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wieninternational.at

Vienna´s weekly European journal

Zurück in die Zukunft

05. Juni 2012

ChartstürmerInnen von morgen

Zurück in die Zukunft

1: MonaLisa Twins
Mona (li.) und Lisa (re.) sind die "MonaLisa Twins". Jetzt wollen die Zwillinge im Musikbiz durchstarten

Sixties vs. Seventies, Burschen vs. Mädels, Pop vs. Rock – und doch haben die vier jungen Wienerinnen und Wiener, die sich beim wieninternational.at-Interview zum ersten Mal begegnen, mehr Gemeinsamkeiten als auf den ersten Blick erkennbar sind. Ein Gespräch mit vier jungen Musikerinnen und Musikern, die im Begriff sind …, ja was eigentlich, bekannt zu werden? Stars?  

Zugegeben, die Überschrift ist in den letzten Jahrzehnten bereits ziemlich strapaziert worden. Aber hier passt sie so gut, dass an dem altbekannten Filmtitel kein Weg vorbei führte. Denn die folgenden Zeilen handeln von zwei sehr jungen Musikgruppen, die sich der Musik vergangener Jahrzehnte bedienen, um damit in ihre ganz eigene musikalische Zukunft durchzustarten.

Die beiden jungen Damen, die fröhlich am Tisch in dem netten Café Platz nehmen, sind ein wenig unter 20 Jahre alt, die nicht-mehr-ganz-Burschen mit etwas skeptischerem Blick sind nur knapp darüber. Musikalisch beeinflusst, was ihre Eigenkompositionen auch deutlich prägt, sind sie hingegen von Songs, die schon so um die 40-50 Jahre auf dem Buckel haben.
„MonaLisa Twins“
Mona und Lisa heißen die jungen Damen, sind Zwillingsschwestern und gerade im Begriff, als ,,MonaLisa Twins" auch außerhalb von Youtube (1,45 Mio Aufrufe) bekannt zu werden. Die Gitarre (und Schlagzeug) spielenden und singenden Geschwister sind mit ihren vielen Live-Konzerten nun am besten Weg, sich auch in Österreich einen Namen zu machen.  Ihre Musik ist stark von den (frühen) 1960er Jahren geprägt. Klanglich scheint stets Pop und Beatmusik durch, aus einer Ära, als die „Pilzköpfe“ noch als langhaarige Revoluzzer galten.


2: Kaiser Fanz Josef
Sham (li.) und Paul (re.) sind 2/3 der Band "Kaiser Franz Josef". Seit sie als AC/DC Support vor 92.000 ZuschauerInnen gespielt haben, wollen sie vor allem eins: Mehr davon!

