelt sich auch in der Zahl der Firmenneugründungen wider. Abgesehen vom Krisenjahr 2009 gibt es in Wien im Jahresdurchschnitt etwa 7.700 Firmenneugründungen. Um- und Filialgründungen, sowie Gründungen von Firmen, deren Gründer nicht Wirtschaftskammermitglieder sind, werden dabei extra gezählt, müssen also zu den knapp 8.000 noch addiert werden. Übrigens: Fast die Hälfte aller Wiener Firmengründer sind Wienerinnen!
 
Was als typisch (auch) für Wien gilt, ist ein weiteres positives Kriterium für den Wirtschaftsstandort: die Tatsache, dass Arbeitskonflikte gemeinhin friedlich, also ohne Streiks ausgetragen werden (das österreichische Modell der Sozialpartnerschaft) sorgt nicht nur für eine hohe Arbeitsproduktivität (150% des europäischen Mittelwertes), sondern auch für ein gutes Arbeitsklima. Rund 950.000 versichert Beschäftigte und deren 103.000 ArbeitgeberInnen wissen das sehr zu schätzen.
Was die ArbeitgeberInnen auch sehr zu schätzen wissen, sind viele gut ausgebildete (potenzielle) ArbeitnehmerInnen. 26% können ein abgeschlossenes Hochschulstudium vorweisen, weitere 24% eine abgeschlossene Ausbildung auf Maturaniveau. Fachschule und Lehre folgen mit zusammen weiteren 35%. Ergo: Viel kluges und fähiges Wiener Humankapital.

Der Tourismus: Gastliches Wien

Dass Wien eine schöne Stadt ist, die sich weltweiter Beliebtheit erfreut ist nicht nur erfreulich, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor. Mehr als elf Millionen Übernachtungen im Jahr 2011 sind dafür ein eindrucksvoller Beleg. Diese elf Millionen kommen alle gerne, aber nicht nur um hier Urlaub zu machen. Denn Wien ist auch die beliebteste Kongressstadt weltweit! 181 internationale Kongresse im Jahr 2011 (Im Vergleich dazu: London 115, Rom 92) haben auch dazu geführt, dass der Flughafen Wien-Schwechat 20 Millionen Fluggäste verzeichnen konnte. Alle Wiengäste zusammen waren gemeinsam mit den sonstigen die Freizeitangebote der Stadt nutzenden Personen so freundlich rund acht Milliarden Euro auszugeben. Damit haben Freizeit und Tourismus immerhin einen Anteil von 10% an der lokalen Wertschöpfung. In diesem Kontext vielleicht noch eine weitere interessante Zahl: Der Big Mac Index. Er besagt, wie lange man arbeiten muss um sich den großen Bruder des Hamburgers bei der Fastfoodkette, die im Wiener Volksmund „Schachtelwirt“ heißt, kaufen zu können. In Budapest ist es eine knappe Stunde, in Madrid 27 Minuten, in Paris 20 und in Wien reichen durchschnittlich 17 Minuten Arbeit um dieses Produkt erwerben zu können. In diesem Sinne: Hochverehrte Wirtschaftstreibende, geschätzte Kongressteilnehmer, liebe Touristen, herzlich willkommen in Wien.

Prachtvoller Festsaal mit Publikum vor großem Bildschirm
Hauptportal der Wiener Messe

Bei Messen & Kongressen ist Wien weltweit führend. Ob historisch oder modern, Wien bietet für jedes Thema den passenden Rahmen

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