Teil 11: Wirtschaftswunder Wien (1955 bis zur Gegenwart)
In Wien selbst kam es nicht zuletzt dank der Marshallplan-Hilfe wie auch durch das Ende der Beschlagnahmungen von Industrieanlagen seitens der sowjetischen Besatzungsmacht zu einem Wirtschaftsaufschwung. Der Wiederaufbau wurde unter Bürgermeister Franz Jonas abgeschlossen. In den 1950er Jahren stand die Stadterweiterung durch den Bau von neuen Wohnsiedlungen und -anlagen im Vordergrund, seit Mitte der 1960er Jahre wurde die Stadterneuerung stärker gefördert.
Wien als Brückenstadt zum Osten
Bald nach 1955 entwickelte sich Wien zum beliebten Ort für internationale Konferenzen. So fand hier 1961 das legendäre Treffen zwischen dem US-Präsidenten J. F. Kennedy und dem Generalsekretär der Sowjetunion N. Chruschtschow statt. Wien wurde Sitz von internationalen Organisationen. Die Stellung der Stadt im internationalen Geschehen wurde vor allem durch die Errichtung der UNO-City (1979) stark aufgewertet. Wien versteht sich als Brückenstadt zum Osten.

Blick auf die UNO-City
Errichtung der Wiener UNO-City
Was die Stadtplanung betrifft, konzentrierten sich ab den 1960er Jahren die Aktivitäten vor allem auf den Ausbau des Verkehrswesens (Beginn des U-Bahn-Baus 1969) sowie der medizinischen Versorgung der Bevölkerung (Neubau des Allgemeinen Krankenhauses ab 1964).
Die Rahmenbedingungen für die Stadtentwicklung in der Gegenwart sind besonders durch den Fall des Eisernen Vorhangs 1989 und den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union 1995 gekennzeichnet. Die kontinuierliche Entwicklung spiegelte sich auch in der politischen Stabilität der Stadtregierung Wiens wider; die SPÖ errang immer die Mehrheit im Gemeinderat mit dem Höchststand von 66 Mandaten im Jahr 1973.
Wien als mustergültige soziale Millionenstadt
Die starke Zunahme des Individualverkehrs und die damit verbundene „Unwirtlichkeit der Städte“ brachte Anfang der 1970er Jahre einen neuen Begriff auf: Fußgängerzone. Er löste zunächst heftige Kontroversen aus, wurde aber zum von Stadtplanern in ganz Europa propagierten Modell. Die Kärntner Straße diente hier als erstes diesbezügliches Modell in Wien. Kritiker befürchteten eine Verödung der Einkaufsstraße im „zubetonierten Fußgängerparadies“. Diese Befürchtung erwies sich jedoch bald als unbegründet. Das Gebiet der Fußgängerzone Kärntner Straße, Graben, Kohlmarkt und Tuchlauben, präsentiert sich seither farbenfroh, belebt und beliebt wie nie zuvor. Durch diese und zahlreiche andere Maßnahmen wurde Wien zu einer, auch im Umweltbereich mustergültigen, sozialen Millionenstadt.

Donaukanalbrücke, im Hintergrund die Urania: Wien gestern, heute und morgen. Die Stadt ist ein lebender Organismus, bei dem Veränderung die einzige Konstante ist
Aufbruch ins 21. Jahrhundert
Die Rolle Wiens zur Zeit des "Eisernen Vorhangs" als Brücke aus dem Westen in die kommunistischen Länder hat sich seit 1989 gewandelt. Wien versteht sich jetzt als Drehscheibe in der mitteleuropäischen Region und steht natürlich auch im Wettbewerb mit Metropolen wie Prag oder Budapest. Andererseits hat sich seit 1994/95 mit dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union ein neues Tor geöffnet. Mit der zunehmenden Internationalisierung wurde Wien vor neue Herausforderungen gestellt.
Die Entwicklung Wiens im 21. Jahrhundert ist auf wieninternational.at unter den einzelnen Rubriken von Daten und Fakten beziehungsweise jeden Donnerstag in der aktuellen Ausgabe nachzulesen.












