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„Chocolade für alle“
Mit diesem Slogan und mit der Erfindung der Mannerschnitte machte Josef Manner vor 120 Jahren aus dem Luxusgut Schokolade ein Massenprodukt, das sich jeder leisten konnte. Bis heute ist die Beliebtheit der Haselnuss-Schokocreme-Schnitten ungebrochen, sodass man sie sogar als österreichisches Grundnahrungsmittel bezeichnen kann.
„Sie finden sie überall in Österreich: In jedem Theater, in jeder Kantine, in Schulen und am Würstelstand“, spricht PR-Manager Otto Riedl anerkennend von einer der beliebtesten Marken Österreichs – der Mannerschnitte. Kein Wunder also, dass die Firma Manner in unserer Reihe über Wiener Traditionsbetriebe nicht fehlen darf. Otto Riedl, dessen Urgroßvater Josef Riedl sich im Jahr 1900 mit Firmengründer Josef Manner zusammenschloss, gewährte uns Einblick in die Erfolgsgeschichte des Familienunternehmens.
Preiswert & gut
Josef Manner besaß bereits in jungen Jahren in der Blütezeit der k.u.k. Monarchie ein Geschäft am Stephansplatz. Es handelte sich um einen so genannten Kolonialwarenhandel, in dem Produkte aus den Kolonien geboten wurden: Gewürze, Kaffee und auch Schokolade. „Hohe Qualität zum kleinen Preis“ war von Anfang an Manners Credo. Aus Unzufriedenheit mit gelieferten Waren kaufte der 25-Jährige einem kleinen Schokoladenerzeuger die Konzession und das Lokal mit bescheidener Einrichtung ab und gründete am 1. März 1890 die „Chocoladenfabrik Josef Manner“. Auch heute produziert die Firma Manner ihre Schokolade noch selbst – von der Bohne weg. Innerhalb nicht einmal eines Jahrzehnts war die junge Firma unter dem Motto „preiswert und gut“ zu einem der führenden Süßwarenunternehmen der österreichisch-ungarischen Monarchie aufgestiegen.
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Otto Riedl ist der Urenkel von Josef Riedl, der 1900 zum Manner-Partner wurde
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„Manner mag man eben“
1898 schien das Top-Produkt der Firma Manner unter dem Namen „Neapolitaner Schnitte No. 239“ erstmals im Sortimentskatalog auf. Fünf Waffellagen, dazwischen eine Creme aus Haselnüssen, die aus der Gegend um Neapel stammten – dieses Rezept traf von Anfang an nicht nur den Geschmack der WienerInnen. Vor allem in die benachbarten Länder exportiert die Firma heute ihre Produkte, wobei Deutschland die bedeutendste Destination ist. Bei aller internationalen Bekanntheit scheinen sich die ÖsterreicherInnen selbst am meisten mit der Mannerschnitte verbunden zu fühlen – immerhin tragen sogar die österreichischen Schispringer rosa Manner-Helme. „Die Mannerschnitte ist vor allem für ÖsterreicherInnen im Ausland etwas Besonderes“, meint Riedl. „Ich esse sie am liebsten am Strand nach dem Schwimmen. Am besten ist es, wenn sie ein bisschen weich sind, damit man sie Schicht für Schicht essen kann...“, erklärt der Genießer.Selbst die schicksalsschweren Jahrzehnte der beiden Weltkriege hinderten das süße Imperium nicht an einem vorsichtigen Neubeginn, der rasch zum internationalen Erfolg wurde. Mitten in der unsicheren Zeit verstarb der Firmengründer Josef Manner 1947. Er konnte somit den Eintritt ins Designzeitalter und die damit zusammenhängende Gestaltung der aromasicheren Verpackung seiner Mannerschnitten nicht mehr miterleben.
