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Michael Strasser, Chef des Tokyo-Büros der Stadt Wien und der Wiener Wirtschaftskammer
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Wien-Büro in Tokyo sorgt für ungebrochen attraktiven Japan-Tourismus
Wien ist es gelungen, durch Pionierarbeit seit 1990 mit einem eigenen Stadtmarketing-Büro in Tokyo systematisch Kompetenz und Wirtschafts-Vorteile zu erarbeiten, die seither auch am Höhepunkt der internationalen Finanzkrise exzellente Geschäfte im Japan-Tourismus ermöglichen.
Wieninternational.at-Korrespondent Ferdinand Hennerbichler sprach darüber mit dem Leiter des Tokyo-Büros der Stadt Wien und der Wiener Wirtschaftskammer, Mag. Michael Strasser:
wieninternational.at: Herr Mag. Strasser, wir feiern heuer, 2009, ein großes, musikalisches Haydn-Jahr. 200-jähriger Todestag. Und wir feiern auch ein diplomatisches Japan-Jahr, was viele vielleicht nicht wissen. Was feiern wir da?
Michael Strasser: Dieses Jahr sind wir sehr gesegnet, was Jubiläen betrifft, wie Sie schon richtig gesagt haben, nämlich unseren Komponisten Haydn und 140 Jahre Österreich-Japan, die ersten diplomatischen Beziehungen, die zwischen unseren beiden Ländern aufgenommen worden sind. Und das ist etwas, was uns als Österreich in Japan ziemlich hilft, Aufmerksamkeit zu erregen, gerade weil in diesem Jahr sehr viele Aktivitäten stattfinden, wo wir unser kleines Land in einem Land, wo es sehr viel Konkurrenz gibt, sehr gut positionieren können.
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TeilnehmerInnen am "Super Workshop" des Wien-Büros in Tokyo, Nagoya und Osaka
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wieninternational.at: Ich könnte mir vorstellen, da gibt‘s eine ganze Reihe von Aktivitäten, die Sie schon entwickelt haben. Wenn ich richtig gelesen habe, haben Sie auch schon einen großen Workshop gemacht. Können Sie ein bisschen erzählen: was sind bisher Ihre Aktivitäten gewesen?
Michael Strasser: Die große touristische Aktivität, die bis jetzt stattgefunden hat, war zusammen mit dem Wien-Tourismus und der Österreich-Werbung ein Superworkshop, zu dem wir alle wichtigen Entscheidungsträger aus dem Tourismus, Reiseveranstalter, Reisebüros und Presse eingeladen und dort das touristische Angebot präsentiert haben. Es hat einer in Tokyo stattgefunden, in Nagoya und Osaka, wo fast 500 Entscheidungsträger über unser Österreich- und unser Wien-Angebot informiert worden sind und wo wir auch neue Inhalte, moderne Inhalte Österreichs, präsentieren. Weil, letztendlich ist Österreich und speziell Wien eine Lebens-Destination, wo man immer sagt: ja, Wien gibt‘s, Österreich, man hat Zeit, das Land irgendeinmal anzuschauen. Und da wollen wir ein bisschen vorarbeiten. Weil, die Zeit ist jetzt. Die Leute sollen jetzt nach Österreich kommen, und dahingehend versuchen wir marketingmäßig zu arbeiten. Dass die Gäste, die es eigentlich immer auf die lange Bank schieben zu kommen, sagen, dieses Jahr ist das richtige, nach Österreich zu reisen. Das Japan-Österreich-Jahr hilft da natürlich schon.
wieninternational.at: Welchen Stellenwert hat grundsätzlich Japan für den Wien- und Österreich-Tourismus?
Michael Strasser: Japan ist eindeutig das wichtigste Land Asiens, was den Outgoing-Tourismus betrifft. Wir haben fast 230.000 Ankünfte aus Japan. Wobei 60 Prozent der Ankünfte in Wien generiert werden. Also ein sehr wichtiger Stellenwert, weil Japaner, auch wenn sie nur kurz in Österreich bleiben - die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei 1,9 Tagen, also maximal zwei Tage bleiben sie in unserem Land - wenn sie hier sind, auch sehr ausgabefreudig sind. Und dadurch entsteht Wertschöpfung, und auch durch eine kurze Aufenthaltsdauer profitieren wir als Tourismusland sehr viel.
wieninternational.at: Wenn man so in Wien schaut: es gibt eigentlich sehr viele Japan-Touristen, die man in der Öffentlichkeit sieht, vor allem in der Wiener Innenstadt. Sie treten alle eher in Gruppen auf. Habe ich das nur persönlich so wahrgenommen oder ist das wirklich so, dass die überwiegend in Gruppen kommen?
