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Filmszene aus "Odinnadcatyj" und Aufschlüsselung der einzelnen Shots
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Vertov sehen
Mit der neuen Doppel-DVD der „Edition Filmmuseum“ zum Stummfilmwerk des sowjetischen Kino-Revolutionärs Dziga Vertov hat ein mehr als engagiertes Projekt das Licht der Welt erblickt.
Vertovs Filme „Šestaja čast´mira“ (Ein Sechstel der Erde; 1926) und „Odinnadcatyj“ (Das elfte Jahr; 1928) wurden im Rahmen eines drei Jahre andauernden Projektes zur Vertov-Sammlung des Österreichischen Filmmuseums digital untersucht und bearbeitet. Vergangene Woche wurde die DVD im Rahmen der internationalen Vertov Konferenz dem Publikum präsentiert. „Mit dieser Veröffentlichung wollen wir zwei rare Meisterwerke Dziga Vertovs einer neuen Öffentlichkeit zugänglich machen“, betont Alexander Horwath, Direktor des Wiener Filmmuseums. Tatsächlich bietet die DVD jede Menge Zusatzmaterial, die es auch dem „Vertov-Laien“ ermöglicht, sich einen ersten Überblick über dessen Werk und komplexe Arbeitsweise zu verschaffen.
Zur Methode eines Kinorevolutionärs
Der 1896 geborene sowjetische Filmemacher Dziga Vertov gilt als Pionier des sowjetischen Dokumentarfilms und Verfechter eines wirklichkeitsnahen Kinos - im Gegensatz zum imaginären „bürgerlichen“ Kino Hollywoods. Er arbeitete ausschließlich mit dokumentarischem Material, das seine Kameraleute (darunter sein Bruder Michail Kaufman) in der ganzen Sowjetunion drehten. Dieses wurde im Anschluss mit den Mitteln der Montage rhythmisch und sinnstiftend aneinander gereiht. Die Kamera wird Vertov zum verlängerten Auge, das mehr zu sehen im Stande ist, als das menschliche. Durch die anschließende Montage werden weitere Zusammenhänge aufgedeckt, die in den bloßen Fakten verborgen sind. Dadurch entsteht eine Art „Kino-Pravda“ (Kino-Wahrheit).
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Filmszenen aus "Odinnadcatyj" und „Šestaja čast´mira“
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„Ein Sechstel der Erde“ und „Das elfte Jahr“
Als Vertovs bekanntester Film gilt „Čelovek s kinoapparatom“ (Der Mann mit der Kamera) aus dem Jahr 1929, der bereits einige Jahre zuvor auf DVD erschienen ist. In „Čelovek s kinoapparatom“ verwebt er kunstvoll das Leben in drei russischen Großstädten mit der Entstehungsgeschichte des Films, von den ersten Aufnahmen bis hin zur Vorführung im Kinosaal. Es ist dies jedoch nicht der erste Film, in dem Vertov das Publikum miteinbezieht. Barbara Wurm im Begleitheft zu „Šestaja čast´mira“: „Noch vor dem absoluten Meta-Kino „Čelovek s kinoapparatom“ sorgten die selbstreflexiven Film-in-Film-Szenen in „Šestaja čast´mira“ für Aufruhr: Die Zuschauer konnten sich hier `selbst´ auf der Leinwand erblicken und wurden damit aktiver Bestandteil des Films, was alle bisherigen Vorstellungen von einem partizipatorischen Kino übertraf.“Neben jenen sehr kurzen Aufnahmen im Kinosaal richtet sich Vertov auch in den Untertiteln zu Šestaja čast´mira“ an sein Publikum, das als solches auch Teil der Gesellschaft ist. Er zeigt die Menschen der ehemaligen Sowjetunion – „vom Kreml bis zur chinesischen Grenze, vom Steinadler auf dem Arm des Kirgisen zu den Eiderenten auf den Felsen des Eismeeres.“ Sie alle helfen den Sozialismus aufzubauen, den Vertov in seinen Filmen stets thematisiert.
Ebenfalls um den Aufbau des Sozialismus geht es Vertov in seinem Film „Odinnadcatyj“ (Das elfte Jahr – gemeint ist damit das elfte Jahr seit der Oktober-Revolution). Doch anders als in „Šestaja čast´mira“ verzichtet er hier fast zur Gänze auf Untertitel. Allein die aneinander gereihten Episoden erzeugen den Sinn. Dabei nimmt der Rhythmus eine besondere Rolle ein. Für den musikalischen Rhythmus des Films konnte im Rahmen der DVD-Bearbeitung der englische Komponist Michael Nyman gewonnen werden, der schon für die Filmmusik von Filmen wie Jane Campions „Das Piano“ oder Peter Greenaways „Der Koch, der Dieb seine Frau und ihr Liebhaber“ verantwortlich zeichnete.
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Komponist Michael Nyman
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„Digital Formalism. Dziga Vertov“
Gefördert wurde das Vertov-Projekt durch den Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF). Über die Gründe das Projekt „Digital Formalism. Dziga Vertov“ zu fördern, sprach Michael Stampfer bei der Vertov Konferenz. Zum einen sei der technische Aspekt ausschlaggebend gewesen, aber auch der Reiz der Verbindung mehrerer Disziplinen, die auf den ersten Blick nicht unbedingt zueinander passen. Tatsächlich dient die Edition Filmmuseum „auch dazu wissenschaftliche Erkenntnisse aufzuarbeiten, die im Zusammenspiel zwischen Archiven, Museen, der Kunst und den Wissenschaften produziert werden“, so Michael Loebenstein, zuständig für wissenschaftliche Kooperationen im Filmmuseum und Filmjournalist.Vertov selbst war zutiefst von den Maschinen fasziniert, deren Kolben und Räder in seinen Filmen immer wieder den Takt angeben. Ob es Vertov gefallen hätte, dass seine Filme mittels Computer einer digitalen Sezierung unterworfen wurden, sei dahingestellt. Universitätsprofessor und Vertov-Forscher Klemens Gruber formulierte: „Belichtet mit einer maschinellen Analyse wird es möglich zu sehen, was wir mit dem Auge nicht sehen können.“ Und dies wäre dann doch wieder ganz im Sinne Vertovs eine Erweiterung des Auges mittels Technik.
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DVD-Tipp:
Dziga Vertov: „Šestaja čast´mira“ (Ein Sechstel der Erde; 1926) und „Odinnadcatyj“ (Das elfte Jahr; 1928). Edition Filmmuseum Nr. 53. 2009 Die DVD entstand in Zusammenarbeit des Österreichischen Filmmuseums mit dem Wiener Konzerthaus, dem pélerinages Kunstfest Weimar und den Fernsehsendern arte und ZDF. |
(sasch)
Fotos © Kunstfest Weimar, Maik Schuck, Österreichisches Filmmuseum
erstellt am: 2010-01-20




