Schriftgröße:

Sprache:

wieninternational.at

Vienna´s weekly European journal

Internationale Organisationen

Wien International

Sprache

Internationale Organisationen

Internationale Organisationen mit Sitz in Wien

Die große Tradition Wiens als Sitz internationaler Organisationen geht bereits auf die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. 1951 kam die UNO erstmals mit einer Zweigstelle ihres Flüchtlingshilfswerks in ein noch weitgehend zerstörtes Wien. Es war von Flüchtlingen überlaufen und durch die vier Alliierten Mächte militärisch besetzt. Seither haben sich mehr als 25 internationale Organisationen in Wien angesiedelt.

Wien wurde somit zur Drehscheibe der internationalen Diplomatie.

UNHCR älteste internationale Organisation in Wien
UNHCR-Logo

Um das tragische Schicksal von Millionen vertriebener oder geflüchteter Menschen im Nachkriegs-Europa lindern zu helfen, gründete die Völkergemeinschaft 1951 das UNO-Flüchtlings-Hochkommissariat UNHCR. Dieses errichtete noch im Gründungsjahr eine eigene Vertretung in Wien. Damit ist das UNHCR von allen UN-Organisationen am längsten in Österreich vertreten. Hauptgrund für diese Standortentscheidung war: Die UNO wollte damit in Wien organisatorisch und finanziell helfen, die große Flüchtlingsnot nach dem 2. Weltkrieg zu bewältigen.

Mehr als 2 Mio. Flüchtlinge seit 1945

Gleichzeitig wurde aber auch innerhalb der Völkergemeinschaft die besondere geografische Lage Wiens und Österreichs als Metropole, Drehscheibe sowie Ort der Begegnung wie der Zuflucht gleichermaßen anerkannt und zunehmend gewürdigt. Wie das UNHCR selbst betont, waren Wien und Österreich seit dem 2. Weltkrieg jahrzehntelang das wichtigste Land für die Erstaufnahme von Flüchtlingen und Auswanderern in ganz Europa überhaupt. Die große Tradition Österreichs als Asylland bestätigen auch Zahlen der UNHCR. In Summe sind laut UNHCR seit 1945 mehr als zwei Millionen Flüchtlinge nach Österreich gekommen, fast 700.000 Menschen sind geblieben, viele davon fanden eine neue Heimat in Wien.

Österreich war übrigens vier Jahre nach Gründung des UNHCR frei und trat der UNO am 14. Dezember 1955 als Vollmitglied bei. Im Jahr 2005 feierte Österreich auch sein 50-jähriges Jubiläum als Mitglied der Völkergemeinschaft.

1957: Atomenergie-Organisation IAEO kommt nach Wien

Weitere zwei Jahre später hatte die Völkergemeinschaft Wien nicht nur als internationale Drehscheibe bei der Bewältigung des Flüchtlingselends im Nachkriegs-Europa anerkannt, sondern auch als Ost-West-Metropole zur Entschärfung eines zunehmenden atomaren Wettrüstens weltweit. Dem sollte die Gründung einer Internationalen Atom-Energie-Behörde IAEO 1957 entgegenwirken. Sie sollte zum Zentrum internationaler Kooperation auf dem Gebiet der Nuklearenergie werden und in erster Linie deren friedliche Nutzung sicherstellen. Sie verstand sich auch von Anfang an als „Atom für den Frieden“ – Organisation. Im Sommer 1957 wurde ein erstes Vorbereitungs-Komitee ins Leben gerufen. Dieses übersiedelte im August 1957 nach Wien und hatte sein erstes Büro in der Musikakademie in der Innenstadt. Dort arbeiteten Atom-Hüter zu Klängen von Musikstudenten/innen und Orchestermitgliedern, die Stücke einstudierten. Die erste Generalkonferenz der IAEO wurde am 23. Oktober 1957 im Konzerthaus abgehalten. Seither ist die IAEO zu einer der führenden UNO-Organisationen mit rund 2.200 Mitarbeitern/innen aus mehr als 90 Staaten der Welt angewachsen. 2005 wurde ihr auch der Friedensnobelpreis verliehen.

CTBTO-Atomwaffen-Kontrollore

Es kamen zusätzliche Atom-Kontrollore nach Wien. Darunter besonders die so genannte Vorbereitungskommission einer Organisation zum Vertrag über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen CTBTO. Diese überwacht von Wien aus, ob weltweit tatsächlich keine verbotenen Atomwaffentests mehr durchgeführt werden. Ebenso keine anderen illegalen nuklearen Explosionen.

