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Schulische Bildung

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Schulische Bildung

Die schrittweise Einführung der Schulpflicht war europaweit ein Zeichen bzw. eine Folge von Reformation und Aufklärung. Auch Kaiserin Maria Theresia erließ 1774 für Österreich und die angrenzenden Erbländer die „Allgemeine Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt- und Trivialschulen“, mit der die allgemeine Volksschule (4 Jahre Schulpflicht) begründet wurde.
Von „Bildung für alle“, wie sie bis heute verteidigt und weiterentwickelt wird, konnte natürlich noch keine Rede sein.
 
Eine entscheidende Modernisierung wurde durch die industrielle Revolution in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingeleitet. Die steigende Nachfrage nach Arbeitskräften, die schreiben, lesen und rechnen konnten, führte 1869 zum „Reichsschulgesetz“. Entscheidender Fortschritt: Das bis dahin zu zahlende Schulgeld wurde abgeschafft und eine achtjährige Schulpflicht eingeführt.

Otto Glöckel und die Schulreform

Einen Meilenstein im Schul- und Bildungssystem setzte der ehemalige Unterstaatssekretär für Unterricht Otto Glöckel als geschäftsführender Präsident des 1922 neu gegründeten Wiener Stadtschulrats. Die mit seinem Namen verknüpfte Schulreform erwies sich als eine der bedeutendsten und folgenschwersten Errungenschaften der Kommunalpolitik des „Roten Wien“. Otto Glöckels Konzept war modern und die Leitlinien basierten auf pädagogischen Maßnahmen, die das geltende autoritäre Unterrichtssystem in Frage stellten. So propagierte er die Trennung von Schule und Kirche und forderte soziale Chancengleichheit durch eine einheitliche Organisation des gesamten Erziehungs- und Bildungswesens in den Stufen Grundschule, Allgemeine Mittelschule und Allgemeinbildende Oberschule (Einheitsschule). Seine Reformen wurden während des Nazi-Regimes zurückgenommen und kamen erst wieder nach 1945 teilweise zum Tragen. Im Schuljahr 1948/49 konnten schließlich die Infrastruktur und die Anzahl der Schulen soweit wiederhergestellt werden, dass weitgehend von Wechselunterricht auf Normalunterricht umgestellt werden konnte.

Otto Glöckel schwarz-weiß-Portrait
Schwarz-weiß Fotografie 1934 - Eingang zu Schulgebäude, Menschen gehen ein und aus

Otto Glöckel, der Schulreformer des 20. Jahrhunderts

Das Palais Epstein am Dr.-Karl-Renner-Ring war von 1922 bis 2001 (mit Unterbrechungen: 1938–1945 Bauamt, 1945–1955 Sowjetische Kommandantur) Sitz des Stadtschulrates für Wien und wurde am 25. November 2005 dem Parlament übergeben. Im Erdgeschoß wurde ein öffentlich zugänglicher historischer Ausstellungsraum eingerichtet. Neuer Sitz des Stadtschulrates für Wien ist das Gebäude in der Wipplingerstraße 28.

Zahlen und Fakten

In den letzten Jahren vor dem 1. Weltkrieg wurden 240.000 Pflichtschüler/innen vermerkt, Ende der 20er Jahre waren es 130.000. Im Schuljahr 1951/52 standen im Rahmen der Aufbauarbeit der Gemeinde Wien schon 4.373 Klassenzimmer und 380 Schulen zur Verfügung.

Bürgermeister Dr. Michael Häupl über das Wiener Bildungsangebot: „Wien ist eine Stadt der Bildung. Von den Universitäten und Fachhochschulen über die zahlreichen Einrichtungen der Erwachsenenbildung bis hin zum großen Bereich der insgesamt fast 700 Schulen bietet Wien eine enorme Vielfalt und hervorragende Qualität. Und das ist unabdingbar. Denn wenn es um die Bildung junger Menschen geht, so geht es um die Zukunft unserer Gesellschaft.“

Das spiegeln auch die Zahlen des Wiener Bildungsstandes wider. Laut Erhebung der Statistik Austria 2011 liegt Wien mit 24 Prozent bei den Erwerbspersonen mit Höherer Schulausbildung oder Matura deutlich über dem österreichischen Durchschnitt von 17 Prozent. Auch im Hochschulbereich reiht sich Wien mit 24,4 Prozent weit über dem Österreich-Schnitt von 14,8 Prozent ein.

Im Wiener Budget 2011 wurden insgesamt zwei Milliarden Euro in den Bildungsbereich investiert, davon gingen etwa 572 Millionen Euro an Kindergärten. In Wien wurde 2009 der Gratis-Kindergarten eingeführt.