Michael Strasser: Na ja, wenn man die japanische Kultur ein bisschen kennt: die Gruppe steht über dem Individuum und daher werden auch alle Reisen in Gruppen unternommen. Man fühlt sich sicherer dadurch. Man wird betreut durch einen japanischen Reiseveranstalter, der in dem betreffenden Land wie in Österreich auch die Sprache kennt und kann. Und das ist mit Sicherheit verbunden damit, dass die Japaner sehr gerne in Gruppen auftreten.
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Auch die Wiener Sängerknaben begeistern Japaner
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wieninternational.at: Warum kommen Japaner eigentlich nach Wien und warum so gerne? Was sind Ihre Motive?
Michael Strasser: Die Motive eines Wien-Aufenthaltes sind ganz klar Österreich oder Wien. Wien steht für das imperiale Gut, für das imperiale Ambiente, und für die Musik. Das trennt uns ganz klar vor unseren anderen Mitbewerbern wie der Schweiz oder Deutschland und da haben wir einen ziemlichen touristischen Wettbewerbsvorteil. Weil das sind die klassischen Images, die Japaner auf Grund Ihrer Schulbildung wissen. Die Habsburg-Familie und Sisi sind nach wie vor ein ganz großes Thema. Da sind einfach sehr viele Phantasie-Welten, die Japaner im Kopf haben, und das möchten sie in Wien erleben. Sie wissen, dass in Wien nicht nur die ganze Zeit auf der Straße Walzer getanzt wird und die Leute nicht in Sisi-Kleidern herumlaufen. Aber nach wie vor ist dieses Flair, dieser Mythos, etwas, was eine Reise nach Österreich wert ist. Thema "Sound of Music", so wie in Amerika. Millionen Japaner kennen den Film "Sound of Music" und daher wollen sie auch unbedingt diese Orte selber sehen, spüren, angreifen, riechen, also das mit der gesamten Haptik wahrnehmen.
wieninternational.at: Ich denke, es wäre aber einseitig, zu vermuten, dass nur die Senioren in Gruppen aus Japan kommen. Ich habe über lange Jahre beobachtet, dass sehr viele Junge da sind, die beispielsweise Musik studieren. Ich habe auch wahrgenommen, dass es eine Kooperation im Bereich Ballett gibt. Also eine ganze Reihe, wo auch die Jugend Wien kulturell sehr attraktiv empfindet. Ist dem so?
Michael Strasser: Das haben Sie ganz richtig erkannt und festgestellt. Unsere Zielgruppe ist 50 plus, Leute, die schon im Ruhestand sind. Das Phänomen ist, dass sich japanische Pensionisten meist um vieles jünger fühlen als europäische, und was auch noch dazu kommt, vielleicht auf Grund des Klimas oder der Ernährung, schauen alle viel jünger aus. Daher mag es manchmal auch so ausschauen, als ob sehr viele junge Leute nach Österreich kommen, weil die Pensionisten einfach in einer sehr guten physischen Verfassung sind. Jugend, so um die 15 bis 20, hat relativ wenig Bezug, außer einer gewissen Schicht, die Sie schon angesprochen haben, die sehr Kunst- und Musik-interessiert ist. Die hier am Mozarteum studieren, selber versuchen, im Ballett in der Wiener Staatsoper aufgenommen zu werden. Also da hilft wieder unser Musik-Image oder unser Klischee, das wir haben, dass Japaner sagen: da bekommen sie die beste Ausbildung, das ist der Platz, wo Musik und Tradition wirklich gelebt wird.
wieninternational.at: Sie haben im Augenblick mit dem Tourismus durch die internationale Finanzkrise eine besonders schwierige Situation. Der Tourismus trägt wesentlich zur Wertschöpfung in Wien bei. Auf der anderen Seite könnte ich mir vorstellen, dass jetzt die Reisen durch die Entwicklung von Euro und Jen etwas günstiger geworden sind, wo Sie wiederum einen gewissen Vorteil in der Krise haben könnten. Stimmt das?
