1: Buchcover
2: Lesung bei Buchpräsentation

Mörderische Geschichten aus Wiens Beisln


Nach der im Frühjahr 2011 erschienenen Krimianthologie „Tatort Kaffeehaus“ schickte Herausgeberin Edith Kneifl nun einige ihrer Autoren-KollegInnen in eine weitere Urwiener Institution: Das Beisl. Entstanden sind 13 Kriminalgeschichten in lauschiger, aber letztendlich tödlicher Atmosphäre, zusammengefasst unter dem Titel „Tatort Beisl“.

In der Einleitung von Berndt Anwander unter dem Titel „Trio Infernal“ wähnt sich der/die Leser/in – der das Buch der Authentizität wegen selbstverständlich im Beisl liest – noch in Sicherheit. Denn hier steht geschrieben: „Im Großen und Ganzen lebt es sich in den Wiener Beisln ungefährlich.“ Das Beisl-Publikum, das aus RaunzerInnen, MelancholikerInnen und WitzeerzählerInnen ebenso wie aus KomplexlerInnen besteht, sei ein Spiegelbild der Wiener Seele, des Wiener Gemüts. Dabei käme es täglich vor, dass im Beisl über Mord und Totschlag geredet wird. Vom Vorsatz zur Umsetzung sei es aber ein nur selten begangener Weg. Nicht so selten jedoch in den Geschichten aus dem Buch „Tatort Beisl“.
Vom Renner übers Schutzhaus zum Silberwirt
Da wäre zum Beispiel die Geschichte von Christian Klinger über den dem Alkohol nicht abgeneigten Inspektor Dantlinger, der im Döblinger Gasthof zum Renner Zeuge eines – zufälligen – Mordes wird. Im Schutzhaus Zukunft auf der Schmelz flechtet Sabina Naber eine geplatzte Hochzeit mit Nachbarschaftskonflikten und gefälschten Papieren zu einer spannenden Story. Franz Zeller nimmt das Ausflugsgasthaus am Hanslteich als Schauplatz für seinen Krimi, wo – wie könnte es anders sein – eine Wasserleiche für Aufsehen sorgt. Stefan Slupetzky nimmt seine LeserInnen mit Gurken als Mordwerkzeug ordentlich aufs Korn. Die Herausgeberin selbst, Edith Kneifl, wählt in gewohnter Manier das Margaretener Schlossquadrat bzw. den Silberwirt als Tatort für ihren „Leichenschmaus“. Sie lässt ihre LeserInnen an einer weiteren Episode aus dem spannenden Leben von Katharina Kafka teilhaben, der Protagonistin ihres Kriminalromans „Schön tot“.  


3: Lesung bei Buchpräsentation

Beislempfehlungen der anderen Art
Besonders schön lesen sich die Geschichten, die in Beisln spielen, die man selbst kennt. Immerhin lässt sich ein Tathergang umso bildlicher rekonstruieren, je vertrauter einem die Umgebung ist. Denn seien auch die Handlungen der Krimis frei erfunden und jede Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen rein zufällig, so sind die Tatorte durchaus echt. Trotz der kriminellen Machenschaften, die sich in so manchen Lokalen im Buch abspielen, verspürt man als LeserIn Lust, die Schauplätze kennen zu lernen oder sie einmal wieder zu besuchen. Immerhin wird in den Krimis in eben diesen Beisln außer gemordet meistens auch gegessen. Und da kann beim Lesen vom Genuss von Buchteln in Vanillesauce, Gulasch oder Schweinsbraten schon Appetit aufkommen. Umso besser, wenn man sich zum Lesen gleich ins Beisl zurückgezogen hat.

Nach diesem zweiten Teil von Edith Kneifls Krimi-Sammlungen stellt sich die Frage, welche Orte sie wohl demnächst zu tödlichen Schauplätzen macht. Da in der Einleitung Kaffeehaus, Beisl und Heuriger als berühmtes Dreigestirn der Wiener Gastronomie bezeichnet werden, darf man sich vielleicht schon auf den Krimi-Band „Tatort Heuriger“ freuen.


Info:
Edith Kneifl (Hg.): Tatort Beisl – 13 Kriminalgeschichten aus Wien
Mörderische Streifzüge durch die Wiener Beisln unternehmen folgende AutorInnen:
Ivo Schneider, Eva Rossmann, Reinhardt Badegruber, Clementine Skorpil, Christian Klinger, Franz Zeller, Sabina Naber, Andreas P. Pittler, Stefan Slupetzky, Jacqueline Gillespie, Günther Zäuner, Raoul Biltgen, Edith Kneifl.

Falter Verlag 2011, 280 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-85439-464-8
€ 22,90
www.falter.at

(ene)
erstellt am: 2011-11-02