1965: OPEC übersiedelt nach Wien
OPEC-Logo

Mitte der 60er Jahre war die Rolle Wiens als Weltsitz internationaler Organisationen bereits so gefestigt, dass sich auch große Wirtschaftsverbände wie die Organisation erdölexportierender Länder OPEC entschlossen, nach Wien zu übersiedeln. Sie wurde im September 1960 in Bagdad gegründet. Ziel war, durch ein Erdölkartell ein Gegengewicht zu internationalen Erdölkonzernen zu schaffen.

In den ersten fünf Jahren ihrer Existenz hatte sie ihr Hauptquartier in Genf in der Schweiz. Am 1. September 1965 verlegte sie ihren Weltsitz nach Wien. Im Jahr 2005 feierte sie hier ihr 40-jähriges Jubiläum. 1976 rief sie in Wien einen eigenen OPEC-Fonds ins Leben. Dieser gibt vor allem Entwicklungsländern günstige Kredite oder leistet daraus humanitäre Hilfe.

1967: UNIDO bezieht ihr Hauptquartier in Wien

Den Ärmsten der Welt wirtschaftlich auf die Sprünge helfen: Diesem Ziel hat sich generell die UNO-Organisation für Industrielle Entwicklung UNIDO verschrieben. Sie wurde am 17. November 1966 ins Leben gerufen, bekam mit dem Ägypter Ibrahim Helmi Abdel-Rahman ihren ersten Direktor und beschloss noch im Dezember desselben Jahres, ihr Hauptquartier in Wien aufzuschlagen. 1967 übersiedelte dann der gesamte UNIDO-Stab von New York in die österreichische Bundeshauptstadt. Derzeit hat die UNIDO rund 800 Angestellte in Wien plus über 2.000 Mitarbeiter/innen weltweit, die meisten mit Teilzeitverträgen für Hilfsprojekte.

1979: Bau der UNO-City in Wien

Der ganz große Durchbruch Wiens zur Ost-West-Drehscheibe der internationalen Diplomatie wurde Ende der 70er Jahre durch den Bau der so genannten UNO-City erzielt, dem „Vienna International Centre (VIC)“. Dieser war Aufbruch und Weltöffnung zugleich. Aufbruch zu einem architektonischen Modernisierungsschub Wiens vor allem jenseits der Donau. Weltöffnung in erster Linie dadurch, dass Wien damit neben New York und Genf zum dritten Sitz der UNO wurde, zu dem später noch Nairobi in Afrika als viertes Zentrum der Vereinten Nationen hinzukam.

Wiener UNO City an der Alten Donau

Das Vienna International Centre, auch UNO-City genannt, ist neben New York, Genf und Nairobi einer der vier Amtssitze der Vereinten Nationen. Mehrsprachige Führungen informieren über die Arbeit der Vereinten Nationen: www.unvienna.org

Der Bau der UNO-City war in allen relevanten Aspekten ein österreichisches Projekt. Initiiert wurde es in der Ära des verstorbenen, langjährigen sozialdemokratischen Bundeskanzlers Bruno Kreisky (1911-1990). Geplant hat das Bauwerk der österreichische Architekt Johann Staber. Markant blieb dabei bis heute die Grundform eines Ypsilons. Übergeben wurde das VIC schließlich am 23. August 1979 dem damaligen österreichischen UNO-Generalsekretär Kurt Waldheim. Mit 1. Jänner 1980 zog die UNO formell in ihr „United Nations Office at Vienna (UNOV)” ein.
 
Vor einem Vierteljahrhundert sahen Kritiker/innen im Bau der UNO-City vor allem eine Geldverschwendung. Heute wird jedoch deren Bedeutung für die internationale Rolle Wiens allgemein anerkannt. Sie gilt als Symbol für die Weltöffnung Wiens zu einem der bedeutendsten Zentren internationaler Diplomatie. In Wien laufen seither die Fäden der Weltpolitik besonders in der Erdölfrage, der Atomkontrolle, der Entwicklungs- und Flüchtlingshilfe sowie zuletzt verstärkt auch der Anti-Drogenpolitik zusammen.
Laut offiziellen Angaben fließen von allen VIC-Ausgaben jährlich rund 360 Mio. Euro in die Wirtschaft Wiens und Österreichs. Mehr als 5.000 Menschen finden dort Arbeit, darunter etwa ein Drittel ÖsterreicherInnen. In Summe hat auch das Image Wiens als bedeutendes Zentrum internationaler Diplomatie weiteren enormen Aufschwung genommen.

Dynamische Entwicklung 1979 - 2006

Seit dem Bau der UNO-City hat sich die Ansiedlung internationaler Organisationen in Wien dynamisch weiterentwickelt.

- Bereits im September 1979 wurde die Kommission der Vereinten Nationen für internationales Handelsrecht (UNCITRAL) nach Wien transferiert. Sie sorgt für Rechtssicherheit im internationalen Handel.