Michael Strasser: Sie habe diese Entwicklung perfekt mitverfolgt. Wir hatten in letzter Zeit ein ziemliches Problem, weil der Jen gegenüber dem Euro sehr schwach war. Das hat sich aber jetzt geändert. Seit März ist der Jen im Vergleich zum Euro sehr stark geworden, was natürlich hilft, dass Gäste viel preiswerter nach Europa reisen können. Und darüber hinaus sind noch die Surcharge-Gebühren für Flüge drastisch gesenkt worden. Normalerweise hat man für eine Reise zusätzlich zum Ticket zwischen 500 und 600 Euro nur an Steuern zahlen müssen. Das ist weggefallen. So sind Reisen fast um 20 Prozent preiswerter geworden. Wir haben das auch erstmals nach Jahren gemerkt. Wo eigentlich immer ein leichtes Minus zu verzeichnen war, sind die Zahlen in Wien im April erstmals positiv bezüglich der Ankünfte und der Übernachtungen. Zwei Prozent plus, was die Übernachtungen betrifft, 5,4 Prozent, was die Ankünfte betrifft. Das freut uns. Was aber jetzt leider dazugekommen ist, was in Europa Gott sei Dank kein Thema mehr ist, ist die Influenza (Virus-Grippe). Das ist in Japan ein extrem großes Problem. Die Leute haben dadurch sofort wieder ihre Reisen storniert. Und wir hoffen, dass sich dieses Thema jetzt bald legt, und dass die Zahlen dann wieder ab Juni, Juli steigen.
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Sisi-Kult in Japan: Andenken an Elisabeth, Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn
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wieninternational.at: Aber im Prinzip haben Sie und der Wien-Tourismus - was Japan betrifft - sich trotz der internationalen Krise ganz gut durchgeschlagen.
Michael Strasser: Wien ist jenes Bundesland, das sehr konsequent und seit vielen Jahren Japan wirklich die Treue hält und auch in den schwierigen Zeiten der letzten Jahre nicht gesagt hat: jetzt ziehen wir uns aus dem Markt zurück, sondern konsequent das Budget – ich sag‘ sogar: verdoppelt hat, um touristische Anstrengungen vor Ort zu unternehmen. Sowohl Wiener Wirtschaftskammer als auch der Wien-Tourismus sind führende Institutionen am japanischen Markt. Das spüren auch unsere japanischen Partner. Diese Wertschätzung wird sich auch langfristig in den Zahlen ausdrücken, dass die Gäste zu uns reisen und dass auch unsere Wiener Produkte vor Ort gekauft werden.
wieninternational.at: Apropos Stichwort: hat sich ausgezahlt: als Helmut Zilk 1990 das Japan-Büro initiiert hat, sind Sie damals, wenn ich richtig informiert bin, nach dem Handelsstudium zum Wien-Tourismus gegangen. Im vergangenen September sind Sie Leiter des Japan-Büros geworden. Ein Wiener in Japan. Stadtmarketing in einer ganz wichtigen Region. Eine kurze Bilanz von Ihnen: Hat sich das ausgezahlt? War das tatsächlich eine gute Idee, ein eigenes Stadt-Marketing zu machen, und interessiert, fasziniert Sie das immer noch?
