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Vienna´s weekly European journal

STEP 05 – Weichenstellung für die Zukunft

Wien bei Nacht
Stadtentwicklung

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STEP 05 – Weichenstellung für die Zukunft

Mit dem Stadtentwicklungsplan 2005 (STEP 05) werden die Weichen für die nahe und mittlere Zukunft der Donaumetropole gestellt. Diese ergeben sich aus den Herausforderungen an Wien als Zentrum einer mitteleuropäischen Großregion sowie aus den Anforderungen an die bauliche Entwicklung als Folge der demografischen und ökonomischen Veränderungen.

Wien hat einen Plan für die Entwicklung der Stadt

Der Stadtentwicklungsplan 2005 legt in groben Zügen die künftige Entwicklung unseres Lebensraumes fest. Es geht darum, wo und wie die Wienerinnen und Wiener in Zukunft wohnen, arbeiten oder ihre Freizeit verbringen, wo neue Stadtteile entstehen, wie Grün- und Freiräume gesichert werden und wie sich U-Bahn, S-Bahn, Straßenbahn und das Straßennetz entwickeln sollen.

Der STEP 05 stellt den abschließenden Baustein in einer Reihe von Zukunftsprogrammen für Wien dar, die in den vergangenen Jahren erarbeitet wurden (Hochhauskonzept 2002, Klimaschutzprogramm, Masterplan Verkehr 2003, Strategieplan 2004). Im 5-Jahres-Rhythmus wird der STEP hinsichtlich seiner Zielsetzungen und Umsetzung überprüft. Aufbauend auf den Zwischenbilanzen wird der Rahmen für Weiterentwicklungen und Korrekturen gesetzt.

Grundsätze bei der Erarbeitung des STEP sind Partizipation, „Gender Mainstreaming“ (Berücksichtigung der unterschiedlichen Lebenssituationen von Frauen und Männern bei der Planung), Nachhaltigkeit und Diversity. Sowohl bei den Maßnahmen als auch bei der Umsetzung werden sie als selbstverständliche Prinzipien mitgedacht. Die Berücksichtigung der unterschiedlichen Lebensumstände und Bedürfnisse der einzelnen Bevölkerungsgruppen ist eine Selbstverständlichkeit. Wien soll auch in Zukunft eine weltoffene, tolerante Stadt und nicht zuletzt eine Stadt der Kultur und des Wissens sowie eine Stadt mit hohem Umweltbewusstsein bleiben.

Wien wächst

Im Mai 2004 wurde die EU um zehn Länder größer. 2007 folgten Rumänien und Bulgarien, im Juli 2013 wird Kroatien der nächste EU-Mitgliedsstaat. Wien rückte damit noch stärker ins Zentrum Europas. Die Erweiterung der Europäischen Union, aber auch künftige demografische Entwicklungen bilden die Rahmenbedingungen, die bereits im STEP ihren Niederschlag finden.

Wien ist eine prosperierende Stadt, die weiter wächst. Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung, die auch ein sozial ausgewogenes Angebot an Wohnraum einschließt, soll daher eine Wohnbauleistung von jährlich rund 7.000 neuen Wohnungen ein vielfältiges Angebot am Wohnungsmarkt schaffen.

Außenansicht Gasometer - roter Backsteinrundbau
Modernes weißes Gebäude auf Stelzen

Rund 1600 Menschen wohnen heute in den revitalisierten Gasometern (l.); Modernes Stelzen-Architekturdesign von Zaha Hadid (r.)

Regionale und internationale Kooperationen

„Europäisch denken – regional handeln – Wien entwickeln“ lautet das Motto.

Die regionale Komponente – bei der Kooperation sowohl mit Niederösterreich und dem Burgenland als auch mit den östlichen Nachbarstaaten innerhalb der Europaregion CENTROPE – spielt dabei eine zentrale Rolle. Erstmals endet ein Stadtentwicklungsplan nicht an den Grenzen Wiens, sondern bezieht auch sein unmittelbares Umfeld – sogar über die Staatsgrenzen hinaus – mit ein. Einen ganz wesentlichen Bezugspunkt für Wien stellt die Kooperation mit den Partnern innerhalb der Europaregion CENTROPE dar. Die Kooperation mit der Nachbarstadt und „Twin-City“ Bratislava ist dabei von besonderer Bedeutung, denn mit nur 60 km Distanz ist die Nähe zweier Hauptstädte zueinander für Europa einzigartig. Mit Bratislava verbindet Wien dabei nicht nur die gemeinsame Arbeit an einer Verbesserung der Infrastruktur, sondern auch an der Erhaltung der wertvollen Grünräume zwischen den Städten.

