Anita Zieher und Brigitte Pointer

Theater auf den Spuren von Bertha von Suttner


Noch bis 10. Juli 2011 bietet der Wiener Verein „Portraittheater“ im niederösterreichischen Schloss Harmannsdorf - eine Stunde von Wien entfernt - Gelegenheit, auf den Spuren der österreichischen Schriftstellerin und Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner zu wandeln. Die Besucher erwartet ein unterhaltsamer und lehrreicher Theater-Abend, bei dem auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommt. Eine Chance also, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Selten genug hat man als Theatergast die Gelegenheit, sich auf derart gekonnte spielerische Art und Weise mit den wichtigsten Eckdaten des Lebens einer historischen Persönlichkeit vertraut zu machen. Von früheren Versuchen, sich als Sängerin einen Namen zu machen über die Spielsucht der Mutter bis hin zu ihrem wachsenden Einsatz für den Weltfrieden, gewähren uns Regisseurin Brigitte Pointner und ihr Team spannende Einblicke in das Leben einer Friedensaktivistin, für die Frieden nicht nur darin bestand, den Krieg abzuschaffen, sondern auch die Not. Denn „Leute, die arm sind, sind anfälliger für Fanatismus“, lässt Schauspielerin Anita Zieher die 1843 geborene Bertha von Suttner als Gast einer Talkshow sagen. Eine Szene, in der im Übrigen auch die Besucher Gelegenheit erhalten, Fragen an Suttner und ihren Freund und Wegbegleiter Alfred Nobel zu stellen. Diese Szene zählt wohl nicht zuletzt dank Improvisationstheatererfahrungen Ziehers zu den sowohl lehrreichsten als auch unterhaltsamsten. Doch auch das eine oder andere Schwätzchen mit Sophie Gräfin Kinsky, Bertha von Suttners Mutter, sollte sich der Besucher unterwegs zu den unterschiedlichsten Stationen nicht entgehen lassen.


Szene aus "Zu Gast"
Anita Zieher als Bertha von Suttner

Ein Leben im Einsatz für den Frieden
Eine weitere wichtige Rolle im Stück nimmt der Originalschauplatz ein, an dem das ganze über die Bühne geht. Denn hier im Schloss Harmannsdorf verbrachte Bertha von Suttner einige Zeit ihres Lebens, nachdem sie mit ihrem sieben Jahre jüngeren Mann Artur Gundaccar von Suttner aus dem Kaukasus zurückgekehrt war. Hier vertrieben sie sich die Zeit mit Theaterspielen und hier entstand auch ihr erfolgreichstes Buch „Die Waffen nieder“, das weltweit eine breite Rezeption erfuhr und ihr den Titel Primadonna des Friedens einbringen sollte. Gekrönt wurde Suttners lebenslanger Kampf für den Frieden schließlich mit der Ehrung des Friedensnobelpreises. Und obwohl Bertha von Suttner es war, die Alfred Nobel zur Stiftung des Friedensnobelpreis inspiriert haben soll, wurde ihr die Ehrung eines solchens erst im fünften Jahr zu Teil. Eine Sache, die sie sehr geärgert haben soll. Nicht zuletzt da Nobel bei der Einführung des Preises sogleich an Bertha von Suttner gedacht haben soll. Doch Frauen waren im Jahr 1905 immer noch massiven Diskriminierungen ausgesetzt. So zählte Suttner 1904 auch zu den Teilnehmerinnen der „Internationalen Frauenkonferenz“ in Berlin, die mit einer Friedensdemonstration endete. Im selben Jahr bereiste sie Amerika, um zahlreiche Vorträge zu halten. Schon früh wies sie immer wieder auf die drohende Gefahr des Ersten Weltkrieges hin, der jedoch allen Warnungen zum Trotz eine Woche nach ihrem Tod 1914 ausbrach.
Zwei Weltkriege und beinahe 100 Jahre später haben Bertha von Suttners Schriften immer noch nichts an Brisanz verloren, obwohl mittlerweile einige ihrer Forderungen in die Tat umgesetzt wurden. Unter anderem war sie 1899 an den Vorbereitungen zur ersten Haager Friedenskonferenz beteiligt, bei der die Einrichtung eines internationalen Schiedsgerichtes gefordert wurde.


Anita Zieher (als Bertha von Suttner) und Kathi Buchinger (als Maria Magdalena Leeb)


Trotz diverser Rückschritte präsentiert uns das Portraittheater Suttner als optimistische Kämpferin, die auch im Alter über einen wachen Geist verfügte und an die Besserung der Menschheit glaubte. Fazit: „Zu Gast bei Bertha von Suttner ist ein Muss für Freunde guten Erlebnistheaters, die sich beim abschließenden 4-Gang Menü von Koch Roman Steger auch kulinarisch gerne verwöhnen lassen und dem einen oder anderen Pläuschchen mit den Schauspielern nicht abgeneigt sind.


Info:
Zu Gast bei Bertha von Suttner
Ein Erlebnistheater im Schloss Harmannsdorf
Noch bis 10. Juli 2011, Beginn 18.00 Uhr
Schloss Harmannsdorf, Gemeinde Burgschleinitz-Kühnring, Bezirk Horn
Kartenpreis: 69 Euro (inkl. Begrüßungsgetränk, 4-gängigem Menü und 2 Getränken)
Karten sind nur im Vorverkauf erhältlich unter
office@portraittheater.net
www.portraittheater.net

(sasch)
erstellt am: 2011-07-06