- 1993 siedelte sich das Büro der Vereinten Nationen für Weltraumfragen (UNOOSA) in Wien an. Es kümmert sich in erster Linie um die friedliche Nutzung des Weltraumes.

- In den 90er Jahren wurde Wien auch Welt-Zentrum der Anti-Drogenpolitik der UNO. Grundlage dafür bildete das Drogen-Kontrollprogramm UNDCP, das 1991 beschlossen wurde. 1997 wurde dieses auch mit der Bekämpfung der Drogenkriminalität betraut. Im Oktober 2002 wurde diese Dienststelle dann in UNODC (United Nations Office on Drugs and Crime) umbenannt. Das Büro arbeitet auch mit dem unabhängigen Internationalen Suchtstoffkontrollrat INCB zusammen. Dessen Ziel ist, dass der Anbau, die Produktion und Verwendung von Drogen auf medizinische und wissenschaftliche Zwecke beschränkt bleibt und Chemikalien nicht zur illegalen Herstellung von Drogen verwendet werden.

Seit 1995 ist Wien Sitz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Sie ist aus der 1975 mit der Schlussakte von Helsinki zu Ende gegangenen Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) hervorgegangen.

- Seit Inkrafttreten des Donauschutz-Übereinkommens 1998 sorgt eine eigene Internationale Kommission zum Schutz der Donau (IKSD) für dessen Umsetzung. Hauptsitz ist Wien. Gemeinsames Ziel: Die Donau sauber zu halten und umweltfreundlich als Transportweg zu nutzen.

Wien erhält ESA-Büro für Weltraumpolitik
ESA Logo

Am Schwarzenbergplatz wurde im September 2005 das von der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA (European Space Agency) und Österreich geschaffene Europäische Institut für Weltraumpolitik (European Space Policy Institute, ESPI) eröffnet.

Das Institut sollte als unabhängige Denkfabrik für die Weltraumpolitik Europas und der Welt fungieren. Generell soll die neue Einrichtung Weltraumforschern/innen aus aller Welt offen stehen und für MeinungsbildnerInnen sowie LehrerInnen als Anlaufstelle dienen.

EIB eröffnet 2006 Regionalbüro in Wien

2006 eröffnete die Europäische Investitionsbank (EIB), quasi die Hausbank der EU mit Hauptsitz in Luxemburg, in Wien ein Regionalbüro. Das Wiener EIB-Büro unterstützt im Rahmen des neuen EU-Programms „Jaspers“ (Joint Assistance for Preparing Projects in European Regions) die Erstellung und Abwicklung von Projekten in den neuen Mitgliedsländern aus den Struktur- und dem Kohäsionsfonds der EU. Es fungiert außerdem als Koordinationsstelle für die Finanzierung von Großprojekten, insbesondere im Zuge des Ausbaus der Transeuropäischen Netze (TEN).

Die EIB ist im Eigentum der EU-Mitgliedsländer und die größte öffentliche Entwicklungsbank der Welt.

EU-Grundrechteagentur in Wien

Seit 2007 beherbergt Wien auch die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA). Sie ist eine Expertenkommission, die den Schutz der Grundrechte in Europa überwacht. Die EU-Grundrechte-Agentur ging aus der Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) hervor, die bereits ebenfalls bereits ihren Sitz in Wien hatte. Ihre Aufgaben wurden seither aber deutlich erweitert. Die EUMC durfte nur das Auftreten von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit beobachten. Durch die Charta der Grundrechte der Europäischen Union, die Ende 2009 zusammen mit dem Reformvertrag von Lissabon in Kraft trat, wurde auch das Mandat der FRA ausgebaut. Sie hat seither einen wichtigen Beitrag zum Schutz der EU-Grundrechte zu leisten.

Die Grundrechte-Agentur erstellt für die EU Berichte und Studien, macht damit auf Missstände aufmerksam und schlägt Lösungen vor. Für individuelle Beschwerden wegen Grundrechts-Verstößen ist die FRA in Wien allerdings nicht zuständig. Dies ist Aufgabe des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte in Straßburg. Der derzeitige Auftrag 2007–2012 der FRA umfasst folgende Schwerpunkte: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz; Diskriminierung aus diversen Gründen (Geschlecht, ethnische Herkunft, Religion, Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexuelle Ausrichtung, Minderheiten); Entschädigung von Opfern; Rechte des Kindes einschließlich des Kinderschutzes; Asyl, Zuwanderung und Integration von Migranten/innen; Visa und Grenzkontrollen; Einbindung der Bürger in Demokratie der Union; Schutz von Privatsphäre und persönlicher Daten; Zugang zu einer effizienten und unabhängigen Rechtsprechung.

redaktion