Zielsetzungen des STEP

Die wesentlichsten Zielsetzungen des STEP sind:

1. Durch attraktive Standorte, Infrastruktur und innovative Einrichtungen ein investitionsfreundliches Klima für die Wirtschaft zu schaffen sowie die Nahversorgung zu sichern.

2. Die Vielfalt und Qualität des Lebensraumes in der Region Wien durch Sicherung und Ausbau des Grüngürtels und der Donaulandschaft gemeinsam mit Niederösterreich zu gewährleisten.

3. Die bauliche Entwicklung entlang leistungsfähiger öffentlicher Verkehrsmittel zu konzentrieren, mit der Ressource Boden sparsam umzugehen, Nutzungsmischung zu forcieren und die funktionelle und soziale Entmischung zu verhindern.

4. Den Anteil des Umweltverbundes (Rad, zu Fuß, öffentlicher Verkehr) zu steigern und gleichzeitig den Anteil des motorisierten Individualverkehrs zu reduzieren.

5. Die Lebensqualität in Wien durch chancengleichen Zugang zu Einrichtungen des kulturellen Lebens, zu den Sozial-, Bildungs-, Gesundheits- und Betreuungseinrichtungen, zu Wohnraum mit ausreichender Größe und Qualität sowie zu Natur- und Erholungsräumen zu gewährleisten.

6. Und nicht zuletzt den Anforderungen der „Wissensgesellschaft“ durch eine adäquate Förderung von Forschung und Lehre Rechnung zu tragen und so Wien als „Wissensmetropole“ weiterhin zu positionieren.

Leitbilder des STEP

I) Räumliches Wirtschaftsleitbild
Konkret werden im räumlichen Wirtschaftsleitbild Aussagen über eine neue Zentrenstruktur getroffen. Es werden Entwicklungsgebiete mit strategischer Bedeutung (z.B. Hauptbahnhof Wien, Aspanggründe, Erdberger Mais, Flugfeld Aspern, etc.) identifiziert. Zudem werden jene Standorträume ausgewiesen, die zur Sicherung und Weiterentwicklung von Industrie, Gewerbe und Forschung (z.B. Liesing-Mitte, Siemens-Allissen) sowie der kleinteiligen Stadtwirtschaft vorgesehen sind. Gleichzeitig wird auch der Sicherung der Nahversorgung Rechnung getragen. Nicht zuletzt werden mit der Übernahme des „Agrarstrukturellen Entwicklungsplans“ (AgSTEP) in den STEP auch ganz wesentliche Aussagen zur Sicherung der Landwirtschaft in Wien getroffen.

Baustelle Hauptbahnhof von oben aufgenommen

Das Areal des neuen Hauptbahnhofes umfasst ca. 109 Hektar und entspricht flächenmäßig dem 8. Bezirk

II) Leitbild Grünraum
Wien hat vor 100 Jahren mit der Entscheidung für einen Wald- und Wiesengürtel als Sicherungsinstrument für den Erhalt großflächiger Grünräume internationale Planungsgeschichte geschrieben. Der Erwerb großer Wald- und Wiesenflächen sowie die entsprechende Widmung stellen damals wie heute das grüne Rückgrat des Lebensraumes sicher. Im STEP 05 wurde durch die Abgrenzung der übergeordneten Landschaftsräume (wie Bisamberg, Marchfeld, Donauraum – Nationalpark Donau-Auen, Südliches Wiener Becken und Wienerwald) erstmals der Rahmen für die bauliche Entwicklung vorgegeben. Diese „Siedlungsgrenzen“ definieren genau jene Bereiche, in denen eine Bebauung im Sinne des Natur- und Umweltschutzes nicht in Frage kommt. Ergänzt wurde dies durch ein Leitbild für die erhaltenswerten und nicht minder wichtigen kleinen und kleinsten Grün- und Freiräume im dicht bebauten Stadtgebiet. Nicht zuletzt zeigen auch Projekte wie der „Biosphärenpark Wienerwald“, dass die großen Landschaftsräume eine Schlüsselrolle für die nachhaltige Entwicklung der gesamten Region haben.
 
