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Für MusikerInnen ein wichtiger Schritt nach oben
Seit 15 Jahren gibt es die Servicestelle music information center austria (mica) für MusikerInnen und seit 10 Jahren leitet Peter Rantasa die Geschicke dieser besonderen Anlauf- und Kommunikationsstelle.
wieninternational.at nahm dies zum Anlass, um mit mica – music austria Direktor Peter Rantasa ein Gespräch über die Vergangenheit und die Zukunft zu führen.
wieninternational.at: Was macht mica – music austria genau?
Peter Rantasa: mica wurde 1994 von der Stadt Wien und der Republik Österreich als gemeinnütziger Verein zur besseren Verbreitung heimischer zeitgenössischer Musik aller Sparten gegründet.
Wir bieten im Internet ausführliche Informationen über die österreichische Musikszene, Musikerporträts, einen Download-Shop - auch für Musik, die nicht in Verlagen erschienen ist und wir beraten berufsbegleitend.
wieninternational.at: Was heißt das konkret?
Peter Rantasa: Eigentlich sollte sich ein Musikschaffender rechtzeitig an uns wenden. Wir beraten beispielsweise in juristischen Fragen. Es ist einzigartig in Europa, dass man sich bei uns Musterverträge von der Homepage kostenlos und ohne Mitgliedschaft downloaden kann. So mancher Manager verwendet dieses Know-How für seine Schützlinge. mica – music austria bietet Tipps zur Selbstpräsentation, wir arbeiten mit den Musikschaffenden an der Projekterstellung. mica – music austria bietet auch unterschiedliche Workshops, wie „Wie gründe ich ein Label?“. Alle unsere Angebote sind kostenlos.
wieninternational.at: Was sind die Hauptgründe der KünstlerInnen, sich an mica – music austria zu wenden?
Peter Rantasa: Musikschaffende kommen zu uns, wenn sie gerade aktiv einen konkreten Schritt in ihrer Karriere machen oder vorbereiten. Je nach Stilistik und Fragestellung bekommen sie bei uns rechtliche Beratung, wenn sie zum Beispiel mit einer Plattenfirma oder Agentur einen Vertrag abschließen. Oder Kontakte, wenn sie konkret eine nationale oder internationale Tour vorbereiten. Inhaltliches Feedback, wenn eine Demoaufnahme fertig ist, Tipps zur Pressearbeit und zur Vermarktung, wenn sie selber gerade eine Platte aufgenommen haben, Hilfestellung bei der Suche nach Fördermöglichkeiten, wenn sie ein Projekt vorbereiten und vieles mehr.
wieninternational.at: Wenn man sich die unterschiedlichen Musik-Förderstellen und Plattformen ansieht, ist da ein/e KünstlerIn nicht überfordert?
Peter Rantasa: Natürlich beraten wir auch diesbezüglich. Es gibt ja nicht nur auf lokaler und nationaler sondern auch auf internationaler Ebene Förderungen, wie zum Beispiel EU-Projekte.
wieninternational.at: Wieso wird mica – music austria nur vom Bund und der Stadt Wien gefördert? Sind die anderen Bundesländer nicht daran interessiert?
Peter Rantasa: Doch, wir befinden uns gerade in Verhandlungen mit Institutionen zum Beispiel aus Salzburg, Vorarlberg oder Burgenland, um nur einige zu nennen. Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass die Darstellung der regionalen Szene von großer Bedeutung ist.
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music austria Direktor Peter Rantasa im Gespräch mit wieninternational.at Chefredakteurin Elisabeth Hundstorfer-Riedler
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wieninternational.at: Inwieweit arbeiten Sie mit departure, der Förderungsstelle für Creative Industries der Stadt Wien zusammen?
Peter Rantasa: Einerseits ist das auch eine Förderschiene für den Wiener Musikmarkt, auf der anderen Seite sind wir gerade dabei, mit einem departure-geförderten Projekt - dem Musiktank, einem Internetshop - unsere Downloadplattform www.manymusics.org zu fusionieren. Schon jetzt bieten wir einen weltweiten Vertrieb an. Und so ist die österreichische Musik auch in den wichtigsten Downloadstores, wie z.B. iTunes vertreten.
Andererseits beginnt die Wertschöpfung bei den Kreativen. Wir sehen heute auch immer mehr EinzelunternehmerInnen. Die Musikschaffenden sind ja heute rechtlich gesehen (neue) Selbständige und immer mehr KollegInnen arbeiten nicht nur kreativ sondern verwerten ihre Arbeit auch selbst. In diesem Sinn sind sie Mikrounternehmen und wir sehen hier einen wichtigen Ansatzpunkt für die Wirtschaftsförderung, da diese im Moment eher für „ausgewachsene“ Unternehmen taugt. Wir sehen mit dem Ansatz für Kleinstfirmen eine Schnittstelle der mica – music austria Arbeit zur Wirtschaftsförderung. Und der angesprochene Downloadshop ist ja für alle offen, unabhängig von der Unternehmensgröße. Kooperationen mit Großverlagen sind ebenfalls geplant.
wieninternational.at: Viele MusikerInnen können nur überleben, wenn sie einem Neben- bzw. Hauptjob nachgehen. Stichwort Lebensader Radio. Es wird das geringe Air-Play von heimischen MusikerInnen immer wieder kritisiert. Auch von den Printmedien wird mehr Unterstützung gefordert. Könnte denn eine Quotenregelung, die mehr österreichische Musik ins Radio bringt, die größten Probleme lösen?
