17. Juli 2012
Zum 150. Geburtstag von Gustav Klimt
Immer wieder ein Neubeginn


Gustav Klimt, 1917, eines der letzten Porträts, fotografiert von Moriz Nähr; Gustav Klimt "Familie" 1909/10
Viel Wasser ist seit Gustav Klimts Todesjahr 1918 die Donau hinuntergeflossen. Viel hat sich auch 2012 getan: Während die ersten Ausstellungen im großen Klimt-Jubiläumsjahr bereits zu Ende gegangen sind, öffnen andere gerade erst ihre Pforten, um sich in den Reigen der Gratulanten zu Klimts 150. Geburtstag einzureihen. Allen voran die große Jubiläumsausstellung im Belvedere. Doch auch das Künstlerhaus lockt mit einer kleinen Schau Klimt-Begeisterte in seine Gemäuer – zwei Ausstellungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Während die BesucherInnen im Belvedere von einem Meisterwerk zum anderen wandern, findet sich im Künstlerhaus kein einziges davon. Mit Absicht: denn im Mittelpunkt der mit Fotos, Dokumenten und Briefen ausgestatteten Schau „Ohne Klimt“ steht des Meisters Beziehung zum Haus selbst. Eine Beziehung, die 1891 mit Klimts Eintritt in die „Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens" begann und 1897 mit dessen Austritt und der Formierung der Secession endete. Dazwischen war das Künstlerhaus Klimts künstlerische Heimat, erläutert Künstlerhauspräsident Joachim Lothar Gartner. Eine Heimat, die nur allzu oft als Gegensatz zu Klimts späterer Wirkungsstätte, der Secession, als Auslaufmodell begriffen wurde. Doch damit mache man es sich laut Gartner zu einfach. Mit der Schau – die neben Klimts Austritt auch das weibliche Treiben im Künstlerhaus sowie die spätere Klimt-Rezeption unter die Luppe nimmt – soll dieses am Haus haftende Image widerlegt werden. Es geht darum zu beweisen, dass dieses von vielen gerne bediente Gegensatzpaar zwischen alt und jung und konservativ und modern zu kurz greift. „Vieles lief in Wahrheit parallel, so wie heute eben auch“, betont Gartner.



Plakat zur Kaiserjubiläumsausstellung 1898 - Entwurf Heinrich Lefler; Künstlerhaus Herbstausstellung 1909 - Entwurf Gottlieb Theodor von Kempf-Hartenkampf; Jubiläumsausstellung 1911 anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Gründung der Genossenschaft der bildenden Künstler - Entwurf Josef Breitner
Klimt und die Frauen
Parallel laufen derzeit auch drei weitere Ausstellungen zu Klimt. Noch bis Oktober wartet das Theatermuseum mit einer Ausstellung zum Gemälde „Nuda Veritas“ auf, während das Leopold Museum sich noch bis August „Klimt persönlich“ widmet (siehe Artikel: Fünf Mal Klimt). Zu sehen sind rund 400 Ansichtskarten, die Klimt im Laufe seines Lebens verfasste. Nicht anzutreffen sind hier allerdings die seitenlangen Liebesbriefe, die Klimt an Langzeitfreundin und Seelenverwandte Emilie Flöge verfasste. Diese waren bis vor kurzem gar noch völlig unbekannt. Doch Belvedere Direktorin Agnes Husslein-Arco ließ ihre Beziehungen spielen und so sind diese erstmals im Belvedere im Rahmen der großen Jubiläumsausstellung „150 Jahre Klimt“ zu bestaunen. Beim Versuch, den brisanten Inhalt zu entziffern, werden allerdings vermutlich viele der BesucherInnen W.O. geben müssen, denn anders als bei Klimts schönem Malstil tritt hier die Klaue des Künstlers vollends in Erscheinung.Untergebracht sind die „heißen Papiere“ nur allzu passend in jenem Ausstellungssektor, der den Frauen gewidmet ist. Und Frauen gab es in Klimts Leben bekanntlich reichlich. So endet Klimts Liebesbriefmanie für Frau Flöge abrupt im Jahr 1899, vermutlich aufgrund der Tatsache, dass Klimt im Begriff war, zweifacher Vater zu werden (von zwei unterschiedlichen Frauen!) und sich zudem in die damals noch junge Alma Mahler Werfel verknallte.
Doch nicht nur Klimts Frauenporträts – darunter auch die Darstellungen der Femmes fatales „Judith" und „Salome“ – oder seine Bilder zur Erfüllung durch Liebe – wie etwa im berühmtesten Gemälde des Belvederes „Der Kuss“ – sind heute längst zu Klassikern der Kunstgeschichte geworden. Auch Klimts Landschaftsbilder zeugen vom enormen Können des einstigen Malgenies.


