Stock im EIsen
Stock im EIsen

Denk mal ungewöhnlich!


Warum serviert ein Türke an der Hausecke Kaffee, wieso befindet sich eine Kopie des Venediger Löwen von San Marco auf dem Südbahnhof und was macht der römische Kaiser Marc Anton mitsamt seinem Streitwagen in Wien?

Im achten Teil unserer Denkmal-Serie spüren wir ungewöhnlichen oder seltenen Denkmälern nach. Vom mittelalterlichen Stock im Eisen über das EU-Denkmal und dem neuen Hiroshima-Mahnmal bis hin zum weltweit ersten Piefke-Denkmal.

Eisen in Holz
Einen besonderen Ehrenplatz im Reigen dieser außergewöhnlichen Denkmäler nimmt - alleine schon auf Grund seines ehrwürdigen Alters - der berühmte Stock im Eisen ein. Bei dem rund 2,5 Meter hohen, mit Nägeln beschlagenen Holzstamm handelt es sich nicht nur um Wiens ältestes Wahrzeichen, sondern zugleich um den ältesten noch erhaltenen Nagelbaum der Welt - über dessen Ursprung allerdings immer noch Unklarheit herrscht. Nicht von ungefähr also ranken sich zahlreiche Sagen um den mit einem Eisenband und Eisenschloss versehenen rund 570 Jahre alten Fichtenast. Manche behaupten gar, dass der Teufel bei dem nicht zu öffnenden Schloss seine Hand im Spiel gehabt haben soll. Als gesichert gilt, dass es ab dem 18. Jahrhundert für sich auf der Durchreise befindliche Schmiede und Schmiedgesellen üblich war, einen Nagel in das Holz zu schlagen. Der Original-Stock befindet sich auch heute noch auf dem Stock im Eisen Platz gegenüber des Stephansdoms.

Ebenfalls über und über mit Nägeln beschlagen ist der „Wehrmann im Eisen“ beim Wiener Rathaus. Bei der an einen Ritter erinnernden Statue handelt es sich im eigentlichen Sinn um eine Propagandamaßnahme, die von dem Korvettenkapitän Theodor Graf Hartig in Anlehnung an eben jenen Stock im Eisen ins Leben gerufen wurde um zur Kriegsspende aufzurufen. So durfte jeder Bürger, der während des Ersten Weltkrieges Geld spendete, einen Nagel in den Wehrmann treiben.


Wehrmann aus Eisen
Löwe am Südbahnhof


Rom und Venedig in Wien
Kriegerisch gebietet sich auch das Monument des römischen Kaisers Marc Anton am Eingang der Sezession. Die Marc Anton-Gruppe, wie sie allgemein bezeichnet wird, besteht aus einem Kaiser, zwei Löwen und einem Panther mitsamt Streitwagen. Das Monument wurde im Auftrag des Unterrichtsministeriums für die Weltausstellung in Paris 1900 geschaffen und später an jenen Platz transportiert, wo es eben heute steht. Dass der römische Kaiser genau hier zum Stehen gekommen war, verwunderte nicht nur die Wiener Bevölkerung, die ihn vielfach für den mit Wien (damals noch Vindobona) verbundenen Marc Aurel hielt, sondern auch eine Heerschar an Kabarettisten, die ihn zum „deplatzierten“ Feldherrn ausriefen.

Ob deplatziert oder nicht, darüber lässt sich auch im Falle des Markuslöwen in der Kassenhalle des Südbahnhofs streiten. Umplatziert wurde die Kopie des „Leone di San Marco“ von Venedig auf jeden Fall. Und zwar im Zuge der Wiederaufbauarbeiten nach dem Zweiten Weltkrieg. Ursprünglich zierte das edle Tier mit sieben weiteren Artgenossen das Dach des prunkvollen Südbahnhofs. Durch seine Präsenz wollte das österreichische Kaiserhaus auf seine Vormachtstellung in Venedig hinweisen, auch wenn diese bei Errichtung des Südbahnhofs 1869 bereits seit rund zwanzig Jahren verloren war. 


Kolschitzky Denkmal
Kolschitzky Denkmal


Wider den Türken
Nicht verloren hatte Österreich hingegen den Kampf gegen die Türken. Zweimal konnte Wien der Türkenbelagerung erfolgreich widerstehen, ein Umstand, dem die Stadt einige Denkmäler verdankt. Eines davon ist das Kolschitzky-Denkmal an der Hausecke Favoritenstraße-Kolschitzkygasse. Georg Franz Kolschitzky durchbrach als Türke verkleidet die feindlichen Linien und kehrte mit wichtigen Informationen zurück. Zum Dank für seine Leistung wurde er schließlich in den Rang eines kaiserlichen Dolmetschers erhoben. Kolschitzky soll 1664 im Alter von 54 Jahren völlig verarmt in Wien gestorben sein. Ein Schicksal, das er mit anderen Persönlichkeiten teilt, die heute in Wien ebenfalls ein Denkmal besitzen - allen voran Mozart und der liebe Augustin.

Ebenfalls an die Türkenkriege erinnern die Türkensteine nahe der Mauerbachstraße. Die Steinplatten türkischen Ursprungs wurden von Ernst Gideon Freiherr von Laudon nach erfolgreicher Eroberung Belgrads 1789 nach Wien mitgebracht. Ursprünglich für sein Grab bestimmt, zieren sie heute den Wienerwald im 14. Bezirk. Laudons Grab befindet sich im Übrigen nicht unweit davon entfernt und ist auf Grund seiner monumentalen klassizistischen Architektur einen Besuch wert.


