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Medien über Sofias Müll-Dauerkrise: unerträgliche Zustände wie in Neapel
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Sofia erstickt im Müll
Die Müll-Dauerkrise in Sofia eskalierte Anfang März neuerlich. Überlaufende Mülltonnen und Abfallberge prägen das Stadtbild der bulgarischen Hauptstadt. Der Bevölkerung stinkt es zunehmend.
Sofia versinkt im Müll. Es stinkt zum Himmel. Katastrophale, chaotische Zustände. Europäische Medien kritisieren in großen Lettern die neu eskalierte Müll-Entsorgungs-Krise in Sofia. Nach jüngsten Erhebungen des EU-Statistikamtes „Eurostat“ ist Sofia die einzige Hauptstadt der Union, in der es keine funktionierende Müllentsorgung gibt: weder Müllverbrennung noch Kompostierung oder gar Recycling. Fast 100 Prozent des anfallenden Haushaltsmülls wird zu Ballen gepresst auf Deponien – meist offene Gruben – im ganzen Land verfrachtet. Das ist kostspielig, verschandelt die Umwelt und ruft seit Jahren immer heftiger werdende Proteste der betroffenen, lokalen Bevölkerung hervor.
Alleine am Stadtrand von Sofia lagern bereits mehr als 600.000 Müll-Ballen zu je einer Tonne. Im vergangenen Juli wurde die erste Mülltrennungsanlage in Filipovtzi, Sofia, eröffnet. Die Installation ermöglicht das Recycling von Glas-, Papier- und Plastikabfällen. Doch die Kapazität der neuen Anlage reicht bei weitem nicht aus: sie beträgt nur 140.000 Tonnen jährlich. Derzeit wird der Sofioter Müll weiter nur in Ballen gepresst, quer durch das Land gekarrt und bis an die Donaustadt Silistra verfrachtet. Dass Bulgarien und vor allem Sofia ein Müllproblem hat, ließ sich in den vergangenen Wochen bereits mit freiem Auge erkennen und es wird immer schlimmer.
Fakten zur diesjährigen Müllkrise
Seit Februar eskaliert die Krise an einem Streit zwischen der Stadt Sofia und dem konzessionierten Müllentsorger, der Firma Novera. Diese behauptet, Sofia würde Rechnungen nicht bezahlen und sei bereits umgerechnet mehr als 5 Mio. Euro schuldig. Das Rathaus bestreitet dies vehement und wirft Novera vor, nicht nur mangelhaft zu entsorgen, sondern die Stadt auch mit überhöhten Rechnungen erpressen zu wollen. Die Folge: der Gemeinderat hat den Vertrag mit Novera im März gekündigt. Daraufhin brach wieder ein Polit-Streit unter den Parteien im Stadtparlament aus, wer für die jüngste Entwicklung verantwortlich sei.7 Unternehmen übernehmen die Stadtreinigung
Nachdem vorübergehend auch Gefängnisinsassen zur Stadtreinigung vergattert worden waren, gab die Gemeinde nun die Namen von sieben neuen Unternehmen bekannt, die mit der Müllabfuhr in 19 der insgesamt 24 Stadtbezirke von Sofia betraut wurden. Je 6 Bezirke bekommen Titan-AC und das österreichische Unternehmen Saubermacher, 3 Bezirke das Aston Service und je einen Bezirk die Firmen Scheele, BAKS 99, Ekobulpost und Tschistota Iskar. Als großer Gewinner wird die Titan-AC bezeichnet. Die Verträge mit den neuen Konzessionären werden Anfang April unterzeichnet. Ankündigungen seitens der Stadtverwaltung, dass ein Gemeindeunternehmen die Stadtreinigung übernehmen würde, sind bisher nicht umgesetzt worden. Die Stadt würde nach eigenen Angaben rund 30 Mio. BGN (15,3 Mio. EUR) benötigen, um eine eigene, kommunale Müllentsorgung auf die Beine zu stellen. Medien bezeichnen diese Summe aber als viel zu gering.
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Auch eine österreichische Firma will nun Stadtbezirke von Sofia sauber machen
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Polit-Streit
Warum es für das Müllproblem in Sofia und ganz Bulgarien seit Jahren keine tragbare Lösung gibt, darüber liegen Bürger, Politiker und Experten im Dauerstreit. Die einen prangern Korruption und Behördenschlamperei an, die anderen sehen in Streitereien zwischen der Stadtverwaltung und dem zuständigen Ministerium Hauptgründe für die Verzögerung. Medien machen deutlich, dass es den Bürgern langsam endgültig stinke. Die Lösung des Müllproblems sehen vor allem Umwelt-Experten im Bau einer Müllverbrennungsanlage.EU fördert moderne Müllentsorgung
Auf Druck der EU leitet Bulgarien nun eine umfassende Reform der Müllentsorgung ein. 2007 wurden in Bulgarien rund 470 kg Abfall pro Person produziert. 390 kg davon wurden durch Deponierung und Verbrennung beseitigt. Nachdem die Europäische Kommission Bulgarien Ende November 2008 bereits zum zweiten Mal wegen mangelnder Umsetzung der EG-Abfallrahmenrichtlinie (2006/12/EG) gemahnt und auch Sanktionen angedroht hatte, reagiert jetzt die Regierung in Sofia. Sie entwickelte ein umfangreiches Modernisierungsprogramm. Im Rahmen des Fünfjahresplans zum Müllmanagement, der Anfang 2009 in Kraft trat, will sie 2 Mrd. BGN (rund eine Mrd. Euro) in die Abfallwirtschaft investieren.Ein landesweites Entsorgungssystem soll dafür sorgen, dass der Müll gesammelt und bearbeitet wird. Dadurch sollen deponierte Abfallmengen besser kontrolliert und reduziert werden. Bis 2013 sollen die regionalen Mülldepots auf 55 ausgebaut und Anlagen zur Kompostierung, Vorbehandlung von Abfällen und zur Behandlung von Baumüll errichtet werden. Zudem ist eine Anlage zur Verbrennung von Krankenhausmüll in Planung. Für die Finanzierung der Projekte können EU-Fördergelder aus dem Fonds „Operatives Programm Umwelt“ in Anspruch genommen werden. Finanzielle Unterstützung erhielt Bulgarien zudem im vergangenen Dezember durch ein Darlehen über 35 Millionen Euro von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung.
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Müllberge, tonnenweise zu Ballen gepresst und offen gelagert stinken zum Himmel
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Ein nationales Zentrum für Gefahrenstoffe steht ebenfalls auf der Projektliste. Dafür werden noch Investoren gesucht, die Kosten mit 38 Mio. Euro veranschlagt. Für Gemeinden, die von den regionalen Mülldepots entfernt liegen, sollen 35 Umladestationen entstehen, in denen der Abfall sortiert und weiterverarbeitet wird. Die Finanzierung der Vorhaben setzt sich aus Geldern diverser EU-Fonds, des bulgarischen Staatshaushaltes sowie von privaten Investoren zusammen.
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Info:
Ausgewählte Projekte der Abfallwirtschaft in Bulgarien
Anmerkung: ISPA - Instrument for Structural Policies for Pre-Accession Quellen: Ministerium für Umwelt und Gewässer, Ministerium für Finanzen |
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(compress sofia/hmar)
erstellt am: 2009-04-01