Michael Strasser: Also, ich muss sagen, diesen Schritt zu setzen, in Tokyo ein eigenes Büro der Stadt Wien auf die Beine zu stellen, ist etwas ganz Besonderes. Und was ich seit der kurzen Zeit, in der ich dabei bin, sagen kann, ist, dass andere Länder oder Städte jetzt dieses Konzept kopieren. Die kommen natürlich um vieles später, und dadurch hat natürlich Wien seit 1990 schon so viel Kompetenz und Vertrauen aufgebaut, dass es ein Wettbewerbsvorteil ist, den andere Länder nicht haben und den sie sich erst einmal erarbeiten müssen. Und dann kommt noch dazu, damals unter Zilk, dieser Sympathieträger, das hat den Japanern eigentlich sehr gut gefallen, und damit wird Wien immer als Partner assoziiert, auf den man sich verlassen kann, der charmant ist, der gute, qualitativ hohe Produkte hat, und auch eine Stadt, wo man selber wieder das Leben lernen kann. Tokyo ist eine ziemlich stressige Stadt, wo Leute 90 Prozent Ihrer Zeit arbeiten und daher diesen Ausgleich in Wien finden, ein bisschen durchatmen können und das Leben genießen, was in Japan auf Grund der Arbeitsintensität wahrscheinlich gar nicht so leicht möglich ist.
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Japanischer Nachwuchsstar Nanako Hayafuji im Ballett der Wiener Staatsoper
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wieninternational.at: Ich habe gelesen, Sie sind ein sehr polyglotter Mensch, sprechen unter anderem Spanisch, Englisch und Russisch. Sprechen Sie auch schon ein bisschen Japanisch?
Michael Strasser: Ich habe angefangen, Japanisch zu lernen. In einem Land kann man sich nur bewegen, wenn man die Sprache spricht. Das war bisher immer mein Motto. Da hat man einen viel besseren Zugang zu den Leuten, versteht Dinge besser. Ich bin aber sehr demütig, was die Sprache betrifft, weil sie relativ schwierig ist. Aber steter Tropfen höhlt den Stein. Ich versuche jeden Tag, eine Stunde Japanisch zu lernen, und hoffe, noch lange in Japan bleiben zu können, bis ich dann wirklich fließend sprechen kann.
wieninternational.at: Ihr Vorgänger war 21 Jahre dort, bevor er in den Ruhestand gegangen ist. Wie würden Sie denn die Zukunft unseres Japan- und Tokyo-Tourismus sehen? Positiv oder schwierig?
Michael Strasser: Bei der Übergabe von Dkfm. Volker Jaindl an mich habe ich gesagt: der Benchmark liegt hoch. 21 Jahre. Ich versuche 22 Jahre zu bleiben.
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Das Tokyo-Marketing-Büro der Stadt Wien und der Wiener Wirtschaftskammer
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wieninternational.at: Und wie sehen Sie die Zukunft?
Michael Strasser: Die Zukunft sehe ich sehr positiv. Weil: Japan ist die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt, die schon sehr viele Krisen durchgemacht hat, daher auch wesentlich besser vorbereitet ist als andere Länder, die es jetzt sehr drastisch trifft. Und wie man gesehen hat, sind die Japaner bereit, zu reisen, sie investieren gerne, sie sind führend in der Technologie und daher sehe ich, gerade was Japan betrifft, 2011-2012 eigentlich nur sehr viel rosa Horizont.
wieninternational.at: Unterm Strich: wenn eine Hauptstadt wie Wien internationale Büros wie Ihres in Tokyo macht, dann ist das durchaus auch ein vernünftiges Investment in die Zukunft, das auch unserer Wirtschaft hier in Wien und den Menschen was bringt?
Michael Strasser: Definitiv. Da entsteht Wertschöpfung. Da entstehen bilaterale Beziehungen zwischen Ländern. Tourismus und Wirtschaft sind keine Einbahnstraße.
wieninternational.at: Herr Mag. Strasser, danke Ihnen vielmals für das Gespräch.
Michael Strasser: Danke Ihnen.
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Japans Hauptstadt Tokyo mit dem schneebedeckten Fujijama im Hintergrund
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Kontakt:
Vienna Representative Office Tokyo Leitung: Mag. Michael Strasser Kokusai Shin-Akasaka Bldg., West Tower 2F, 6-1-20 Akasaka, Minato-ku, Tokyo 107-0052 Japan T +81 3 3582 2256, F +81 3 3582 2262 wien@gol.com |
![]() | Interview im Originalton: Mag. Michael Strasser Wien-Tourismus Japan Interview - Teil1 Interview - Teil2 |
(fhe)
Fotos © wikipedia, fhe, Wien-Tourismus, Staatsopernballet
erstellt am: 2009-06-03




