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Vienna´s weekly European journal

Osteuropa: Gedämpfte Geschäftserwartungen

21. August 2012

Osteuropa: Gedämpfte Geschäftserwartungen

1: Euromünzen
Ein verschlechtertes Geschäftsklima im Osthandel diagnostiziert die Kontrollbank

Das Geschäftsklima mit Osteuropa ist getrübt, da InvestorInnen weitere negative Folgen durch die Euro-Krise befürchten. Die Entwicklung der Konjunktur wird vorsichtig beurteilt. Zu diesen Schlussfolgerungen kommt der jüngste Quartalsbericht der Österreichischen Kontrollbank für Osteuropa.
Im Osten leicht bergab
Die österreichische Kontrollbank fungiert als Österreichs Export-Kredit-Institut und gibt vierteljährlich einen Geschäftsklima-Index heraus. Der wird aus Einschätzungen und Erwartungen von rund 400 Firmen errechnet, die von Wien und Österreich aus rund 1.500 Tochterunternehmen in Osteuropa steuern. Erhoben wird er in 21 Ländern. Aktuelles Fazit: Das Geschäftsklima hat sich im Osteuropahandel im vergangenen Juli verschlechtert. Im April davor wurde die Lage noch optimistischer beurteilt. InvestorInnen sind zwar nach wie vor mit ihren Ost-Beteiligungen zufrieden, die Geschäftserwartungen zeigen aber deutlich nach unten. Die aktuelle Geschäftslage wird zwar als robust, aber deutlich zurückhaltender bewertet. Skeptisch beurteilt wird auch die Konjunktur im Osten. Man geht davon aus, dass die Wirtschaftsentwicklung in den nächsten zwölf Monaten weiter an Schwung verlieren wird. Expandiert wird zwar weiterhin, aber vorsichtig und regional sehr unterschiedlich, so die Analysen der Kontrollbank.


2: Warschau Polen
Polen ist bei Österreichs AuslandsinvestorInnen stark im Kommen

Polen im Aufwind
Polen wird für Ost-InvestorInnen immer wichtiger. Das ist ein weiteres Ergebnis des jüngsten Geschäftsklima-Index der Kontrollbank. Strategien der (Direkt-) InvestorInnen, im Osten Marktpräsenz auszubauen, seien regional sehr unterschiedlich. Laut neuester Juli-Erhebung sollen aber vor allem Niederlassungen in Russland und Polen ausgebaut werden. Polen positioniere sich zunehmend als Top-Anleger-Land für neue Projekte. Laut Kontrollbank sollen 16 Prozent aller 45 für Osteuropa gemeldeten Ausbau-Vorhaben allein in Polen realisiert werden. Als zweitstärkstes Investitions-Zugpferd folgt Serbien mit 13 Prozent vor Kroatien mit 9 Prozent.

Unterschiedliche Stimmung
Bei der Beurteilung der Geschäftserwartungen differenzieren InvestorInnen gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten deutlich in ihren Länder-Einschätzungen. Generell zeigten zwar im Juli fast alle Indizes nach unten, aber das ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Als Länder mit den derzeit besten Wirtschaftsaussichten im Osten werden Russland, Polen und die Ukraine gesehen, die zuletzt stark aufgeholt hat. Die Ukraine war im Juli sogar das einzige Land mit einem gegenüber April positiveren Geschäftsausblick. Die Handelserwartungen für die Ukraine bleiben auch weiter sehr positiv, die Einschätzungen über die tatsächliche Wirtschaftslage allerdings weniger. Das Land mit dem günstigsten Geschäftsklima und den besten Wirtschaftsaussichten war im Juli Polen. Dagegen rangiert etwa das Euroland Slowenien bei Konjunktur und Geschäftsklima jeweils im unteren Drittel der Länder-Rankings.


3: Ukraine Kiew
Die Ukraine war zuletzt das einzige Land im Osten mit sehr positiven Handelsaussichten

Bosnien krisengebeutelt
Neu in den Geschäftsklima-Index Osteuropa hat die Kontrollbank Bosnien-Herzegowina aufgenommen. Bosnien ist besonders hart und schwer von den Auswirkungen der Euro-Krise betroffen. Das schlägt sich auf das ohnehin schon schlechte Wirtschaftsklima nieder: Von allen zwölf analysierten Ländern hat sich in Bosnien das Geschäftsklima im Juli am stärksten eingetrübt. Die Zufriedenheit der InvestorInnen mit ihren Firmenbeteiligungen in Bosnien sinkt weiter. Die Konjunktur schleppt sich dahin. Geschäftsaussichten werden noch schlechter, nicht besser. Man will in Bosnien eher Standorte verkleinern als ausbauen, mit Ausnahme des Bankensektors.

Banken geht es gut
Banken selbst melden auch am Höhepunkt der anhaltenden Finanz-, Euro- und Schulden-Krise robuste Geschäfte in Osteuropa. Wenn auch bei etwas sinkenden Index-Zahlen. Banken beurteilen aber für satte 88 Prozent ihrer Osttöchter die aktuelle Geschäftslage als gut und saisonüblich. Ein Viertel der Bankentöchter rechnet für das zweite Halbjahr 2012 mit einer verbesserten Geschäftsentwicklung. Dagegen zeigen sich die Versicherungen bei ihren Geschäftserwartungen wesentlich vorsichtiger. Bei den Versicherungen ist daher das Geschäftsklima auch etwas gedämpfter als im Bankensektor. Dennoch wollen Versicherungen Geschäfte im Osten deutlich ausbauen und auch weiter kräftig investieren.


4: Bosnien Herzegowina Sarajevo
Bosnien bleibt von der internationalen Finanzkrise besonders schwer getroffen

Energie- und Wasser-Versorger
Pessimistisch und defensiv sind dagegen laut Kontrollbank Energie- und WasserversorgerInnen bei Ostgeschäften. Die wären schon lange mit Markt-Aussichten im Osten unzufrieden, konstatiert die Kontrollbank. Hauptgrund: schwierige Rahmenbedingungen. Daher sind die Geschäftserwartungen im Juli neuerlich stark eingebrochen und liegen im Branchenvergleich am weitesten unter den Ausgangswerten von 2007. Für die Energie- und WasserversorgerInnen stünden die Zeichen daher auf gemäßigten Rückzug aus der Region. Rund ein Drittel der bestehenden Beteiligungen soll in den kommenden Monaten verkleinert oder geschlossen werden. Seit Jahresbeginn 2012 sei zudem kein einziges Neuinvestitionsprojekt mehr in Planung. 

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