Peter Rantasa: Ja, ein Gros der Musiker arbeitet – meistens ist das eine Unterrichts- bzw. Lehrtätigkeit, ohne die es nicht gehen würde. Eine Quotenregelung würde aber das Problem nicht an der Wurzel packen, die in der Schwäche österreichischer Mainstream-Produktion liegt. Natürlich wünsche ich mir mehr Präsenz österreichischer Musik im Radio, aber das gilt für alle Medien. Man muss mit den Medien zusammenarbeiten, ich denke, so lässt sich das meiste bewirken. Wir führen zum Beispiel mit dem Radiosender Ö3 den „Ö3 soundcheck“ durch – wir sind dabei für die gesamte Abwicklung zuständig. Alle Siegerbands haben es immerhin zu Charts-Platzierungen und manche zu goldenen Schallplatten gebracht! Ein Problem ist auch, dass wir keine Printmedien haben, die im Ausland gelesen werden. Das passiert nur umgekehrt. Man liest in Österreich zwar die New York Times oder den Spiegel, aber es werden der Standard oder der Kurier nicht im Ausland gelesen. Es ist doch auch so, dass sich vor allem das Pop-Geschäft stark über Lifestyle definiert und nicht über eine fachliche Diskussion. Für diese Cross-Promotion braucht man auch starke Medien.
wieninternational.at: Es werden immer mehr kleine Platten-Labels gegründet. Hat das damit zu tun, dass die großen Labels nur mehr Quotengaranten verlegen?
Peter Rantasa: Der allgemeine Trend ist, dass der Tonträgermarkt um 40-50% geschrumpft ist. Hitzahlen wie früher mit einer Marke von weltweit über 10 Millionen verkauften CDs gibt es nicht mehr, jetzt liegt man bei großen Hits unter weltweit 3 Millionen. Durch das Internet kehrt auch ein alter Trend zurück: die Bedeutung der Single. Die HörerInnen laden einzelne beziehungsweise die besten Titel eines Künstlers herunter und selten ein ganzes Album. Die Kosten für eine aufwändigere Produktion sind also am Tonträgermarkt kaum noch zu verdienen.
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Der wahre Trend ist Livemusik. Sie hält sich seit über 35.000 Jahren
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wieninternational.at: mica – music austria fördert den Musikexport - wie?
Peter Rantasa: Für die heimische Musikwirtschaft war es bislang auch wichtig, auf internationalen Messen vertreten zu sein. Und man kann sagen, dass bis jetzt jeder Stand bei einer Musikmesse von der mica – music austria initiiert wurde. Natürlich nehmen wir heute auch selbstproduzierte Werke von MusikerInnen ins Ausland mit und sind bei der Suche nach Vertriebsmöglichkeiten behilflich. Ein Schritt in Richtung internationales Musikbusiness ist auch die englische Version unserer Musikdatenbank, die weltweit abrufbar ist. Über unsere Kontakte in internationale Netzwerke verfügen wir auch in jedem Markt über oft auch persönliche Verbindungen, die wir bei entsprechenden Projekten einsetzen können. Wir arbeiten auch viel mit österreichischen Organisationen bei Veranstaltungen zusammen, um österreichische Musik zu präsentieren, sei es die Stadt Wien, das Außenministerium, mit dem wir eine Exportliste für die Kulturforen im Ausland erarbeiten oder die Wirtschaftskammer z.B. bei der EXPO.
wieninternational.at: Wo liegt der Trend?
Peter Rantasa: Die Singer-/Songwriter Szene ist sehr vital, aber ob und wie sich dieser Trend halten wird, kann man nicht vorhersagen. Der wahre Trend ist aber Livemusik. Sie hält sich seit über 35.000 Jahren, wie wir anhand des jüngsten historischen Fundes einer Flöte nun wissen und wird bestehen bleiben. Welche Ästhetik in den verschiedenen Genres durch den Wandel zur Wissensgesellschaft und den Strukturwandel im Musikgeschäft auf uns zukommen kann man heute noch nicht sagen. Da ist im Moment wieder viel Bewegung zu beobachten. Die alten Abgrenzungen werden sicher nicht halten, siehe zum Beispiel „mash-up“. Der Trend ist aber sicher nicht, dass in Live-Konzerten jemand hinter dem Computer sitzt, das ist schon wieder vorbei.
wieninternational.at: Ihre persönliche Bilanz nach 10 Jahren an der Spitze von mica und was werden die Aufgaben für die Zukunft sein?