Gustav Klimt - Beitrittsansuchen für die Mitgliedschaft bei der Genossenschaft bildender Künstler Wiens, eingelangt am 5. März 1891; Briefe von Gustav Klimt an Emilie Flöge aus dem Zeitraum 1895–1899
Inmitten von Landschaft und Freunden
Erste Sporen verdiente sich der spätere Vertreter des Wiener Jugendstils als Historienmaler. Gemeinsam mit Ernst Matsch und seinem zu früh verstorbenen Bruder Ernst Klimt betrieb er eine Künstlercompanie, die unter anderem für Arbeiten im Burgtheater und im Kunsthistorischen Museum verantwortlich war. Bilder von den ehemaligen Kollegen Matsch und Klimt (Bruder) sind in der Ausstellung ebenfalls zu bestaunen. Und dieses Bestaunen darf ohne Weiteres wörtlich genommen werden. Selbiges gilt auch für eine kleine, aber dafür umso feinere Auswahl an Schiele-Werken, die die Wände – inmitten des im Übrigen überaus gelungenen Ausstellungsdesigns – zieren.

Gustav Klimt "Der Kuss" von 1908 und "Salome" von 1909
Für die Zukunft gerüstet
Unter den insgesamt 120 Ausstellungsstücken befinden sich auch zwei Schenkungen von Kunstsammler Peter Parzer, die bis dato noch nicht gezeigt wurden. Ebenfalls noch nie zu sehen war das Bildnis eines bärtigen Mannes, das bisher nur als schwarz-weiß-Reproduktion bekannt war. Doch dem Anruf eines privaten Sammlers im Belvedere ist es zu verdanken, dass dieses nun wieder der Öffentlichkeit präsentiert werden kann. Nur eine von mehreren kleinen Sensationen, die das Jubiläumsjahr aufzuweisen hat, wie der Klimt-Experte Christian Weingartner, Kurator der Ausstellung und Vizedirektor des Belvedere, im Rahmen der Eröffnung betonte. Denn anders als manch einer vielleicht vermutet, bedeutet so ein Jubiläumsjahr noch lange nicht den Abschluss der langjährigen Klimtforschung, sondern gerade erst den Anfang.So scheint man im Belvedere derzeit unter anderem auch damit beschäftigt zu sein, das Museum für das 21. Jahrhundert zu rüsten. Erstmals zu einer Ausstellung in einem Bundesmuseum gibt es einen auf iPad laufenden App, der neben Audiokommentaren auch kleine Filmchen liefert, sowie eine Gustav Klimt-World-Map, die die UserInnen zu den Klimt Hot Spots geleitet – angefangen vom Belvedere bis hin zu seinem Grab am Zentralfriedhof, der letzten Station des Künstlers, der auch heute noch so viele ForscherInnen immer wieder aufs Neue zu beschäftigen weiß. Aber wie heißt es doch so schön: Was des einen Ende ist des anderen Anfang.
Info:
Jubiläumsausstellung 150 Jahre Klimt
13. Juli 2012 bis 6. Jänner 2013
Oberes Belvedere
Prinz Eugen-Straße 27
1030 Wien
Tel.: +43 1 795 57 0
info@belvedere.at
www.belvedere.at
Öffnungszeiten: täglich 10.00 bis 18.00 Uhr, Mi 10.00 bis 21.00 Uhr (bis 26. September)
Ohne Klimt. Klimt und das Künstlerhaus
6. Juli bis 23. September 2012
Künstlerhaus k/haus
Karlsplatz 5
1010 Wien
Tel.: +43 1 587 96 63 21
office@k-haus.at
www.k-haus.at
Öffnungszeiten: täglich 10.00 bis 18.00 Uhr, Do. 10.00 bis 20.00 Uhr
Eintritt: 8,50 Euro / ermäßigt 6,50 Euro
sasch
Fotos ©:
Belvedere Wien, Albertina Wien, Künstlerhaus Archiv