III) Bauliches Leitbild
Ein ganz neuer Weg der Planung wird mit dem baulichen Leitbild beschritten. Im Überblick zeigt es, wo Entwicklung möglich sein wird, wie dicht gebaut werden kann, welche Teile Wiens als Naturraum freigehalten werden und wo die „hot spots“ der künftigen Stadtentwicklung liegen. Neu ist dabei auch, dass es im Gegensatz zu früheren Stadtentwicklungsplänen nicht mehr um Stadterweiterung oder Stadterneuerung geht, sondern beides parallel passieren soll.

Dazu wurden 13 Zielgebiete der Stadtentwicklung definiert: Das sind jene Stadtteile, in denen nicht nur die Vielfalt der urbanen Struktur am deutlichsten zum Ausdruck kommt, es sind auch jene, deren positive ökonomische und soziale Entwicklung für die gesamte Stadt von entscheidender Bedeutung ist. Sie unterscheiden sich sowohl in ihrer Struktur als auch in ihren möglichen Potenzialen und lassen sich in mehrere Gruppen zusammenzufassen. Mit der Wiener Innenstadt wurde ein Gebiet definiert, das aufgrund des Weltkulturerbe-Status einer besonders sensiblen Herangehensweise bedarf. Die drei großen „Linien“ Donaukanal, Wiental und Gürtel zeigen die Vielfältigkeit der Herausforderungen der Wiener Stadtentwicklung. Diese drei Zielgebiete gilt es jeweils als funktionale Einheiten zu sehen und entsprechend gemeinsam zu gestalten.

Weiters gibt es Zielgebiete, in denen eine Transformation städtischen Brachlandes – beispielsweise ungenutzte Bahnhofsareale – in hochwertige neue Stadtteile stattfinden soll. Der Bereich Neuer Hauptbahnhof Wien – Erdberger Mais zählt hier ebenso dazu wie das Nordbahnhofgelände, das mit der Donau City und dem Bereich Donaukanal bis zur Alten Donau das Zielgebiet „Waterfront“ bildet. Allein am Gelände des ehemaligen Nordbahnhofs wird bis zum Jahr 2025 ein neuer Stadtteil entstehen, der rund 10.000 Wohnungen und ebenso viele Arbeitsplätze für 22.000 BewohnerInnen bieten wird.

Ein anderes Zielgebiet mit enormem Entwicklungspotenzial ist die Achse entlang der neuen U2-Nord-Verlängerung (zur Zeit bis zur Aspernstraße). Im Norden ist bis 2013 eine neuerliche Erweiterung um vier zusätzliche Stationen im Bereich des Stadterweiterungsgebietes am ehemaligen Flugfeld Aspern geplant. Unter dem Namen Seestadt soll dieses Gebiet eine Musterstadt für modernes Wohnen, High-Tech-Betriebe und Forschung mit perfekter Infrastruktur und Drehscheibenfunktion zu den Nachbarländern Mittel- und Osteuropas werden

aspern - Die Seestadt

Auf dem gigantischen Gelände von 240 Hektar im Nordosten Wiens entsteht eine zukunftsweisende Stadt des 21. Jahrhunderts: mit 8.500 Wohnungen, 25.000 Arbeitsplätzen und einem Wissenschafts-Park. Wiens größte Flächenreserve wird zur multifunktionalen Stadt der Zukunft und zum Hightech-Zentrum der Region Centrope (Wien, Niederösterreich, Burgenland sowie Grenzregionen der Slowakei, Tschechien und Ungarn).

Für internationale Investoren und Unternehmen entsteht entlang der strategisch wichtigen Verbindung Wien–Bratislava ein attraktives und modernes Wirtschafts- und Hightech-Zentrum, von dem aus eine wirtschaftlich wichtige Verbindung zu angrenzenden Auto-Produktionsstätten entlang der slowakischen Grenze gezogen und Wien als Wirtschaftsdrehscheibe innerhalb der boomenden Region Centrope ausgebaut werden kann. Zur weiteren Verkehrserschließung des Gebietes soll die U2-Station „Flugfeld Nord“ ein großer Umsteigebahnhof werden, in dem auch Fernzüge halten werden.