Peter Rantasa: Zuerst einmal bin ich stolz darauf, dass das Team von „mica – music austria“ heute eine gemeinsame Erfahrung von vielen Jahrzehnten im Musikgeschäft repräsentiert. Und zwar in allen Genres! Für die Musikschaffenden steht hier mit Sicherheit der stärkste ExpertInnenpool in ganz Österreich zur Verfügung. Und als Team ist es uns auch gelungen, trotz der finanziellen Einschränkungen im Kulturbereich im letzten Jahrzehnt die notwendigen Antworten für den Strukturwandel im Business bereitzustellen: Unsere „Suite“ von Online-Angeboten ermöglicht KollegInnen in allen Karrieresituationen, sich selbst professionell zu vermarkten, wenn sie das tun möchten oder müssen. Wir haben heute im E-Musikbereich die weltweit beste Promotion-Datenbank mit über 31.000 dargestellten Werken von über 730 KomponistInnen, die in Deutsch und Englisch nach den Informationsbedürfnissen von Interpreten und Konzertveranstaltern aufbereitet sind. Unsere Website hat sich zum besten und meistgelesenen Musikportal im Land entwickelt und stellt mittlerweile eine relevante Promotionfläche für die KünstlerInnen dar – und ein tolles Angebot für Musikfans, die hinter die Kulissen blicken wollen! Mit dem neuen Download-Shop inklusive Partituren im Herbst ist unser Vollangebot dann komplett.
Im Bereich „Digitales Musikmanagement“ kommt ein Studienlehrgang gemeinsam mit einem Ausbildungsträger, damit wir unser Wissen strukturiert weitergeben können.
Persönlich geht es mir aber auch um bessere Bedingungen für die Musikschaffenden. Die Enquete im Parlament, die ich drei Jahre lang vorangetrieben habe, hat hier schon vieles ausgelöst: Es findet in Arbeitsgruppen im Ministerium eine Neukonzeption der Musikausbildung statt, der ORF hat zu Diskussionen über eine freiwillige Selbstverpflichtung für den Anteil österreichischer Musik eingeladen und einzelne Parteien haben mit dem Vorschlag für ein „Musikfördergesetz“ aufhorchen lassen. Soviel Bewegung gab es noch nie! Dass mica – music austria in der Hofburg auf Einladung des Bundespräsidenten das dortige Musikzimmer mit einem Schwerpunkt zu „Frauen in der Musik“ eröffnet hat, ist ebenfalls ein Impuls, der mir wichtig ist. Das wurde ja dann auch gut vom BMeiA – Außenministerium mit einem Handbuch aufgenommen. Die internationale Reputation unseres Hauses, die ich aufbauen konnte, hilft nicht nur uns als Institution unser Wissen international aktuell zu halten, sondern die Kontakte haben uns die internationalen Kooperationen ermöglicht, ohne die wir kein einziges unserer Flagship-Angebote hätten realisieren können und in denen wir wieder österreichische Musik präsentieren können.
„Zukunftsmusik“ ist, dass Wien auch ein qualitatives Musikfestival für den Bereich Elektronik/Rock/Pop ect. bekommt. Es wäre von großer Bedeutung, auch für Wien als Musikwirtschaftsstandort. Es ist nach wie vor schwierig im Ausland Journalisten und Entscheidungsträger beziehungsweise Multiplikatoren auf österreichische KünstlerInnen aufmerksam zu machen, deshalb wäre ein Festival auch ein Anlass, diese nach Wien zu bringen. Das wäre ein wirklicher Gewinn für den heimischen Markt! Die nächsten 15 Jahre werden im Musikgeschäft sicher höchst spannende und ich hoffe, dass wieder die Musik im Vordergrund steht! Denn unser Motto ist: Wir lieben Musik!
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Zur Person:
Peter Rantasa, geboren 1964, lebt in Wien, geschäftsführender Direktor von mica - music austria und Mitglied des Vorstandes des International Music Council (IMC) der UNESCO. Er ist als Lehrbeauftragter für Kulturmanagement und -wissenschaft an der Wiener Musikuniversität tätig, gründete zahlreiche Musikfestivals und koordiniert EU-Projekte. Als Klangkünstler beteiligte er sich mit preisgekrönten musikalischen Beiträgen an internationalen Festivals. Rantasa ist oft als Jury-Mitglied im Kulturbereich tätig. Er ist Initiator von fair music. |
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Kontakt:
mica - music information center austria Stiftgasse 29 1070 Wien Tel. +43-1-52104-0 office@mica.at www.mica.at |
(ehu)
Fotos © diguz/Grudrun Krieger
erstellt am: 2009-07-15




