Ausstellungstipp Centrope
Zwischen Witz und Melancholie

Häuserfassaden, U-Bahn-Aufgänge und Metallschilder waren zeitlebens Inspirationsquelle für den Wiener Maler Franz Zadrazil. Der Künstler, der heuer 70 Jahre alt geworden wäre, hinterlässt ein außergewöhnliches Œuvre. Ein Teil seines Lebenswerks ist noch bis Ende Oktober im Essl Museum in Klosterneuburg zu bestaunen.
Bitte nicht berühren
Fast möchte man den Museumsschildern, die einen bitten, die Bilder nicht zu berühren, trotzen: zu groß ist die Versuchung, einfach hinzugreifen und das Material der Gemälde zu erkunden. Doch auch ohne Probe aufs Exempel lässt sich bei genauer Betrachtung feststellen: Hier ist wirklich alles gemalt – die plastisch wirkenden Mauerritzen ebenso wie die an den Häuserfassaden montierten Schilder und die Rostflecken an den Werbetafeln, die vor allem Zadrazils späteres Werk überziehen. Denn Franz Zadrazil war ein Meister der realistischen Malerei.Und doch, trotz aller Liebe zum Detail, lässt sich Zadrazil nicht zu den Hyper– oder Fotorealisten zählen. Dass die Malerei der Fotografie Konkurrenz machen sollte, schien ihm nicht sinnstiftend. Denn obwohl der Künstler über eine beachtliche Sammlung an Fotografien verfügte, die ihm als Grundlage für seine großformatigen Arbeiten dienten, handelt es sich bei seinen Bildern nie um reine Kopien. Vielmehr bilden die schwarz-weiß Fotos, die er bei seinen zahlreichen urbanen Streifzügen schoss, das Gerüst für seine Arbeitsweise. Bildentwicklung und Farbgebung folgten der künstlerischen Eingebung und sind vor allem dem Versuch geschuldet, den Anforderungen von Farbe und Form gerecht zu werden.


Von der Beziehung der Dinge
In dieser exakten Malweise alleine liegt jedoch nicht der Charme der zumeist großformatigen Werke Zadrazils. So scheint fast allen Bildern eine gewisse Traurigkeit innezuwohnen. Hervorgerufen wird sie durch die Patina, die alle Gemälde des Künstlers überzieht. Es ist der Zahn der Zeit, dem der Künstler mit dem Pinsel nachspürt. Menschen spielen dabei kaum eine Rolle. Diese hinterlassen ihre Spuren lediglich an den abgebildeten Dingen. Tierische und menschliche Abbildungen prangen von Werbetafeln, die nicht selten in Beziehung zueinander stehen. Hieraus erschließt sich auch der feine, subtile Witz, der einigen Bildern eigen ist. Ein Witz, der von Zadrazil gewünscht war, wie sich mit einem Zitat von ihm belegen lässt: „Wenn man diese Plakate verfolgt, fragt man sich, ob nicht das ,Wichsmädel' ein Gschpusi mit dem ,Weißen Riesen' hat“, reflektierte er einmal über das Bild eines Geschäftseingangs, umgeben von diversen Metallschildern.
Diese sanfte Art des Humors findet sich auch in der Platzierung der Gemälde wieder. So ziert eine Abbildung eines Burlesque-Clubs die Wand gegenüber einem Haus mit der Aufschrift „Zillertal bleibt Zillertal“.
Denn anders als von vielen angenommen, war Zadrazil mehr als der Porträtist der Wiener Vorstadt und des Wiener Lokalkolorits. Er fand seine Motive auch in anderen Großstädten wie Paris oder New York. Dies hervor zu streichen, ist ein wichtiges Anliegen der Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit Zadrazils Witwe, der Künstlerin Andrea Kasamas, entstand. Und dass diese Schau mit viel Liebe gestaltet wurde, das merkt man ihr an. Tatsächlich lässt es sich in der Ausstellungshalle des Essl Museums mit Zadrazils Arbeiten vortrefflich verweilen. Nicht nur in den Bildern gibt es vieles zu entdecken. Eine umfangreiche Sammlung seiner schwarz-weiß Fotos sowie ein experimenteller Film, den der Künstler in den 70er Jahren gestaltete, laden dazu ein, noch etwas länger zu bleiben. Und das tut man wirklich gerne.

Info:
Franz Zadrazil
Wien Paris New York
Noch bis 28. Oktober 2012
Essl Museum – Kunst der Gegenwart
An der Donau-Au 1
3400 Klosterneuburg
Öffnungszeiten: Di. bis So. 10.00 bis 18.00 Uhr, Mi. 10.00 bis 21.00 Uhr
Eintrittspreis: 7 Euro / ermäßigt 5 Euro
www.essl.museum
Ein kostenloser Shuttlebus verkehrt zwischen Wien (Abfahrt: Albertinaplatz 1) und Klosterneuburg Di. bis So. um 10.00, 12.00, 14.00 und 16.00 Uhr
Tipp:
„Pas de deux“
Die aktuelle Stage bei Swarovski Wien der Künstlerin Astrid Bechtold
Derzeit wird ein Blick in das Schaufenster des dreistöckigen Swarovski Wien-Shops in der Kärntnerstraße zum phantastischen Erlebnis. Die Künstlerin Astrid Bechtold, die in der Sammlung Essl vertreten ist und dort erstmals im Rahmen der Reihe „emerging artists“ ausgestellt hat, bespielt die so genannte Stage mit zwei Lichtobjekten, deren Motive einer Orchideenblüte entstammen. Rundherum sind, à la japanischem Steingarten, linienförmig Kristalle angeordnet. Das Kunstobjekt wirkt geheimnisvoll wie der Kristall selbst und ist ein wahrer Platz der Phantasie – nicht nur für KunstkennerInnen. Astrid Bechtold freut sich, mit ihrer Installation Menschen abseits des Museums ansprechen zu können: „Ich würde mir wünschen, dass die Menschen das Angebot der Kunst nutzen und das Kunstwerk auf sich wirken lassen.“
Swarovski Wien möchte seinen internationalen BesucherInnen besondere Momente des Staunens ermöglichen. Mit der Präsentation von Kunst in Schaufenstern folgt das Unternehmen einem Trend aus Paris, New York und London. Mit dem Essl Museum verbindet Swarovski die Auseinandersetzung mit junger Kunst sowie die Leidenschaft, mit Kunst den monotonen Alltag der Menschen zu bereichern.
Bis 8. September 2012 on stage
Swarovski Wien
Kärntnerstraße 24
1010 Wien
vienna.swarovski.com



