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Vienna´s weekly European journal

Menschen in Bewegung

03. Juli 2012

ImPulsTanz Festival

Menschen in Bewegung

1: Saskia Hölbling, tanzend
Saskia Hölbliing, zu sehen im Rahmen der Reihe CPA* mit ihrem Stück "Body in a metal structure" auf der Terrasse der Albertina

Es ist wieder da, und zwar bereits zum 29. Mal, um einen vollen Monat lang leidenschaftlich die Freude an der Bewegung zu zelebrieren: ImPulsTanz, das internationale Tanzfestival mit Sitz in Wien.

Umfangreicher denn je präsentiert sich das Programm, das vom 12. Juli bis zum 12. August Menschen aller Altersgruppen dazu einlädt, selbst zu tanzen oder sich vortanzen zu lassen. Aktiver in einem der zahlreichen Tanz-Workshops oder eher passiv als ZuschauerIn in einer der vielen Vorstellungen, die dieses Jahr dem Publikum den zeitgenössischen Tanz näher bringen wollen. Wobei es streng genommen schon sehr viel Aktivität erfordert, sich einen Überblick über die beiden Festivalschienen zu verschaffen.
Für Aktiv-TänzerInnen
214 Workshops und Research Projekte umfasst allein das „Aktiv“-Programm. 90 davon stehen TanzeinsteigerInnen offen. In vier Blöcken á fünf Wochentagen oder drei Wochenend-Blöcken gilt es, Bekanntschaft mit so unterschiedlichen Tanzstilen wie Super Hero HipHop, Rock´n´Roll Ballet oder Butoh zu machen, Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Die meisten Kurse finden im wunderschönen Areal des Arsenals statt, konkret in den Probebühnen des Burgtheaters bzw. den Art-for-Art Werkstätten. Dort werden auch die „Golden Age“ Workshops abgehalten, die für Menschen ab 55 reserviert sind. Oder die „All Abilities“ Kurse, bei denen Menschen mit und ohne körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung gemeinsam tanzen. Kinder und Jugendliche hingegen werden ins Theater Dschungel im MuseumsQuartier pilgern.

Diejenigen, die sich noch nicht sicher sind, ob ein Tanzworkshop auch wirklich das richtige für sie ist, haben am 15. Juli die Möglichkeit, bei den „impressions“ einen ersten Eindruck davon zu bekommen, was sie in den Kursen erwartet. Aber Achtung: manche Kurse sind schnell ausgebucht, wer zu lange überlegt, kommt vielleicht zu spät.


2: Tanzworkshop
3: Tanzworkshop "Golden Age"
Tanzworkshops für alle Altersgruppen


Tanzen ganz ohne Theorie ist jedenfalls bei den Partys gegen Festivalbeginn und -ende im Kasino am Schwarzenbergplatz angesagt. Aber auch den TheoretikerInnen wird einiges geboten: Kopf-TänzerInnen steht die Dance Film Video Library mit über 300 Tanzfilmen und Dokumentationen zur Verfügung, bei den Talks wiederum erzählen namhafte KünstlerInnen aus ihrem Leben mit dem Tanz.
Für Passiv-TänzerInnen
Womit wir auch zur „passiven“ Schiene des Festivals kommen. Denn natürlich ist Fachwissen keine Voraussetzung, sich eine Performance- oder Tanzaufführung anzusehen, bei über 90 Vorstellungen erleichtert es aber vielleicht doch die Qual der Wahl. Grobe Orientierungshilfe bieten Neulingen eventuell die Bereiche, innerhalb derer die Darbietungen stattfinden.

Neben dem „großen“ Programm gibt es nämlich auch drei spezialisierte Schienen: Eingebunden bei ImPulsTanz findet heuer die CPA* 2012 Choreographic Platform Austria – eine Förderplattform für den österreichischen zeitgenössischen Tanz – statt. Zur Zentrale hat die CPA* den ehemaligen Tanzpalast Etablissement Gschwandner im 17. Bezirk erklärt. Im sogenannten „Österreich Pavillon“ werden über 25 in Österreich lebende und arbeitende ChoreografInnen ihre Arbeiten präsentieren. Bereits etabliert ist die Schiene [8:tension] – Young Choreographers´ Series. Die Newcomerreihe zeigt Werke aufstrebender europäischer ChoreografInnen. Innerhalb dieser Reihe wird heuer der bestdotierte europäische Nachwuchstanzpreis, der Prix Jardin d´Europe, vergeben.


4: Compagnie Ultima Vez
5: Ko Murobushi
6: Elisabeth Tambwe
Wim Vandekeybus und seine Compagnie Ultima Vez gastieren mit "Booty Looting" in der MQ Halle G (li.); Ko Murobushis Premiere von "Quick Silver" findet im Odeon statt (Mi.); Elisabeth Tambwe gastiert im Österreich Pavillon im Gschwandner (re.)


Wenn aber das Kriterium zur Wahl des Besuchs einer Vorführung vor allem der Vorstellungsbeginn ist, könnte die [Wild Walk] Schiene gefallen. Bei der Nachtvogel-freundlichen Reihe beginnt keine Vorstellung vor 23:00 Uhr. Zeit spielt definitiv auch eine Rolle bei Jan Fabres 8-stündigem Meisterwerk „This is theatre like it was to be expected and forseen“, das – entgegen den Versprechungen des Titels – vor 25 Jahren die Theaterwelt revolutionierte.

Für wen Raum ein wichtigeres Kriterium ist als Zeit, der könnte auch einfach die Aufführungsorte besuchen, die sich dieses Jahr erstmals dem ImPulsTanz Festival öffnen: da wäre das bereits erwähnte Gschwandner, aber auch die Barockgärten des Belvedere, die Terrasse der Albertina oder die ehemalige Zollamtskantine in der Schnirchgasse in Erdberg.

Oder aber, man geht auf Nummer sicher und orientiert sich an den großen Namen von Tänzerinnen und Tänzern von Weltrang, die in den letzten 29 Jahren auch wesentlich zum Erfolg von ImPulsTanz beigetragen haben: in der vordersten Reihe Ismael Ivo, der das Festival nicht zur mitinszeniert und immer auch Workshops leitet, sondern auch auf der Bühne zu sehen sein wird, nämlich mit der Neufassung des Johann Kresnik-Klassikers „Francis Bacon“. Oder Anne Teresa De Keersmaeker samt ihrer Compagnie Rosas, die ebenfalls einen Klassiker neuinszeniert: „Drumming Live“. Oder Manuel Legris, Leiter des Wiener Staatsballets, der im Burgtheater eine Ballett-Gala zur Erstaufführung bringen wird. Zurück an den Start? Mitnichten, denn auch im Ballett gibt es zeitgenössische Strömungen. Na dann, freuen wir uns auf einen bewegten und bewegenden Monat!


7: The Loose Collective
8: Cie.Ismael Ivo
The Loose Collective tanzt im Rahmen der Young Choreographers´ Series (li.); Festival-Mitbegründer Ismael Ivo gibt die Neuinszenierung von "Francis Bacon" (re.)







Info:
ImPulsTanz
Vienna International Dance Festival
12. Juli bis 12. August 2012

Sämtliche Informationen zu Workshop- und Performance-Programm auf
www.impulstanz.com

hr