Berndt Anwander und Andreas Kous

CineMarkt - visuelle Kulturreisen im öffentlichen Raum


Die Brunnenpassage in Ottakring entwickelte sich bereits Anfang März zu einem cineastischen Ort der Begegnung, an dem Menschen aus unterschiedlichen Kulturen die Möglichkeit haben, Filme international preisgekrönter Regisseure zu sehen.

Seit dem 2. März 2009 präsentiert die St. Balbach Art Produktion einmal im Monat Filmabende in der Brunnenpassage. Dieser Kunstraum - bei dem es sich um eine ehemalige Markthalle handelt - ermöglicht den Menschen im Brunnenviertel seit etwa zwei Jahren Zugang zu zeitgenössischer Kunst. Vor allem macht die Brunnenpassage erlebbar, dass unterschiedliche kulturelle Herkunft eine Gesellschaft bereichert. Die Caritas fördert mit diesem Projekt das Miteinander von In- und AusländerInnen, MigrantInnen und ÖsterreicherInnen, MuslimInnen und ChristInnen.

Unter dem Titel „CineMarkt“ laden Berndt Anwander und Andreas Kous zur Vorführung einzigartiger Filmwerke, die nicht nur Liebhaber künstlerisch hochwertiger Streifen schätzen, sondern vor allem EinwohnerInnen des Viertels die Gelegenheit geben soll, die kulturelle, soziale und politische Entwicklung des eigenen Landes und anderer Staaten kennenzulernen. Die Brunnenpassage wird durch diese Veranstaltungen vermehrt zu einem Ort der Begegnung und zu einem gelungenen Beispiel für gelebte Integration.


Brunnenpassage
ZuschauerInnen


Kino als Grundlage neuer Freundschaften
„Wir arbeiten mit einem sehr engagierten Kooperationspartner, der Caritas zusammen, die auch Eigentümer der Brunnenpassage ist. Die Betreiber sind Künstler, die aus der Theaterszene kommen und verschiedene Veranstaltungen organisieren, wie Lesungen, Tanzaufführungen oder eben auch Bühnenstücke,“ erklärt Projektleiter Andreas Kous. Den Auftakt der monatlich stattfindenden Filmabende in der Brunnenpassage bildete das Werk „Ein Augenblick Freiheit“ des in Wien tätigen Regisseurs Arash T. Riahi. Der Film ist mittlerweile mit 19 internationalen Preisen bedacht worden, darunter der „Golden Zenith“ für den besten Erstlingsspielfilm beim Montreal World Film Festival und das „Goldene Auge“ für den besten Debütspielfilm beim Zürich Filmfestival.
Der zweite Film „No Man´s Land – Ničija Zemlja“ von Danis Tanovic, schilderte die Brutalität und Absurdität der Schlachten im jugoslawischen Bürgerkrieg des Jahres 1993. Bei „No Man’s Land“ handelt es sich um den ersten Film, den Danis Tanovic realisierte und der sogleich mit einem Oscar vergoldet wurde.

„Wir hatten im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Bezirksverwaltung Ottakring eine erfolgreiche Einzelveranstaltung. Daraus resultierte die Idee, die Brunnenpassage als regelmäßigen Kinostandort zu verwenden,“ erinnert sich der Projektleiter der St. Balbach Art Produktion. Solche Events wurden bislang unter freiem Himmel präsentiert. „Dies ist erstmals eine Filmreihe, die ausschließlich in einem Gebäude stattfindet, aber die Brunnenpassage ist eher eine luftige Baulichkeit, von der Architektur her eine richtige Passage,“ beschreibt St. Balbach-Geschäftsführer Berndt Anwander das attraktive Ambiente.


No Man´s Land


Filmische Reise durch Europa
Die nächste Filmvorführung am 4. Mai 2009 widmet sich der Türkei. Regisseur Mahsun Kirmizigül beschäftigt sich in seinem Film „Beyaz Melek - Weißer Engel“ damit, wie unterschiedlich man in verschiedenen Ländern, ja sogar Regionen mit alten Menschen umgeht. Eine Reise vom Westen in den Osten der Türkei führt die ZuseherInnen zurück zu längst vergessenen Idealen wie Familienzusammenhalt. So fremd den Protagonisten eine Einrichtung namens Altersheim ist, so fremd erscheint manchen ZuseherInnen vielleicht die Hochschätzung des Alters bis zum Tod. Doch das Schöne daran ist nicht zu verkennen.

Jedes Monat bietet der auf Kinopräsentationen spezialisierte Verein eine mediale Reise in die Kultur eines anderen Landes. Talentierte Regisseure, Drehbuchautoren und Filmemacher, die aus Migrantenfamilien stammen, schufen eine neue Art von Kino „zwischen den Kulturen“, das sich zu einem Mittler zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen in Wien und gleichzeitig auch zu einer neuen Kommunikationsplattform entwickelte. Die Reise mit der Kamera führt durch den gesamten Kontinent bis in den Nahen Osten und zeigt nicht nur die an Besonderheiten reichen Kulturlandschaften, sondern führt dem Betrachter auch die Gemeinsamkeiten vor Augen, die „das Fremde“ schlussendlich von seinem Klischee befreiten.


Beyaz Melek Filmplakat



Info:
Termine: jeweils am ersten Montag im Monat: 4.5., 8.6., 6.7, 3.8., 7.9, 5.10., 2.11., 7.12. 2009, Beginn: 20:30 Uhr
Caritas Brunnenpassage, 1160 Wien, Brunnengasse 71 – Yppenplatz

Verein St. Balbach Art Produktion
1020 Wien, Große Sperlgasse 20
www.stbalbach.at






Veranstaltungs-Tipp:
„1050 ist Leinwand“
Auch im 5. Wiener Gemeindebezirk Margareten wird Film derzeit groß geschrieben. Mit der Initiative „1050 ist Leinwand“ sollen die Margaretner angeregt werden, selbst zur Kamera zu greifen und die Sicht auf ihren Bezirk darzustellen. Zur Anregung gibt es im Vorfeld eine Sonderschau zu berühmten Filmschaffenden aus Margareten im Bezirksmuseum (19. Mai, 18.30 Uhr) sowie einen Workshop (14. bis 17. Mai) zum Thema Schneiden, Regie, Filmskizze usw. im Polycollege. Abgabeschluss für eifrige Nachwuchsfilmtalente ist der 21. September.

Bei so viel Begeisterung der Margaretner für Film darf natürlich auch dieses Jahr das beliebte Sommerkino im Bruno Kreisky-Park nicht fehlen. Heuer wird so mancher Klassiker von 15. bis 20. Juni über die Leinwand flimmern.

(compress wien)
erstellt am: 2009-04-29