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Vienna´s weekly European journal

Teil 9: Wien im Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945)

Österreich in alten Ansichten - Veduten aus der Zeit von 1490 bis 1850
Geschichte

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Teil 9: Wien im Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945)

Die Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten machte Wien zum Reichsgau des „Großdeutschen Reiches“ und verschonte so gut wie niemanden. Der politische Widerstand gegen Hitler bestand in Wien aus zivilen Gruppen, die durch Streuzettelaktionen und Sabotageakte in Rüstungs- und Verkehrsbetrieben auf sich aufmerksam machten. Von der Gestapo verfolgt wurde aber nicht nur der organisierte Widerstand, sondern auch der „kleine Widerstand“: Wer ausländische Sender hörte, konnte ab 1942 mit dem Tod bestraft werden, für das Erfinden und Weitererzählen von so genannten Flüsterwitzen gab es ein bis zwei Jahre Haft. Zwischen 1938 und 1945 waren alleine im Landesgericht Wien 14.500 Verfahren anhängig, die sich mit dem so genannten „Mundfunk“ beschäftigten.

Widerstand gegen Hitler

1944 tauchte schließlich an Wiener Hauswänden das Zeichen „05“ als Chiffre für Österreich auf. Fritz und Otto Molden, Hans Becker und der Journalist Raoul Bumballa organisierten eine überparteiliche freie Gruppe zur Wiederherstellung eines freien Österreichs und nahmen im Ausland Verbindung zu den Alliierten auf. Allerdings stellte der Widerstand nur eine am Rande wirkende Minderheit dar, denn der seit der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert in Wien herrschende Antisemitismus verband sich mit der auf die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung gerichteten Politik der Nazis in erschreckender Perfektion.

Mahnmal am Judenplatz

Die einen nennen es das "Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Schoah". Die anderen das "Mahnmal für die 65.000 ermordeten österreichischen Jüdinnen und Juden der Schoah". Wichtig ist, dass es da steht und dass es da steht, wo es steht: In Wien auf dem Judenplatz

Im November 1938 fielen die Wiener Synagogen, die Zentren des religiösen wie sozialen Lebens der jüdischen MitbürgerInnen, der Zerstörungswut des Novemberpogroms, auch „Reichskristallnacht" genannt, zum Opfer. Denunziation und Deportation (von denen später lange Zeit niemand etwas gewusst haben wollte) standen an der Tagesordnung. Die Beendigung dieser Barbarei war nur mit Gewalt möglich: 52 alliierte Luftangriffe forderten 8.769 Tote, die zehntägigen Straßenkämpfe kosteten weitere 2.266 Menschen das Leben. Fast 47.000 Gebäude wurden beschädigt oder zerstört. 86.875 Wiener Wohnungen waren unbenutzbar. In den Straßen lagen 850.000 Kubikmeter Schutt.

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