Kinder sitzen auf Decke in der Wiese, Kindergärtnerin sitzt in der Mitte und spielt Gitarre

Schon im Kindergarten werden die Weichen für eine gute Bildung gestellt

Dass die Kinderbetreuung als wichtiger Bestandteil der Bildungsinvestitionen angesehen wird zeigt die niedrige Anzahl von Schließtagen. 2011 hatten die Wiener Kindertagesheime (Kindergärten, Horte, Kinderkrippen) durchschnittlich 3,9 Tage geschlossen. Dies liegt weit unter dem österreichischen Durchschnitt von 30,2 Tagen.

Schulverwaltung und Stadtschulrat

Die Städtische Schulverwaltung (Magistratsabteilung 56) und der Stadtschulrat für Wien sind die beiden entscheidenden Institutionen, die sich mit dem Schulwesen beschäftigen.

Die Städtische Schulverwaltung ist grundsätzlich für die Angelegenheiten des Pflichtschulwesens in Wien, mit Ausnahme des Landeslehrerdienstrechtes und des Schulärztlichen Dienstes, zuständig. Dies umfasst unter anderem die Erhaltung aller öffentlichen Pflichtschulen (Volksschulen, Hauptschulen, Kooperative Mittelschulen, Sonderschulen, Polytechnische Schulen und Berufsschulen) sowie des Pädagogischen Institutes der Stadt Wien, der Fachschulen für wirtschaftliche Berufe, der Fachschule für Mode und Bekleidungstechnik und der Uhrmacherlehrwerkstätte.

Hausfassade aus Glas, vier Fahnen davor
Schülerin beim Lernen

Integration wird in Wiens Schulen groß geschrieben

Abgesehen von der Vielzahl von Stadtschulkooperationen, die innerhalb von Wien wirken, werden internationale Wettbewerbe durchgeführt. Ein Schwerpunktprojekt ist das interregionale Arbeitsprogramm „Bildungsraum Centrope" zwischen den Städten Wien, Bratislava, Brünn und Györ. Dabei handelt es sich um ein Arbeitsprogramm zwischen SchülerInnen, LehrerInnen und Bildungsbeauftragten mit dem Ziel, einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung einer gemeinsamen, interregionalen und europäischen Bildungsstrategie zu leisten.

Schultypen in der Übersicht:

1) Allgemein bildende Pflichtschulen
1.1) Volksschulen
1.2) Hauptschulen/Kooperative Mittelschulen
1.3) Polytechnische Schulen
1.4) Sonderpädagogische Zentren/Sonderschulen

2) Allgemein bildende höhere Schulen
2.1) Gymnasien
2.2) Realgymnasien
2.3) Wirtschaftliche Realgymnasien
2.4) Oberstufenrealgymnasien
2.5) Sonstige allgemein bildende Schulen

3) Berufsbildende Schulen
3.1) Berufsbildende Pflichtschulen
3.1.1) Berufsschulen
3.2) Berufsbildende mittlere und höhere Schulen
3.2.1) Technische Schulen
3.2.1.1) Höhere und mittlere technische Schulen
3.2.1.2) Sonstige technische Schulen
3.2.2) Kaufmännische Schulen
3.2.2.1) Handelsakademien und Handelsschulen
3.2.2.2) Sonstige kaufmännische Schulen
3.2.3) Gewerbliche Schulen
3.2.3.1) Höhere und mittlere gewerbliche Schulen
3.2.3.2) Sonstige gewerbliche Schulen
3.2.4) Humanberufliche Schulen
3.2.4.1) Schulen für wirtschaftliche Berufe und Tourismus
3.2.4.1.1) Höhere und mittlere Schulen für wirtschaftliche Berufe und Tourismus
3.2.4.1.2) Sonstige Schulen für wirtschaftliche Berufe und Tourismus
3.2.4.2) Schulen für Mode- und Bekleidungstechnik
3.2.4.2.1) Höhere und mittlere Schulen für Mode- und Bekleidungstechnik
3.2.4.2.2) Sonstige Schulen für Mode- und Bekleidungstechnik
3.2.4.3) Schulen für Sozialberufe
3.2.4.3.1) Höhere und mittlere Schulen für Sozialberufe
3.2.4.3.2) Sonstige Schulen für Sozialberufe
3.2.4.4) Krankenpflegeschulen (Vorbereitungsjahr)

4) Weitere Schulen (Konservatorien, Musikschulen, etc.)

5) Private Schulen mit ausländischem/internationalem Lehrplan

6) Berufsreifeprüfungen

7) Lehrer- und Erzieherbildung
7.1) Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik
7.2) Bildungsanstalten für Leibeserziehung
7.3) Bildungsanstalten für Sozialpädagogik
7.4) Sonstige Schulen der Lehrer- und Erzieherbildung (Akademien und Institute)

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