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Trügerische Idylle: tatsächlich ist das Meer voller Plastik
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Schöne neue Plastikwelt
Der österreichische Regisseur Werner Boote weist mit seinem neuen Dokumentarfilm „plastic planet“ auf die globale Bedrohung von Plastik hin.
Herausgekommen ist ein Film, der einem im wahrsten Sinn des Wortes das Fürchten lehrt. Und dies mit voller Absicht, wie schon der Vorspann des Kinotrailers klarmacht. „Wenn Sie diesen Film gesehen haben, werden Sie nie wieder aus einer Plastikflasche trinken“, heißt es da. Und tatsächlich bietet der Film jede Menge harten Tobak, nicht nur für Liebhaber von leichten PET-Flaschen.
Ein Meer voll Plastikmüll
Denn Plastik - wie man jegliche Art von Kunststoff umgangssprachlich bezeichnet – ist nicht nur in Flaschen zu finden, sondern überall. Überall meint sowohl in den Schönheitssalons in Beverly Hills wie auch in den afrikanischen Slums, in der Wüste und selbst im Meer, wo das Plastik in den letzten Jahren einen erschreckenden Anteil aufweist. Laut „plastic planet“ ist der Plastikanteil im Meer mittlerweile bereits sechs Mal so hoch wie der von Plankton. Rund 80 Prozent des Kunststoffmülls, jährlich 6 Millionen Tonnen, gelangen über die Flüsse in die Ozeane. WissenschafterInnen schätzen, dass östlich von Hawaii in der sich im Uhrzeiger drehenden Meeresströmung alleine im Zentrum des Wirbels drei Millionen Tonnen Plastikmüll rotieren. Die Plastikteile sind teilweise in Kleinstpartikel zerrieben, was dazu führt, dass viele Tiere den Müll mit Nahrung verwechseln. Zudem fungieren die Plastikpartikel als regelrechte Schwämme für Schadstoffe. Diese Schadstoffe gelangen über die Nahrungskette letztendlich auch auf unseren Teller.
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Von klein auf umgeben von Plastik
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Plastik im Blut
Doch nicht nur über den Nahrungskreislauf führen wir unserem Körper täglich schädliche, mit Plastik in Verbindung stehende Stoffe zu. Viele Produkte wie Nagellacke, Kleber und Lacke, CD-Hüllen usw. enthalten Bisphenol A. Bisphenol A ist eine hormonell wirkende Chemikalie, die unser Hormonsystem beeinflusst und so zu diversen Erkrankungen wie Diabetes Typ 2, Fehlbildungen der Sexualorgane, Übergewicht oder zu vermehrter Unfruchtbarkeit führen kann. Bisphenol A ist zudem auch in Babyschnullern nachzuweisen, wie eine kürzlich von Global 2000 durchgeführte Studie beweist. Eine Studie in den USA hat zudem bei 92 Prozent der Testpersonen (2.500) Spuren von Bisphenol A im Urin nachgewiesen. Und auch Regisseur Werner Boote unterzog sich im Rahmen seines Films einem Test mit erschreckendem Ergebnis. Der Wissenschafter bestätigte das Vorhandensein des Stoffes im Blut – keine Seltenheit in unserer mit Plastik überzogenen Welt. Bisphenol A wurde von der EU in einer geringen Dosis als ungefährlich eingestuft, allerdings - so Boote in seinem Film - nehme jeder eine größere Menge zu sich als bis jetzt angenommen, zudem gebe es neue Studien, die auch die Gefährlichkeit von kleineren Mengen bestätigen und auf die Gefährlichkeit des Stoffes für die Folgegenerationen hinweisen.
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Plastifikationskünstler Gunther von Hagens mumifiziert Leichen durch die Injektion von Kunststoff
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Arbeitsplatz Plastik
Für seinen Film ist Regisseur Boote rund um den Globus gereist und hat eine Vielzahl von WissenschafterInnen und MitarbeiterInnen der Kunststoffindustrie interviewt. Unter anderem ist es ihm auch gelungen, John Taylor, den ehemaligen Präsidenten von PlasticEurope, einer der führenden europäischen Wirtschaftsverbände, vor die Kamera zu bekommen. Dieser betont den Beitrag zum Wohlstand, den Plastik bewirkt. Tatsächlich arbeiten rund 1,6 Millionen Menschen in Unternehmen der Kunststoffindustrie und erwirtschaften einen Umsatz von 300 Milliarden Euro im Jahr.An alternativen Ersatzstoffen wird zwar bereits gearbeitet, es wird aber wohl noch einige Zeit dauern, bis diese flächendeckend zum Einsatz kommen können. Ein erster politischer Kompromiss mit der Kunststoffindustrie konnte durch die neue EU-Chemikalienrichtlinie „REACH“ (Registrierung, Evaluierung, Autorisierung von Chemikalien) erzielt werden. Künftig müssen alle verwendeten Chemikalien der europäischen Chemikalienagentur gemeldet und ausführlich getestet werden. Das ist laut Margot Wallström, Vizepräsidentin der europäischen Kommission und Kommissarin für institutionelle Beziehungen, ein enormer Fortschritt, da es bisher ein langer und mühsamer Prozess für die Behörden war, nachzuweisen, dass eine Chemikalie gefährlich ist.
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Dem Plastik entkommt man nicht: das zeigen auch die humorvollen Animationen der Wiener Animationsfirma "Cine Cartoon"
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Was ist wirklich drin
Für Konsumenten bestehen aber nach wie vor jede Menge Unklarheiten, sich im Wirrwarr der verwendeten Chemikalien zurecht zu finden. Auch viele Produkt-Hersteller wissen laut „plastic planet“ nicht mit Sicherheit, was in den von ihnen gewählten Verpackungen enthalten ist – denn das ist oftmals ein gut gehütetes Geheimnis, wie der Versuch Bootes, in eine Kunststofffabrik eingeladen zu werden, beweist.Über 10 Jahre hat Werner Boote für diesen Film recherchiert und dabei jede Menge persönliche Geschichten mit einfließen lassen. So etwa auch vom Großvater, der Geschäftsführer bei Interplastik war. Zudem wurden zahlreiche Studien von ihm in Auftrag gegeben. Dieses Engagement merkt man dem Film an, der an manchen Stellen leider etwas belehrend und populistisch geworden ist. Trotz allem ein wichtiger Film, denn über die Gefahren, die unseren Planeten und letztendlich die Menschheit bedrohen, sollte wohl niemals genug diskutiert werden, gerade wenn die präsentierten Fakten solch erschreckende sind - dazu ist „plastic planet“ ein wesentlicher Beitrag. Wie im Übrigen zum österreichischen Filmschaffen.
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(sasch)
Fotos © Thomas Kirschner
erstellt am: 2009-09-16