Laudon Grab
Türkensteine


Einen Besuch wert ist auch der Türkenschanzpark. Nicht nur wegen seines hohen Erholungswertes, sondern auch auf Grund seiner vielfältigen Denkmäler. Seit 2003 befindet sich hier auch das „Denkmal für die Ukrainischen Kosaken“, das an den Einsatz der ukrainischen Kosaken-Armee bei der Schlacht am 12. September 1683 zur Befreiung Wiens von den Türken gedenkt.

Hilflos
Den rund 270.000 Opfern des amerikanischen Atombombenabwurfs über Hiroshima kam hingegen niemand zu Hilfe. Jene, die nicht sofort umkamen, hatten jahrzehntelang an den Folgen der Strahlenschäden zu kämpfen, bevor sie starben. In diesem Zusammenhang erregte der Fall der beim Bombenabwurf gerade zweijährigen Sadako Sasaki großes Aufsehen. Der Wiener Schriftsteller Karl Bruckner setzte ihr mit seinem 1961 erschienen Roman „Sadako will leben“ ein unvergessenes Denkmal. Diesem schriftlichen folgte nun ein physisches aus Stein nach. Der Hiroshima-Gedenkstein, bei dem es sich um ein Originalstück aus dem damals zerbombten Rathaus handelt, steht seit Mitte September 2009 am Richard Wagner-Platz im 16. Bezirk. Das Mahnmal, das im Jubiläumsjahr zu 140 Jahren japanisch-österreichischer Beziehungen enthüllt wurde, trägt die schlichte Inschrift „Weltfriede“.


Kosaken Denkmal


Für ein verständnisvolleres Miteinander
Diesen Frieden zumindest zwischen den europäischen Völkern zu gewähren und für eine sichere Zukunft zu sorgen, dass war und ist Ziel der EU. In Wien wird dieser Gedanke auch durch ein Denkmal getragen, das 2004 vom „Dachverband aller österreichisch-ausländischen Gesellschaften – PaN“ im Votivpark aufgestellt wurde. Zehn Granitsesseln um einen Tisch mit einer Landkarte symbolisieren die neu hinzugekommenen Mitglieder, während die 15 Bäume herum für die ursprünglichen 15 Mitglieder stehen. Österreich wird hier durch die Winterlinde verkörpert.

Wie wechselvoll die Geschichte sein kann, das beweist auch das neue Piefke-Denkmal, das letzte Woche in dem niederösterreichischen - nahe bei Wien gelegenen - Ort Gänserndorf enthüllt wurde. Johann Gottfried Piefke war Militärmusiker bei der preußischen Armee. 1866 gab er nach der verheerenden Schlacht bei Königsgrätz, die Österreich endgültig seine Vormachtsstellung im deutschen Sprachraum kostete, im österreichischen Marchfeld ein Konzert. Danach machte sich der Name Piefke als Schimpfwort für die Deutschen im österreichischen Sprachgebrauch allmählich breit. Der Initiator des als Klanginstallation konzipierten Denkmals, Christoph Theiler, will mit diesem „Kulturmanöver“ dazu beitragen, in spielerischer Weise am Kulturverständnis der „verfreundeten“ Nachbarn Österreich und Deutschland zu „drehen“.


EU Denkmal
EU Denkmal


Auch wenn heutzutage immer wieder über die Sinnhaftigkeit von Denkmälern diskutiert wird - vielleicht können einige dieser Monumente doch dazu beitragen, dass die Menschen sich mehr mit der Geschichte auseinandersetzen und erkennen, worin der Ursprung so mancher Dinge liegt; wieso die Dinge oftmals so sind, wie sie sind - und letztendlich daraus lernen, um eine bessere Zukunft zu formen, in der es beispielsweise einmal nicht mehr von Nöten sein wird, den zahlreichen Opfern eines Krieges zu gedenken. Schön wäre es!

Quellen und Links:
Settele, Matthias: Wiener Denkmäler. Perlen Reihe: Wien 1999
Webservice der Stadt Wien „Wien Kulturgut“: 
www.wien.at/kultur/kulturgut
Piefke in Gänserndorf: 
www.piefkedenkmal.at


Hiroschima Mahnmal
Piefke Denkmal



Tipp:
Tag des Denkmals
„Kreativität und Innovation“
27.9.2009
Von der Wiener Urania über das Schützenhaus am Donaukanal bis zum Narrenturm: Der Tag des Denkmals bietet eine gute Gelegenheit, sich über die Geschichte ausgewählter Bauwerke ein Bild zu machen. So musste vieles, was uns heuer als selbstverständlich erscheint, lange gegen großen Widerstand erkämpft werden. Diesen Umstand verdankt der Tag des Denkmals sein diesjähriges Motto, das im Zeichen der Kreativität und Innovation steht. Wie es schließlich doch noch zur Errichtung kam und warum auch Häuser intensiver Pflege bedürfen, werden Fachleute vor Ort erläutern. Unter den Bauwerken befinden sich auch einige, die erstmals seit langem wieder zugänglich sein werden.




(sasch)
erstellt am: 2009-09-16