„Kaiser Franz Josef“
Sham und Paul, Gitarrist der eine, Bassist der andere, Sänger beide, sind zwei Drittel der Band „Kaiser Franz Josef“ (KFJ). Entgegen ihres Namens punktet die Band bei ihren schnell zahlreicher werdenden Fans mit naturidentischem 1970er Jahre Gitarrenrock, allerdings mit frischen poppigen Melodien. Auch sie arbeiten momentan daran, die Musik zum Beruf zu machen.
Profis?
Ab wann ist man eigentlich Profi? Ist das eine Frage des Geldes? Ohne auch nur eine Sekunde nachdenken zu müssen, antwortet Mona: „Das ist eine Frage der Einstellung. Man ist es in dem Moment, in dem man sich dazu entschließt, hauptberuflich Musik zu machen.“
Sham (zustimmend nickend): „Seh` ich genauso, die meisten Leute denken jedoch, dass es vor allem mit Geld zu tun hat. Aber bei MusikerInnen sind die Finanzen sowieso schlecht. (lacht) Das kann es also nicht sein. Es ist die Einstellung.“
Selbstbewusst und selbstbestimmt
Und die „professionelle Einstellung“ haben die Burschen von „KFJ“ ebenso wie ihre Twin-Kolleginnen. Die Wege dorthin waren allerdings recht verschieden. Lisa: „Bei uns ist das ein längerer Prozess, aber eigentlich war es der Moment, in dem wir die Schule abgebrochen und beschlossen haben, nur noch Musik zu machen“. Da ist es natürlich schon hilfreich, wenn der Vater zu Hause ein Tonstudio hat und die Stiefmutter sich um Booking, Management und Promotion kümmert. Oberflächlich betrachtet liegt der Verdacht nahe, die Eltern drängen ihren Töchtern die eigenen Träume auf. Sitzt man den selbstbewussten Mädels aber erst mal gegenüber, erweist sich dieser Gedanke als falsch. Die zwei wissen, was sie wollen, was sie nicht wollen und wie viel Arbeit notwendig ist, die avisierten Ziele zu erreichen. Sie träumen keinen jungmädchenhaften Popstartraum, sondern bereiten sich auf einen anstrengenden Musikerinnenalltag vor, indem sie üben, üben, üben: Ihre Instrumente spielen, singen, komponieren, arrangieren, aufnehmen und möglichst viel vor Publikum spielen, spielen, spielen. Soeben haben sie ihr Debütalbum „when we’re together“ veröffentlicht. Alle Songs darauf sind von ihnen selbst geschrieben und gespielt worden. Und auch wenn mancher Song überraschend vertraut klingt, ist es ein charmantes und tolles Popalbum, das komplett aus der Zeit gefallen ist. Retro, aber nicht Vintage – sozusagen.
Ein glücklicher Zufall
Die „Kaiserlinge“ haben zwar Matura („… haben eben nachts geprobt …“ Paul), aber noch kein Album, das wird jetzt erst vorbereitet. Bisheriger Karrierehöhepunkt war ihr Auftritt als Vorgruppe von AC/DC im Jahr 2010. Paul: „Das war ein totaler Zufall. Denn alle anderen Bands, die dafür angefragt waren, hatten schon jede Menge veröffentlicht und waren bekannt. Unser Management hat dort einfach eine Proberaumaufnahme von uns hingeschickt und die haben gesagt: Das nehmen wir. Wir wussten davon gar nichts. Erst als alles klar war, kam unser Management zu uns in den Proberaum und sagte: Ihr spielt vor AC/DC …“ Das waren dann mal eben 92.000 ZuschauerInnen „… Leute bis zum Horizont. Geil!“
Vor- und Nachteile
Jetzt geht es daran die Zukunft zu gestalten. Die entscheidende Frage dabei ist, für wen es einfacher ist im Musikbusiness zu reüssieren? Sind die Frauen im Vorteil, oder ,wie so oft, doch wieder die Männer?
Lisa: „Zu Beginn ist bei uns immer eine große Skepsis, so nach dem Motto: Da stehen zwei nette Mädchen, was können die schon … Wenn man dann aber gut cool spielt, sind die Leute schnell positiv überrascht, wahrscheinlich weil sie nicht damit gerechnet haben, dass wir was können. Im Musikbusiness sind wir als Mädels schon ziemlich alleine.“
Ein Umstand, den die Burschen positiv sehen, denn, so Sham: „Wir dagegen versinken in einem Meer von jungen Männern, die Musik machen wollen. Deswegen müssen wir uns umso mehr anstrengen. Jedenfalls wurde uns bislang noch nichts geschenkt.“ Und dann sagt Paul, der 2011 die Matura gemacht hat: „Relativ alt sind wir jetzt auch schon, deshalb haben wir mittlerweile auch keinen Jugendbonus mehr.“
Sixties & Seventies
Und apropos Jugend, wieso spielen sie denn nun eigentlich Musik, die so viel älter ist als sie selbst?
Sham: „Weil noch eine gewisse Rohheit in der Musik ist. Das ist zwar so ein Standardsatz, aber damals gab es einfach noch nicht so viele technische Möglichkeiten im Tonstudio. Da konnte man nicht so lange basteln, bis es perfekt ist, da sind auch von den besten MusikerInnen Fehler zu hören. In der Musik von damals sind diese ganzen Details drinnen, die heutzutage rausgefiltert werden."
Mona: „Wir haben uns dafür entschieden, weil wir finden, dass das die coolste Musik ist und weil es zu wenig davon gibt, zu wenig Lieder, die wir gerne hören wollen. Also haben wir uns gesagt, schreiben wir es einfach selber, sonst macht es ja keiner. Wir übernehmen das gerne.“


3: Mona und Lisa
4: Mona, Lisa, Sham und Paul
Wenn so die Zukunft österreichischer Pop- und Rockmusik ausschaut, schaut sie gar nicht so schlecht aus, oder?

Die Zukunft
Schnell kommen die vier miteinander ins Gespräch, fragen einander: Wie macht ihr dies und das? Und bald hat man das Gefühl, an einem Musikerstammtisch zu sitzen. „Kaiser Franz Josef“ geben gerne zu, dass sie die Arbeit der anderen sehr schätzen und die „MonaLisa Twins“ mögen die Musik der Burschen und bekommen bei der AC/DC-Geschichte ganz leuchtende Augen. Vielleicht sind diese vier jungen Menschen die Stars von morgen. Und wenn nicht, dann liegt es ganz bestimmt nicht an ihnen, ihrem Können und ihrem Arbeitseinsatz. Vielleicht ist ja in dem Fall zurück wirklich die Zukunft. Hoffen wir es!





Info:
MonaLisa Twins
www.monalisa-twins.com

Konzerte:
8. Juni 2012, 20:00 Uhr
Cenario - 1010 Wien, Tiefer Graben 22
Abendkasse € 12,-
Reservieren € 10,-

13. Juli 2012, 20:00 Uhr
Cenario - 1010 Wien, Tiefer Graben 22
Abendkasse € 12,-
Reservieren € 10,-

20. Juli 2012, 20:00 Uhr
Scheune Hödl - 2301 Wittau, Probstdorfer Straße 1
Abendkasse € 10,-
Reservieren € 8,-

28. Juli 2012, 19:30 Uhr
Sommerszene Gänserndorf - 2230 Gänserndorf, Bahnstraße 31

28. Juli 2012, 23:30 Uhr
Annerlfest Rutzendorf

8. August 2012, 19:00 Uhr
Sommernachtsfest - 5700 Zell/See

31. August 2012, 19:00 Uhr
Favoritner Kulturenfest - 1100 Wien, Volkspark Laaerberg


Kaiser Franz Josef
www.myspace.com/kaiserfranzjosefband

nächstes Konzert:
Red Bull Brandwagen Tour - Kaiser Franz Josef
Sonntag, 15. Juli 2012, 18.30 Uhr
Prater Riesenradplatz

hahö