Mia Zabelka

Festival PhonoFemme - Im Kosmos der Klänge


Mit phonoFemme startet 2009 ein Festival, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die nationale und internationale Klangkunstszene bekannt zu machen und zu fördern. 

Wieninternational.at wollte nicht mehr bis zur Eröffnung am 21. April warten und hat schon im Vorfeld mehr über diese für viele leider noch immer unbekannte Kunstrichtung in Erfahrung gebracht. Im Gespräch mit Geschäftsführerin Traude Kogoj und der österreichischen Klangkünstlerin Mia Zabelka erfuhren wir Wissenswertes zur Klangkunst, worauf weibliche Komponistinnen Wert legen und was das Internet mit all dem zu tun hat. 

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Wieninternational: Was genau ist unter dem Begriff Klangkunst zu verstehen? 
Mia Zabelka: Als Klangkunst bezeichnet man jene Kunstform, die Musik mit den neuen Medien – das heißt mit diversen Computertechnologien unter Einbeziehung des Internets etc.  – schafft. 
Traude Kogoj: Wichtig ist auch zu betonen, dass Klangkunst interdisziplinär ist. 


Alex Chechile
Carole Ione und Pauline Oliveros


Wieninternational: Welche Rolle spielt die so genannte „Musikhauptstadt“ Wien in der internationalen Klangkunstszene?
Mia Zabelka: Einerseits haben die Leute hier schon eine sehr gute Hörkultur entwickelt. Andererseits ist es schwierig, weil wir dadurch sehr vorbelastet sind und die Musiklandschaft eher konservativ ist. Andere Städte, die nicht so vorbelastet sind, wie zum Beispiel Linz, können leichter neue Wege einschlagen. 
Traude Kogoj: Ich glaube, dass Tradition auch die Chance der Weiterentwicklung in sich birgt. Man soll sagen können: Wien ist nicht nur bekannt für Mozart, die Staatsoper und den Musikvereinssaal – für die ganze konservative klassische Hochmusik - sondern eben auch für ihre Klangkunstszene. Das phonoFemme Festival ist ein wichtiges Statement in diese Richtung. Auch weil viele internationale Klang-Künstlerinnen nach Wien kommen.

Wieninternational: phonoFemme ist ein Festival, das sich explizit dem Schaffen von Klangkünstlerinnen widmet. Gibt es einen Unterschied in der Komposition von Männern und Frauen?
Traude Kogoj: Künstlerinnen sind viel eher bereit, Grenzen zu verletzen und darüber hinauszugehen, als ihre männlichen Kollegen. Mia Zabelka hat das einmal sehr gut definiert, indem sie gesagt hat, dass beim Klangkünstler meistens die Technik im Vordergrund steht, während bei der Klangkünstlerin Ton und Inhalt zentral sind. Das halte ich für einen wichtigen qualitativen Unterschied. 


Lydia Lunch
Olga Neuwirth


Wieninternational: Sehen sie das Internet als möglichen Hort der Gleichberechtigung?
Mia Zabelka: Gerade junge Leute arbeiten heute fast ausschließlich in Teams und erarbeiten ihre Projekte gemeinsam. Schon deshalb denke ich, dass Frauen heute durch die neuen Medien mehr Chancen haben. 
Traude Kogoj: Ein wichtiger Punkt ist auch, dass das Internet und die neuen Medien nicht mehr so viele Ressourcen voraussetzen. Das Projekt „art in progress“ (eine von phonoFemme ins Leben gerufenen Plattform, die dem Austausch von Klängen und dem gemeinsamen Komponieren gewidmet ist, Anm. d. Red.) ist ein ideales Beispiel dafür, wie man Kunst machen kann, ohne dass man große Eingangsbarrieren schafft. Wenn ich beispielsweise in der Staatsoper auftreten will, dann muss ich erst einmal 30 Jahre Klinken putzen gehen, damit ich dann unter Umständen meine fünf Minuten bekomme. Im Internet ist die Möglichkeit, an etwas teilzunehmen mit weniger Eigenkapital verbunden. Das ist ein wichtiger Punkt: Wer hat Geld und wer kann wo teilnehmen? - Wer bekommt Geld und wer bleibt ausgeschlossen? 

Wieninternational:  Inwieweit soll das Publikum des KosmosTheaters in die diversen Klangkunstwelten miteingebunden werden?
Mia Zabelka:  Die BesucherInnen werden schon im Eingangsbereich von Klängen empfangen. Es wird im Raum verteilt verschiedene Klang- und Videoinstallationen geben. Zudem findet eine Reihe an unterschiedlichen Live-Acts statt. Die Barriere zwischen den Darstellerinnen und dem Publikum soll aufgehoben werden. 


Svetlana Spajic
phonoFemme 09


Zu den Personen:
Mag.a Mia Zabelka ist E-Violinistin und Komponistin. Sie lebt und arbeitet in Wien und in der Südsteiermark. 2003 gründete sie gemeinsam mit Zahra Mani die One.Night.Band. Seit 2007 leitet sie das klang.haus.untergreith.

Dr.in Traude Kogoj ist Politikwissenschafterin, Autorin, Gender- und Diversitätsexpertin, lehrt an der UNI und begleitet u.a. Kunstprojekte, zuletzt "Arbeitslose tanzen Verdi" der opernwerkstatt wien. www.derort.com

 

Info:
phonoFemme - Internationales Klangkunstfestival
21.04. - 25.04.2009,  20:00 Uhr

KosmosTheater
Siebensterngasse 42
1070 Wien

Karten: Tageskarte: EUR 14,- /erm. 10,-/ Sparpaket EUR 72,- + erm. 42,- (6-Karten-Package)
www.kosmostheater.at oder www.phonofemme.at
 

Ausgewählte Veranstaltungen:
21.4.2009, 20.00 Uhr
Oracle Bones / Mirror Dreams
Multimedia-Performance mit Pauline Oliveros, Miya Masaoka, Carol Ione

22.4.2009, 20.00 Uhr
körper.klang.maschine
Mit: Paola Bianchi, Olga Neuwirth
 
women of the ruins
audiovisuelle Performance mit Mia Zabelka, Katarina Matiasek
 
THE GUN IS STILL LOADED
Soundperformance-Revue mit Lydia Lunch, Christina Nemec, Mia Zabelka, Katrina Daschner und Melanie Gautier | Texte: Lydia Lunch | Kostüme: Renate Christian

24.4.2009
Diskussion:
The future of sound – Klangkunst als interdisziplinäre und intermediale Innovation
Mit Werner Jauk, Dieter Kaufmann, Helga de la Motte, Pauline Oliveros, Christian Scheib, Mia Zabelka
Moderation: Irene Suchy
  
(sasch)
erstellt am: 2009-04-15