Perfekte Maße: 47x17x17 Millimeter
Zu Beginn wurden die mundgerechten Schnitten einzeln verkauft. Eingeschlagen in einer Art weißem Backpapier, darüber silbernes Staniol und eine rosa Schleife – daraus wurde 1960 die aromasichere Verpackung in dichter Doppel-Aluminiumfolie mit dem typischen roten Aufreißfaden, die zehn Schnitten à 47x17x17 Millimeter beinhaltet. Sie zählt – bis heute nur geringfügig verändert – zu den österreichischen Designklassikern. „Die Mannerschnitte hatte Pocketsize, bevor dieser Begriff überhaupt erfunden wurde“, sagt Riedl und führt den Erfolg der Süßigkeit auf folgende Eigenschaften zurück: „Erstens stimmt bis heute das Preis-Leistungsverhältnis. Sie eignet sich perfekt zum Mitnehmen, sei es zum Radfahren oder Wandern, denn sie hat eine praktische Form und hat kein Hitze- oder Kälteproblem. Sportler schätzen die Mannerschnitte auch wegen ihres hohen Zuckergehalts. Und sie ist vergleichsweise lange haltbar.“Das Packungsdesign wäre natürlich nichts ohne den Wiener Stephansdom. Auch dadurch ist die Marke so eng mit Wien verwurzelt.
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Otto Riedl kramte für uns alte Merchandising-Artikel aus wie ein rosa Stoffradio, das wirklich funktionierte (r.) und geizte nicht mit süßen Kostproben
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Süßes ohne Ende
Was wenige wissen: zum Hause Manner sind im Laufe der Zeit einige Firmen dazugekommen. 1970 schloss man sich mit Napoli, Ragendorfer & Co, dem damals zweitgrößten österreichischen Süßwarenunternehmen zusammen. 1996 wurde die Firma Walde Candita in Wolkersdorf übernommen, wo neben dem 17. Bezirk in Wien und dem oberösterreichischen Perg heute die größte Produktionsstätte der Firma Manner angesiedelt ist. So kommt es, dass etwa Casali Schokobananen, Casali Rum-Kokos-Kugeln und Napoli Dragee-Keksi direkt neben Mannerschnitten und all ihren Variationen produziert werden. Im Jahr 2000 kam die Firma Victor Schmidt & Söhne mit Ildefonso, Heller und Victor Schmidt Austria Mozartkugeln dazu. Die neueste Kreation im rosa Gewand sind „Creme Minis“, zarte Waffelröllchen mit Creme gefüllt.Die Kindheit von Otto Riedl stellt man sich bei all diesen Süßigkeiten als das wahre Paradies vor. Allerdings meint er: „Was man immer haben kann, wird bekanntlich uninteressant“, und erinnert sich an die Zeit vor der Übernahme der Firma Casali: „Obwohl die Faszination der Mannerschnitte ungebrochen ist, habe ich immer schon gerne Schokobananen gegessen. Die waren damals Feindprodukte, sodass ich in der Schule Mannerschnitten verkaufte, um mir dann heimlich Schokobananen kaufen zu können.“
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Infos:
Standorte der Firma Manner: Josef Manner & Comp AG – Wien 17 In der Firmenzentrale kümmern sich die 430 MitarbeiterInnen unter anderem um die Schokoladeproduktion sowie die Herstellung von Manner-Waffeln, Keksen, Biskotten und Lebkuchen. Wilhelminenstraße 6 1170 Wien Telefon: +43 (0)1 488 22-0 Wolkersdorf – Niederösterreich Produktionsschwerpunkte sind Schaumzuckerware, Dragees, Pralinen und Saisonartikel. Österreichische Süßwarenklassiker wie Casali Schoko-Bananen, Casali Rum-Kokos-Kugeln, Napoli Dragee Keksi, aber auch Victor Schmidt Mozartkugeln und Ildefonso Pralinen werden im Werk Wolkersdorf von rund 260 MitarbeiterInnen hergestellt. Johann-Galler-Straße 9 2120 Wolkersdorf Tel.: +43 (0)2245 4050-0 Perg – Oberösterreich Im Perger Betrieb werden in erster Linie Waffeln (am weltgrößten Waffelofen), Eiswaffeln und Röllchen erzeugt. Von 90 MitarbeiterInnen werden pro Jahr etwa 10.000 Tonnen Schnitten erzeugt. Linzer Straße 55 4320 Perg Tel.: +43 (0)7262 524 91 86 www.manner.com |
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(ene)
Fotos © Gudrun Krieger
erstellt am: 2010-02-03



