Marijana Stoisits

Vienna Film Commission


Wieninternational.at im Gespräch mit Marijana Stoisits, Leiterin der neu gegründeten Vienna Film Commission über den Aufbau des Büros, künftige Aufgabengebiete und neue Drehorte.


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Wieninternational: Sie haben im Februar offiziell ihre Arbeit aufgenommen: Können Sie uns erzählen, womit Sie seither beschäftigt sind? Anders gefragt: Was sind die Aufgaben der Vienna Film Commission?
Marijana Stoisits: Tatsächlich sind das zurzeit noch zwei unterschiedliche Paar Schuhe, das was wir gerade machen und womit sich die Vienna Film Commission in Zukunft beschäftigen wird. Im Augenblick befinden wir uns noch in der normalen Gründungsphase eines Büros, Mitarbeiter suchen, Kontakte aufnehmen usw. Zukünftig werden wir dann als Service- und Beratungsstelle für Filmschaffende vor Ort und aus dem Ausland fungieren. Das heißt, wir kümmern uns um Dinge wie Drehgenehmigungen und Koordinierung von Kommunikationsabläufen zwischen den beteiligten Stellen und wir bieten einen Production- und einen Locationguide. Eine unserer wichtigsten Aufgaben wird es sein, gezieltes Lobbying zu betreiben. Zum Einen in der Öffentlichkeit, um die Akzeptanz für Dreharbeiten in der Bevölkerung zu erhöhen. Zum Anderen in der Politik, um immer wieder die enorme Wertschöpfung, die die Filmbranche generiert, an den richtigen Stellen ins Spiel zu bringen. In Österreich sind rund 8.000 Personen mit Filmarbeit befasst sind und das meiste davon spielt sich in Wien ab. Deren Arbeitsbedingungen zu verbessern wird auch eine unserer Aufgaben sein.

Wieninternational: Wer war vor der Vienna Film Commission mit all diesen Aufgaben betraut?
Marijana Stoisits: Es gibt bereits seit 20 Jahren das Film Büro Wien, das von Walter Galosch betreut wird. Seine Aufgabe ist es vor allem zu vermitteln, wenn Filmschaffende mit einem Amt zu tun haben, das heißt wenn es um die Erteilung von Rahmendrehgenehmigungen für Ämter, Krankenhäuser, Badeanstalten usw. geht. Dieser Aufgabe wird Walter Galosch auch in den nächsten Monaten noch nachkommen, es bedarf nämlich einer Gesetzesänderung bis wir diesen Bereich endgültig übernehmen können. Was die Werbung im Ausland für Wien als Drehort betrifft, so hat sich bis jetzt der Film Fonds Wien darum mitgekümmert, auch wenn das eigentlich nicht seine vorrangige Aufgabe war. Das ist eindeutig die Arbeit einer Film Commission, die es in Wien erstaunlichweise bislang nicht gegeben hat.





Wieninternational: Momentan wird beim Wien Tourismus verstärkt daran gearbeitet, die Wiener Kreativwirtschaft zu fokussieren, das heißt neben dem alten Wien auch neue Aspekte der Stadt gezielt zu vermarkten. Wenn man diese Bemühungen auf Wien als Drehort ummünzt: Wie könnte so ein Unterfangen aussehen? Wie gelangt man von der Hofburg in Richtung Museumsquartier und inwieweit wollen Sie das überhaupt?
Marijana Stoisits: Es ist natürlich unsere Absicht, neben dem herkömmlichen Wienbild auch ein anderes, ein moderneres Bild von Wien zu forcieren und dieses ins Ausland zu transportieren. Gerade im Hinblick auf die Creative Industries in Wien ist es uns ein wichtiges Anliegen, diese stärker mit dem Film zu verschränken. Ein anderer wichtiger Punkt ist es, unbekannte Locations in Wien zu entdecken und diese zu vermarkten. Das werden wir vor allem über unsere Website tun, wo wir einen umfangreichen Location Guide anbieten werden. Wenn das nicht ausreicht, können uns Produktionsfirmen jederzeit anrufen und wir werden uns bemühen, einen passenden Drehort ausfindig zu machen. Zudem wollen wir regelmäßig Locations-Touren anbieten.

