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Prager Stadtteil Karlín – Wie Phönix aus der Asche

Serie: Bezirke

Prager Stadtteil Karlín – Wie Phönix aus der Asche

1: Blick auf Prag

Diesmal im Fokus unserer Bezirksserie: Die „Goldene Stadt“ Prag und ihr Viertel „Karlín“. Die Hauptstadt der Tschechischen Republik erstreckt sich mit ihren 1.241.273 EinwohnerInnen auf 496 Quadratkilometer. Die Moldaumetropole ist zugleich eine der 14 tschechischen Regionen. Sie ist in 57 Stadtteile gegliedert.

Der achte Stadtteil, der sich vom Zentrum bis zum nördlichsten Stadtrand erstreckt, zählt über 100.000 EinwohnerInnen. Neben den industriellen Siedlungen in den Vierteln „Bohnice“ und „Kobylisy“ liegen im „Achten“ auch zehn Naturschutzgebiete, die zu einem Spaziergang einladen. Etwas abseits vom großen TouristInnentumult, jedoch in nächster Nähe zum Stadtzentrum, liegt hier das Viertel „Karlín“ (auf Deutsch „Karolinenthal“), das im letzten Jahrzehnt eine positive Veränderung erfahren hat und dessen Vergangenheit und Gegenwart im folgenden Beitrag näher beleuchtet werden.

Karlíns Geschichte

Zusammen mit dem Viertel „Liben“ gehört „Karlín“ zu den ältesten Stadtteilen von „Prag 8“. Das ehemalige Industrie- und Arbeiterviertel hat zu Anfang des 20. Jahrhunderts den Stadt-Status erhalten und wurde im Jahre 1922 in die Großstadt Prag eingemeindet. „Karlín“ liegt am rechten Moldauufer und grenzt mit seinem südlichen Ortsrand an die Prager „Neustadt“. Benannt wurde das Viertel nach Karoline Auguste von Bayern, der vierten Frau Kaisers Franz I. Bis zum 19. Jahrhundert wurde das Gebiet vom „Orden der Kreuzherren mit dem roten Stern“ verwaltet. 1817 begann auf den preiswerten Grundstücken hinter den Stadtmauern der Aufbau der ältesten Prager Vorstadt. Viele Industrieunternehmen haben sich dort angesiedelt, zunächst herrschte die Textilindustrie vor, später kamen auch Maschinenbaubetriebe hinzu. In Folge des industriellen Aufschwungs wurden Arbeitersiedlungen errichtet. Die Häuserblocks wurden im klassizistischen Stil mit schachbrettartig angeordneten Straßen und Plätzen angelegt. Bis zum ersten Weltkrieg diente „Karlín“ dank seiner vielen Gärten auch als Gemüselieferant für Prag.


2: Negrelli Viadukt

Faszinierend nicht nur für Eisenbahn-Fans: Das Negrelli-Viadukt

Invalidenstätte

Eines der ältesten Objekte von „Karlín“ ist das vom berühmten Architekten K. I. Dientzenhofer entworfene Barockgebäude „Invalidovna“, das im 18. Jahrhundert für Kriegsinvaliden und Veteranen errichtet wurde. Aus den großzügigen Plänen eines Areals für 10.000-15.000 Männer ist wegen Geldmangels nur ein Bruchteil realisiert worden, trotzdem wirkt es monumental. Die Invalidenstätte diente ihrem Zweck bis zum Jahre 1965, später wurde sie für Museen- und Archivzwecke genutzt.

Markenzeichen Verkehr

„Karlín“ hatte bereits im 19. Jahrhundert eine strategisch wichtige Rolle im Verkehr eingenommen. Der böhmische Erfinder und Vorreiter der Elektrotechnik, František Križík, betrieb dort eine der ersten elektrischen Straßenbahnen, die er später an die Stadt Prag verkaufte. Eisenbahn-Fans werden von der technischen Sehenswürdigkeit des „Negrelli-Viadukts“ fasziniert sein. Die Eisenbahnbrücke aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde nach den Plänen des österreichischen Ingenieurs Alois Negrelli gebaut und zeichnet sich durch ihre ungewöhnliche Länge von 1,11 Kilometern aus. Insgesamt zählt die Brücke 85 Brückenbögen. Im Jahre 1974 wurde „Karlín“ auch durch die U-Bahn-Linie C erschlossen, 1990 kam die U-Bahn-Linie B hinzu. In „Karlín“ befindet sich auch der größte Prager Busbahnhof „Florenc“. Erwähnenswert ist auch der unauffällige Tunnel für FußgängerInnen, der seit den 50er Jahren „Karlín“ mit dem benachbarten Viertel „Žižkov“ verbindet.


