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Vienna´s weekly European journal

Mit Hochdruck für Wien und die Umwelt

17. Juli 2012

Wärmespeicher

Mit Hochdruck für Wien und die Umwelt

1: Baustart Hochdruck-Wärmespeicher
Symbolischer Baustart des 1. Hochdruck-Wärmespeichers weltweit. v.l.n.r.: Franz Ekkamp (Gemeinderat), Robert Grüneis (Wien Energie-Geschäftsführer), Susanna Zapreva (Wien Energie-Geschäftsführerin), Renate Angerer (Bezirksvorsteherin Simmering)

Wie gerne hätte man die „überschüssige“ Wärme der vergangenen Wochen an einem Ort gespeichert, von wo man sie in kälteren Tagen wieder abrufen kann. So weit ist die Technik noch nicht, aber doch immerhin fast so weit. In Wien Simmering entsteht derzeit ein neuartiger Hochdruck-Wärmespeicher, der ab nächstem Jahr 20.000 Haushalte mit Fernwärme versorgt.

Bei vielen industriellen Prozessen entsteht (Ab)Wärme. Nicht ein bisserl „schön warm“, sondern Wärme in einem Ausmaß, dass es wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll ist, sie nicht einfach durch den Schornstein abzulassen, sondern „einzufangen“, zu speichern und dann dorthin zu leiten, wo Wärme gebraucht wird.


2: Hochdruck-Wärmespeicher Baustelle
3: Müll
Noch sind nur die Umrisse der Fundamente zu sehen (l.), aber demnächst wird hier (auch) aus Müll gewonnene Fernwärme gespeichert

Wunderbares Wasser
In der vielfältigen Welt der „Wien Energie“ gibt es zahlreiche Wärmeproduzenten und einige davon speisen ab 2013 den neuen Hochdruck-Wärmespeicher. Dazu zählen unter anderem die Kraft-Wärme-Kopplungs-Kraftwerke in Simmering, Donaustadt, Leopoldau, aber auch die Müllverbrennungsanlagen, sowie das Wald-Biomassekraftwerk Simmering und – zu einem späteren Zeitpunkt – die Geothermieanlage Aspern.

Nun ist Wärme per se nicht speicherbar, sie braucht ein Trägermedium. Etwas, das die Wärme aufnimmt und – idealerweise – auch geeignet ist, sie dort hinzubringen, wo sie wieder vom Träger entkoppelt nur Wärme sein kann. Ohne jetzt allzu sehr in technische Details abzuschweifen: Wasser hat sich hier als ideales Medium erwiesen.


4: Müllanlieferung Spittelau
Im Hintergrund das berühmte Fernwärmegebäude von Hundertwasser. Im Vordergrund einige die Anlage fütternde "Energielieferanten"

Unter Hochdruck
Unter gewaltigem Druck wird es am Ort der Wärmeproduktion auf bis zu 150 Grad Celsius erwärmt und dann durch Druckleitungen zum, aus zwei Speicherbehältern bestehenden, Wärmespeicher transportiert. Dessen Speicherkapazität von 850 Megawattstunden ist ausreichend, um bis zu 20.000 Haushalte mit Heizung und Warmwasser zu versorgen.

Damit das funktioniert, müssen 11.000 Kubikmeter Wasser (welche, da unter Druck stehend eben mehr als 11 Millionen Liter sind) bis zu 10 bar Druck erhitzt werden.
Den Druck braucht es nicht nur zu Wärmebeschaffung und Lagerung, sondern auch um die – zusätzlich zur Entfernung – bis zu 150 Höhenmeter zu überwinden, die zwischen Wärmespeicher und Endkunden liegen.
Viel braucht viel
Das braucht natürlich reichlich Platz, weswegen die beiden Speicher mit 2.000 Kubikmetern Beton auf eine Höhe von je 45 Metern von 80 bis 100 Leuten gebaut werden. Denn nicht nur kann mit dem Wärmespeicher ohnehin schon existente Wärme (wirtschaftlich) wirklich sinnvoll genutzt werden, auch die positiven ökologischen Folgen sind ausgesprochen erfreulich. „Wir werden jährlich Abgase von ungefähr 10.000 Tonnen an Kohlendioxid einsparen. Das entspricht etwa jener Menge, die man erzielen würde, wenn rund 4.200 Mittelklasse-Pkws ein Jahr lang stehen blieben“, so Wolfgang Daschütz, Projektleiter für dieses ambitionierte Projekt der „Wien Energie.“


5: Geothermiekraftwerk Entwurf
So geschmackvoll und dezent wird das Geothermiewerk in Aspern letztendlich aussehen. Kaum zu glauben, dass aus diesem Gebäude Leitungen 5.000 Meter in die Tiefe führen

Die Energiestrategie
Die beiden riesigen Wärmespeicherbehälter, immerhin acht Meter höher als das Dach des Stephansdoms, sind das derzeitig augenfälligste Projekt in der Energiestrategie der „Wien Energie“. Durch die verstärkte Nutzung von Wind- und Solarkraft, sowie mittels Geothermie, möchte das Unternehmen bis zum Jahr 2030 die Hälfte der erzeugten Energie aus erneuerbaren Quellen gewinnen.
Vielleicht ist die Technik bis dann auch schon so weit, dass von 37° Celsius so um die 5° Celsius für Schlechtwetterphasen angespart werden können. Wär’ das nicht schön?!






Info:
Fernwärme aus der Tiefe
Mehr Fernwärme liefert ab 2015 Mutter Erde an die Stadt Wien. Dazu wird in der derzeit in Entstehung befindlichen Geothermieanlage Aspern heißes Wasser aus Thermalwasser führenden Erdschichten in 5.000 Meter Tiefe nach oben gepumpt. Die Hitze bleibt oben und wird Fernwärme, das Wasser wird wieder zurückgepumpt, wo es sich erneut erhitzt. Mit dieser absolut umweltfreundlichen Anlage können jährlich 130.000 Tonnen Kohlendioxid gespart und 40.000 Haushalte mit Fernwärme versorgt werden.

Wien Energie
Wien Energie ist der größte regionale Energieanbieter Österreichs. Das Unternehmen versorgt mehr als zwei Millionen Menschen, rund 230.000 Gewerbeanlagen, industrielle Anlagen und öffentliche Gebäude sowie rund 4.500 landwirtschaftliche Betriebe in Wien, Niederösterreich und Burgenland nachhaltig mit Strom, Erdgas und Wärme. Die Strom- und Wärmeproduktion stammt zunehmend aus erneuerbarer Energie. Informationen zum Unternehmen online unter www.wienenergie.at.

hahö