Wieninternational: Wie attraktiv ist Wien als Drehort für Österreich und auch international gesehen?
Marijana Stoisits: Was Österreich betrifft, spielt Wien natürlich eine besondere Rolle, auch weil die großen Produktionsfirmen hier ihren Sitz haben und viele der Filmschaffenden in Wien beheimatet sind. Es gibt kaum österreichische Filme, in denen Wien nicht auf irgendeine Art und Weise vorkommt. International gesehen kann Wien natürlich besonders durch seine Originalschauplätze punkten. Wenn man eine besondere Art von Flair sucht, ist man hier richtig. Einzigartig an Wien ist zum Beispiel auch die Verbindung von Urbanität mit Kultur und Natur.




Wieninternational: Um zurückzukommen auf Wiens Image als junge Stadt. Inwieweit hat Wien diesbezüglich am internationalen Sektor mit Konkurrenz aus Berlin oder Hamburg zu rechnen, aber auch mit Städten wie Prag oder Bratislava, wo es beispielsweise zudem günstiger ist, eine Crew zu mieten?
Marijana Stoisits: In erster Linie kommt das natürlich darauf an, was ich suche. Wenn ich einen Hafen suche, bin ich wahrscheinlich in Hamburg am besten aufgehoben, brauche ich für meine Arbeit ein großes Studio, werde ich aller Voraussicht nach nach Berlin gehen. Ich denke, jede Stadt kann für sich punkten kann. Wichtig ist es, eingetretene Pfade zu verlassen. Ich habe letzte Woche, nur um ein Beispiel zu nennen, eine Tatort Folge gesehen, die mir eine total neue Perspektive auf Berlin vermittelt hat. So etwas würde ich mir von einem österreichischen Tatort auch einmal wünschen, eine Einstellung, die man nicht schon 100 Mal gesehen hat. Was den Preisunterschied zu Prag oder Bratislava anbelangt, mache ich mir keine großen Sorgen. Die Preise werden sich in den nächsten Jahren zunehmend angleichen. Ein Vorteil, den Wien gegenüber Bratislava hat, ist die Größe. Viele der Crew-Mitglieder wollen nach Drehschluss noch etwas erleben und da bietet Wien als Gesamtpaket einfach sehr viel mehr.

Wieninternational: Schielen Sie auch Richtung Hollywood? Immerhin hat der österreichische Film dort mittlerweile einen relativ guten Bekanntheitsgrad. Kann man da mit einer Art Rückkoppelungseffekt rechnen, wenn der österreichische Film bekannter ist? Wird Wien dann auch als Drehort begehrter?
Marijana Stoisits: Nach Hollywood schielen wir auf jeden Fall. Ob die zurückschielen, ist eine andere Frage. Aber natürlich ist es unser Ziel, dass Produzenten zu uns herüberkommen. Einer unserer Geldgeber ist der Wien Tourismus, der sehr daran interessiert ist, dass Wien verstärkt in Fernsehfilmen und Serien vorkommt. Touristenströme orientieren sich auch an Filmimages. Das hat schon das Beispiel von "Kommissar Rex" in Italien gezeigt.




Wieninternational: Andere Länder bieten Steuervergünstigungen. Wie wichtig ist so etwas auch für die österreichische Filmbranche?
Marijana Stoisits: Sehr wichtig. Eines unserer Ziele wird es sein, die Politik davon zu überzeugen, dass wir so etwas auch hierzulande benötigen, sonst bekommen wir ernsthaft Probleme. Es ist schon zu oft passiert, dass Produktionen ins Ausland gewandert sind, weil sie dort 20 Prozent des Geldes zurückbekommen. Das ist auch eine Forderung, die sowohl der Filmfonds Wien, wie auch das ÖFI und auch die Produzentenverbände unterstützen.

Wieninternational: Sind für die Vienna Film Commission beispielsweise Experimentalfilm und Kurzfilm gleichberechtigt zum Spielfilm?
Marijana Stoisits: Es gibt kein Genre, dem wir den Vorzug geben würden. Es ist uns wichtig, dass sich die Branche insgesamt entwickelt. Tatsächlich braucht es eine bestimmte kritische Masse an Produktionen, um Außergewöhnliches hervorzubringen. Auch der Werbefilm mit seinen großen Budgets ist für uns wichtig. Uns geht es schließlich auch immer um die Wertschöpfung.