Nicht zuletzt befinden sich auch die Bereiche Liesing-Mitte und Siemens-Alissen in Floridsdorf im Hinblick auf die industrielle Entwicklung, die Achse Brünnerstraße, auf der seit 2011 das Krankenhaus Nord entsteht, und das Donaufeld in Hinblick auf Wohnbau und soziale Einrichtungen sowie das Gebiet Rothneusiedl im Süden Wiens und der Stadtteil zwischen Praterstern und Donau im Blickpunkt der Wiener Stadtentwicklung.

Fünf Menschen blicken von oben auf das Gelände von aspern

aspern Die Seestadt ist eines der größten Projekte in der Wiener Stadtentwicklung

Ein Blick in die Zukunft

Anfang September 2012 wurde der Startschuss für den neuen Stadtentwicklungsplan 2014 gesetzt. Der STEP 2014 wird mit dem Masterplan Verkehr zusammengeführt, um das sich in Zukunft stark ändernde Mobilitätsverhalten in Wien und den damit verbundenen Herausforderungen Genüge zu leisten. In den nächsten eineinhalb Jahren werden die thematischen Inhalte des kommenden STEPs überarbeitet, wobei die Wiener BürgerInnen in die Kommunikationsprozesse eingebunden werden.

Die Bevölkerungsentwicklung Wiens

Eine kontinuierliche Besiedlung von Teilen des Wiener Stadtgebiets ist den archäologischen Befunden zufolge seit der Jungsteinzeit gegeben;  bis in die La-Tene-Zeit waren es dörfliche Gemeinschaften mit einigen hundert Einwohnern. Mit der Errichtung des Legionslagers Vindobona durch die Römer begann eine erste Phase intensiver Bevölkerungskonzentration im Wiener Raum – vermutlich lebten etwa 30.000 bis 40.000 Menschen zur Blütezeit im Lager bzw. in der Zivilstadt.

Die Preisgabe des Donaulimes und der Abzug der Römer Ende des 4. Jahrhunderts leiteten einen deutlichen Bevölkerungsrückgang ein. Mit dem Beginn der bayerischen Ostkolonisation im 9. Jahrhundert könnte die Einwohnerzahl allmählich wieder zugenommen haben. Nach dem Rückschlag durch die Ungarnherrschaft im 10. und 11. Jahrhundert brachte der Beschluss Heinrichs II. Jasomirgott, in Wien seinen Hof zu errichten, die Wende: Das Machtzentrum der Babenbergerherzöge entwickelte sich zu einer ansehnlichen mittelalterlichen Stadt, deren Einwohnerzahl von ca. 12.000 in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts auf etwa 40.000 Menschen im 14. Jahrhundert anstieg. Einen gravierenden Einschnitt bedeutete die Pestepidemie von 1349, die angeblich kaum ein Drittel der Bevölkerung verschonte.

1525 wütete ein Großbrand, dem 416 Häuser, ca. 40 Prozent des gesamten Baubestandes, zum Opfer fielen; 1541 meldete sich der Schwarze Tod zurück – die Quellen sprechen von einem Rückgang der EinwohnerInnenzahl um ca. ein Drittel. Anno 1566 fand die erste genaue Häuserzählung in Wien statt: Es gab 1.065 Häuser, davon sogar 390 einstöckige. Trotz immer wiederkehrender Seuchen stieg die Einwohnerzahl bis zum Endes des 17. Jahrhunderts weiter an; um 1700 hatte Wien bereits über 100.000 Einwohner und war damit die sechstgrößte Stadt Europas.

Die erste Volkszählung fand in Wien 1754 auf Wunsch von Maria Theresia statt; die „Seelenkonsignation“ erfasste zu diesem Zeitpunkt 175.000 EinwohnerInnen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verstärkte sich die Zuwanderung. Nach der Stadterweiterung von 1850 hatte Wien 431.000 EinwohnerInnen.

In den folgenden Jahrzehnten stieg die EinwohnerInnenzahl in enorm hohem Tempo weiter an, 1870 hatte sie sich bereits verdoppelt, 1880 zählte man auf dem Gebiet der Stadt Wien 1.163.000 EinwohnerInnen. Im Jahre 1900 beherbergte die Metropole des Habsburgerreichs auch durch die Eingemeindung der Vororte exakt 1.674.957 EinwohnerInnen.