3: Main Point Karlin
4: Main Point Karlin Detail

Der Main Point Karlín zählt zu Prags architektonischen Meisterwerken

„Karlín“ und der Fluss

Untrennbar ist „Karlín“ mit der Moldau verbunden. Seit 1822 wurde hier der erste Prager Handelshafen betrieben. 1926 wurde der Hafen aufgrund der Eröffnung größerer Häfen in den Vierteln „Liben“ und „Holešovice“ geschlossen. Ursprünglich hatte der Fluss im Gebiet von „Karlín“ vier Inseln. Durch das Umlegen des Flussbettes und die Moldau-Regulierung sind diese Inseln zum Festland geworden. Nach 1948 begann „Karlín“ zu verwahrlosen. Viele Häuser wurden nicht in Stand gehalten und verfielen zusehends. Im Zuge dessen verwandelte sich das Viertel zu einem schmutzigen Winkel, der sich keines guten Rufs erfreute. Die Flutkatastrophe im Jahre 2002 spülte diese negativen Attribute praktisch weg. Sobald sich der einst verruchte Bezirk von den Folgen des Hochwassers erholt hatte, entstand ein neues Viertel. Im Wandlungsprozess wurden die Wohnhäuser im alten „Karlín“ allmählich saniert und die alten Fabrikshallen umgebaut. Die interessanteste Verwandlung erlebten aber die Gebiete zwischen der ehemaligen Insel Rohan und der Moldau. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts herrscht dort ein Bauboom, dessen Ergebnisse als Schaufenster der modernen Büro-Architektur betrachtet werden können.

Neue Architektur

Das preisgekrönte Gebäude „Main Point Karlín“, das 2012 den ersten Platz beim internationalen Architekturwettbewerb „MIPIM Awards“ in der Kategorie „Bürogebäude“ errang, fällt sofort ins Auge. Das nachhaltig gebaute und mit modernster Technologie ausgestattete Gebäude verfügt über 22.000 Quadratmeter Bürofläche. Zu den umweltschonenden Elementen gehört zum Beispiel das durch Moldauwasser betriebene Kühlsystem. Das Gebäude stellt dank seiner bunten Fassade einen Blickfang dar, die Fassadenlamellen dienen zugleich der Sonnenabschirmung. Auch die anderen neuen Bürogebäude des administrativen Komplexes „River City“ stehen ihrem jüngsten Nachbarn in nichts nach.


5: Karlin Theater

Das prachtvolle Karlíner Theater stammt aus dem Jahr 1881

Kulturszene

Das Stichwort „Karlín“ ruft bei vielen PragerInnen die Assoziation mit dem hiesigen Musiktheater hervor. Das prunkvolle Gebäude wurde bereits im Jahre 1881 gebaut. Zunächst war es ein Varieté, im Winter gab es dort Zirkusvorstellungen. Jahrzehntelang stand das „Karlíner Theater“ im Zeichen der Operette, später haben auch Musicalvorstellungen hier ihre Heimat gefunden. Das Theater verfügt über 921 Plätze, was es nach der Staatsoper zum zweitgrößten Prager Theater macht. Es ist auch mit namhaften Persönlichkeiten verbunden wie Jan Werich, Oldrich Nový oder Alfréd Radok. Auch alternative Kultur- und Designszenen haben sich nach der Flutkatastrophe in „Karlín“ angesiedelt, einige der älteren Industriebauten wurden in Galerien umgewandelt. Das pulsierende Viertel hat seinen einstigen Charme zurückerobert.










Lesen Sie auch unsere Serie: 23 Mal Wien

Link:
http://www.radio.cz/de
www.praha.eu
www.ikarlin.cz

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