Wieninternational: Was bedeutet es, dass eine Frau für den Posten der Leitung auserkoren wurde? Wie sieht das Verhältnis von Frauen in der Filmindustrie generell aus?
Marijana Stoisits: Ich denke, dass es ziemlich ausgewogen ist. Es gibt natürlich Bereiche, in denen mehr Männer arbeiten wie z.B. bei den Beleuchtern oder in den Kostümabteilungen, wo es eher Frauen sind. Für die Geschäftsführung der Vienna Film Commission haben sich aber deutlich mehr Frauen als Männer interessiert.

Wieninternational: Gibt es bereits erste Erfolge zu verzeichnen bzw. haben Sie schon ein erstes Feedback erhalten?
Marijana Stoisits: Wir haben bereits mit einzelnen Bezirksvorstehern Gespräche geführt und sie bei strittigen Fragen beraten. In einem Fall – da ging es um eine internationale Produktion zum Terroristen Carlos – ist es uns auch gelungen, einen für alle Beteiligten zufriedenstellenden Kompromiss zu finden. Das ist ein eindeutiger Erfolg.





Zur Person:
Marijana Stoisits ist promovierte Ethnologin und Kunsthistorikerin. Zudem studierte sie in Hamburg, Berlin und Wien Kulturmanagement. 1986 gestaltete sie den Dokumentarfilm „Und damit tanzen sie noch immer – Stinjacke Cizme“. Unter anderem war sie jahrelang als freie Journalistin für Print & TV tätig sowie Redaktionsleiterin und Moderatorin bei Spiegel TV. Seit 2009 Leiterin der Vienna Film Commission.



Info:
Vienna Film Commission
Ebendorferstraße 4, 1010 Wien
Tel.: +43 1 4000 86164
E-Mail: stoisits@viennafilmcommission.at
Homepage (under Construction): www.viennafilmcommission.at



Veranstaltungstipp:
Auch Nachwuchsförderung wird in Wien groß geschrieben!

Die 13. „wiener video&filmtage“ suchen Filme von jungen Leuten bis 22 Jahre!

Die „aussagekräftigsten und beherztesten Filme aus den Einreichungen“ werden im
Herbst im Rahmen der 13. „wiener video&filmtage“ an 5 Tagen einer prominenten Jury im wienXtra-cinemagic vorgeführt. Diese werden im Anschluss live ihr Feedback geben. Auf die Gewinner und Gewinnerinnen warten eine Reihe von Preisen, die zum Weitermachen anregen.

Informationen unter: www.videoundfilmtage.at oder bei Gabriele Mathes; wienXtra-medienzentrum, Tel: 4000-83 453 oder per E-Mail: gabriele.mathes@wienXtra.at
Einsendeschluss ist der 31.8.2009.

Cash for Culture
Ein heißer Tipp für Jugendliche mit Liebe zum Film ist auch die von der Kulturabteilung der Stadt Wien geförderte Initiative Cash for Culture. Weitere Informationen unter: www.cashforculture.at

„VISIONary – Innovativer Film aus Österreich„
Mit dem Start der neuen Filmreihe „VISIONary – Innovativer Film aus Österreich„ bekommen auch Schüler die Möglichkeit, sich spannende Ein- und Überblicke über österreichische Filmproduktionen der letzten Jahre zu verschaffen.

Die von Michael Loebenstein und Norbert Pfaffenbichler kuratierten Programmschienen befassen sich mit unterschiedlichen Filmgenren – vom Dokumentar- über den Kurz- und Experimentalfilm bis hin zum Musikvideo - und laufen im Rahmen des „VISIONary“ Festivals von 1. bis 7. Mai im Wiener Stadtkino. Danach treten die ausgewählten Filme ihre Tournee durch Österreichs neun Bundesländer an. In Wien sind fünf der neun Programmpunkte sowie der Film „Natascha“ von Uli Gladeks im Rahmen von Schulvorstellungen auch weiterhin zu sehen. Schulmaterialien-Download sowie Informationen zum Filmprogramm und zur Anmeldung stehen unter: www.filmABC.at bereit.

wienXtra-cinemagic: Kino für Kinder und Jugendliche

Seit zehn Jahren bietet das cinemagic am Wiener Karlsplatz Kino für Jugendliche und Kinder ab drei Jahren. Zum Jubiläumswochenende rund um den 26. April 09 zeigt das erste und einzige Kinderkino Wiens u.a. die 15-minütige Geschichte rund um Hamster Heiz, Frosch Boris und einem Tyrannosaurus. Der Eintritt für alle Filme in der Jubiläumswoche beträgt ein Euro.
Informationen unter: www.cinemagic.at
(sasch)
erstellt am: 2009-04-22