Auch nach der Jahrhundertwende hielt der Zuwanderungsstrom aus den Kronländern an und 1910 erreichte die Einwohnerzahl Wiens schließlich ihren historischen Höchststand: 2,083 Millionen Menschen wurden gezählt.

Die Verluste an den Fronten des Ersten Weltkriegs 1914–1918, Hunger und Seuchen ließen die Bevölkerungszahl zu Beginn der 1920er Jahre wieder unter 2 Millionen sinken. In der Folge blieb sie aufgrund der angespannten wirtschaftlichen und politischen Situation bis zum „Anschluss“ Österreichs an das Dritte Reich leicht rückläufig. Die Emigration vieler jüdischer und politisch exponierter Bürger führte 1938/1939 zu einem ersten empfindlichen Bevölkerungsrückgang auf 1,77 Millionen Menschen. Die Gräueltaten des NS-Regimes – vor allem die Massenermordung der jüdischen Bevölkerung – und der Zweite Weltkrieg sollten bis 1945 Zehntausende von Wienerinnen und Wienern das Leben kosten. 1951 ergab die erste Volkszählung nach Kriegsende 1.616.125 Einwohner/innen. Eine geringe Geburtenrate und die stetige Abwanderung aus den „inneren“ Bezirken führten trotz der letzten Stadterweiterung 1954 auf 414,95 km2 dazu, dass bei der Volkszählung von 1981 mit 1.531.346 Einwohner/innen der Tiefstand des 20. Jahrhunderts erreicht wurde.

Die Trendwende brachten zwei politische Ereignisse, die die Situation in Ost- und Südosteuropa von Grund auf veränderten: Das Aufbrechen des „Eisernen Vorhangs“ und der Zerfall Jugoslawiens bewirkten eine verstärkte Zuwanderung aus den „Reformländern“ bzw. ein Anschwellen des Flüchtlingsstroms aus den Kriegsgebieten am Balkan; dazu kam seit 1991 ein leichter Anstieg der Geburtenrate. 1993 wies Wien 1.642.391 Einwohner/innen auf, davon waren 309.349 als „Ausländer“ bzw. Konventionsflüchtlinge registriert. Viele von ihnen sind inzwischen in die Wiener Arbeitswelt integriert und tragen ihren Teil zum Gedeihen der Stadt bei. Wieder einmal zeigt sich, dass Phasen kontinuierlichen Wachstums und positiver Entwicklung der Bevölkerungsstruktur in wesentlichem Maß von den „Ausländern“ mitgetragen werden.

Quelle: Bevölkerungsentwicklung: Wien Stadtgeschichte kompakt
Johannes Sachslehner

Viele Menschen sitzen und stehen auf der Karlskirchen-Stiege

Derzeit leben in Wien 1,7 Millionen Menschen – Tendenz steigend

Wien wächst – In 30 Jahren Zwei-Millionen-Metropole

Im Gegensatz zu heute soll Wien laut statistischen Prognosen langfristig zum demografisch jüngsten Bundesland werden. Ebenfalls nach Prognosen der Statistik Austria wird die Bevölkerungszahl Wiens von 1,7 Millionen (2010) bis 2020 auf 1,81 Millionen und weiter bis 2035 auf 1,93 Millionen ansteigen. In rund 30 Jahren wird Wien wieder – wie zuletzt am Ende der Monarchie – eine Zwei-Millionen-Stadt sein.

Die Gründe für diese Entwicklung sind der wachsende Zuzug - jede/r dritte Wiener/in hat Migrationshintergrund -, ein leichter Geburtenzuwachs, aber auch die steigende Lebenserwartung. Auswirkungen dieses Trends sind auf alle kommunal relevanten Themen zu erwarten, wie Wohnbau, Gesundheitswesen, Bildung und Wirtschaft.

Jede/r dritte Wiener/in zugewandert

Die meisten Neu-Bürger/innen leben in Wien. Beinahe jeder Dritte in der Bundeshauptstadt stammt aus einem Zuwanderermilieu. Wien hat 1.714.142 EinwohnerInnen, 573.242 davon haben Migrationshintergrund. Von ihnen stammen 192.599 aus dem EU-Raum mit den Deutschen (46.742) als größte Gruppe, 175.169 aus dem ehemaligen Jugoslawien (exklusive Slowenien) und 74.416 Personen aus der Türkei (Stand 2011, Statistisches Jahrbuch der Stadt Wien).

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