Zum 150. Geburtstag von Gustav Klimt
Stickereien & Stoffe aus der Sammlung Emilie Flöge

Das Wiener Volkskundemuseum steuert einen etwas anderen, aber nicht minder interessanten Beitrag zum Klimt-Jahr bei: In der Sonderausstellung „Die Textilmustersammlung der Emilie Flöge“ werden Textilien aus dem Nachlass der Modeschöpferin und Muse Gustav Klimts präsentiert.
Klimts Vertraute
Emilie Flöge wurde 1874 in kleinbürgerlichen Verhältnissen in Wien geboren. 1891 heiratete ihre Schwester Helene Gustav Klimts Bruder Ernst. Seit damals verband auch Emilie und den zwölf Jahre älteren Maler eine innige Beziehung, über die bis heute viel spekuliert wird. Sicher ist nur, dass sich die beiden, die in der Öffentlichkeit als Paar auftraten, sehr schätzten, viel Zeit miteinander verbrachten und sich in ihrer Arbeit gegenseitig beflügelten.Die „Schwestern Flöge“
Mit ihren Schwestern Pauline und der inzwischen verwitweten Helene eröffnete Emilie Flöge 1904 den Modesalon „Schwestern Flöge“ in der Mariahilferstraße 1b, der so genannten „Casa Piccola“. Der Salon, der sich damit im Zentrum der Wiener Textilindustrie befand, war von der Wiener Werkstätte im typischen Schwarz-Weiß eingerichtet worden. Emilie Flöge war die künstlerische und kunsthandwerkliche Leiterin des Unternehmens und fuhr mehrmals im Jahr nach Paris, um die neuesten Stoffmuster und Modetrends nach Wien zu bringen, die dann auf die üppigeren Figuren der Wienerinnen umgearbeitet wurden. Die „Schwestern Flöge“ waren eine der ersten Adressen in Sachen Mode in Wien und beschäftigten in der Blütezeit des Geschäfts mehr als 80 Schneiderinnen.Spitzen, Stickerei und Stoff
Emilie Flöge hatte eine Sammlung von textiler Volkskunst angelegt, die sie in ihrem Modesalon in einer Vitrine des Empfangsraums präsentierte. In ihren Sammlungen, die aus europäischen, vor allem slowakischen, textilen Stücken bestanden, lag bestimmt eine Inspirationsquelle für ihre Arbeiten. Aus heutiger Sicht galt Emilies Interesse hauptsächlich Ornamenten, Mustern und Farben. 369 Stücke der Sammlung bewahrt das Österreichische Museum für Volkskunde heute auf, darunter auch einige Exponate im Jugendstil, die vermutlich von der Modeschöpferin selbst entworfen wurden: eine Haube, einige Stoffe und ein Etui. Großteils handelt es sich aber um Fragmente, die aus Hemden, Schürzen oder anderen größeren Textilien ausgeschnitten worden waren. Teilweise finden sich Spuren von nachträglichen Umarbeitungen, die vermutlich dazu dienten, die Fragmente einem neuen Kleidungsstück anzupassen.

Ländlich war en vogue
Die Sammlung von Emilie Flöge war kein Einzelphänomen, vielmehr war es um 1900 en vogue, sich den Produkten der ländlichen Bevölkerung zuzuwenden. Die großen Neuerungen des 19. Jahrhunderts (unter anderem die Entfaltung des Bürgertums und die Industriearbeit) wurden als Aufbruch in eine „Neue Zeit“ empfunden. Damit schien auch der Verlust des Alten einherzugehen und das Interesse an Geschichte, am Bewahren und Sammeln war enorm. So entstanden auch Volks- und Völkerkunde als eigene systematische Wissenschaften. Auch das Österreichische Museum für Volkskunde hat seinen Ursprung in dieser Zeit - im Jahr 1895.Tipp:
Ausstellung
Mit dem Gefühl der Hände – Zeitgenössische Töpferei im Burgenland und in der Region Bratislava
Als Resultat einer Feldforschung zu beiden Seiten des österreichisch-slowakischen Grenzgebietes präsentiert die Sonderausstellung über 200 Keramiken aus insgesamt dreißig Werkstätten. Je fünfzehn derzeit aktive KeramikerInnen (HandwerkerInnen, KunsthandwerkerInnen, KünstlerInnen) aus dem Burgenland und der Westslowakei zeigen eine Auswahl ihrer vielfältigen Erzeugnisse. Ob Geschirr, Gartenzierkeramik, Skulpturen oder traditionelle Fayence – sie alle bieten eine Möglichkeit der grenzüberschreitenden Begegnung und des kulturellen Vergleichs.
Bis 19. August 2012
Di–So 10–17 Uhr, Mo geschlossen, außer an Feiertagen
Schließtag: 1. November 2012
Info:
Die Textilmustersammlung der Emilie Flöge
Sonderausstellung aus der Reihe „Objekte im Fokus“
Bis 2. Dezember 2012
Österreichisches Museum für Volkskunde
8., Laudongasse 15–19
www.volkskundemuseum.at



