David Kross und Apinya Sakuljaroensuk
Filmplakat

Wenn Liebe Berge versetzt ...


Seit 29. Jänner 2010 ist „Same same but different“, der neue Film des deutschen Regisseurs Detlev Buck mit Shootingstar David Kross, in den Wiener Kinos. Der Film basiert auf einer wahren Geschichte, in der sich ein junger Deutscher in eine HIV-infizierte kambodschanische Prostituierte verliebt und kompromisslos für ihre Gesundheit kämpft.

Das bereits aus Filmen wie „Knallhart“ erprobte Team Buck und Kross war anlässlich der Benefizpremiere von „Same same but different“ im Wiener Gartenbaukino. Eine Gesamtsumme von € 4.578,50 konnte an die Einrichtung „New Hope for Cambodian Children“ gespendet werden, die HIV-positive Kinder und deren Familien unterstützt.

Detlev Buck stellte sich lässig – eine Eigenschaft, die er auch an den WienerInnen sehr schätzt –  einem Interview mit wieninternational.at und David Kross, der zuletzt als Kate Winslets „Vorleser“ überzeugte, beantwortete frei von jeglichen Star-Allüren alle Fragen.

wieninternational.at: Was reizte Sie, einen Film auf der Basis des Buches „Wohin du auch gehst“ von Benjamin Prüfer zu drehen?
Detlev Buck: Ganz klar die Naivität. Um sich zu verlieben muss man genauso naiv sein, wie um einen Film zu drehen.
David Kross: Das Wichtige an dem Film war, dass die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmte. Das war natürlich eine Herausforderung, da Apinya (Apinya Sakuljaroensuk spielt Sreykeo, Anm.d.Red.) aus Thailand kommt und nicht gut englisch spricht. Immer in Begleitung von Dolmetschern war es schwer, eine Verbindung zueinander aufzubauen. Trotzdem ist das Eis irgendwann gebrochen und wir sind mit der Zeit beste Freunde geworden. Ich finde das merkt man auch im Film.


Same Same Ausschnitt


wieninternational.at: War es schwierig für Sie, jemanden zu spielen, der nicht nur im Drehbuch, sondern auch in Wirklichkeit existiert?
David Kross: Es war das erste Mal, dass ich eine wahre Geschichte gespielt habe. Aber Benjamin hat uns kaum Vorgaben gemacht. Buck und ich haben uns im Laufe der Dreharbeiten unseren eigenen Benjamin erschaffen. Man spürt natürlich eine größere Verantwortung, wenn es das Paar, das man spielt, tatsächlich gibt. Aber der Film basiert nur auf der wahren Geschichte, es ist nicht alles genauso passiert wie im Film.

wieninternational.at: Der Film wurde in Kambodscha gedreht. Wie haben Sie das Land und die Gesellschaft erlebt?
David Kross: Ich war zum ersten Mal in Asien. Kambodscha ist wahnsinnig schön, und natürlich komplett anders als jedes europäische Land. Auf eine gewisse Art ist alles noch ursprünglicher. In der Stadt war es sehr voll auf den Straßen, am Land ist es ärmer, aber trotzdem landschaftlich wunderschön. Es war toll, die Schauplätze selbst zu sehen. Ich bin auf jeden Fall froh, dass wir nicht alles im Studio vor Greenscreen gedreht haben, wo dann alles nachträglich hineingeschnitten wird.
Detlev Buck: Ich nehme in einem fremden Land erstmal nur auf, ohne zu beurteilen. Denn ich bin Gast, ich muss erst alles kennen lernen. Das ist eine Sache von Respekt gegenüber der anderen Kultur und Gesellschaft. Kambodscha ist definitiv am anderen Ende der Welt. Im Prinzip machte ich dieselbe Reise wie Benjamin. Er beschreibt Kambodscha im Film ja auch und da sind meine Gedanken natürlich mit eingeflossen.


Same Same Ausschnitt
Same Same Ausschnitt


wieninternational.at: Hatten Sie und Ihr Team mit Hürden zu kämpfen?
Detlev Buck: Wir hatten zwar fünf Sprachen am Set, aber deshalb bin ich kein anderer. Ich mag die Arbeit in internationalen Teams, weil man sich grundsätzlich aufmerksamer den anderen gegenüber verhält.

wieninternational.at: Wie wurden die Hauptdarsteller ausgesucht? Wie ähnlich sind sie den „echten“ Protagonisten der Geschichte?
Detlev Buck: Sie sind sich nicht ähnlich, weil man kein Leben nachbauen kann. Apinya und Sreykeo sind beide sehr intelligent, wach, unwahrscheinlich souverän und besitzen eine ungewöhnliche Energie. Apinya ist zwar ruhiger, aber nicht weniger zielstrebig. David hat viel Jungenhaftes an sich, ist aber auch zielstrebig, genau wie Benjamin. Das wichtigste ist die Anziehung zwischen den beiden. Ich wollte nicht das Verhältnis zwischen Sreykeo und Benjamin beleuchten, sondern das, was Apinya und David zusammen haben, war mir wichtig.


Detlev Buck und Apinya


wieninternational.at: Im Film prallen die unterschiedlichen Kulturen und Lebensweisen der Protagonisten immer wieder aufeinander. David, wie erlebten Sie die Gegensätze zwischen Apinya und Ihnen selbst?
David Kross: Die asiatische Mentalität ist ganz anders als unsere. Man ist sehr vorsichtig, ich will nicht sagen prüde. Küssen ist zum Beispiel etwas sehr Westliches. In Kambodscha küsst man sich nicht auf der Straße. Bei den Proben für eine Kussszene zwischen Apinya und mir war großer Respekt nötig, weil das in ihrer Kultur nicht so verankert ist. Beim Casting war ihre ganze Familie dabei, weil ihre Verwandten Angst hatten und nicht wussten, welche Art von Film das werden würde.

wieninternational.at: Ben setzt sich kompromisslos für Sreykeo ein. Welche Schlüsse haben Sie aus diesem Film für Ihr eigenes Leben gezogen?
David Kross: Ich war noch nie in so einer Situation, meine große Liebe habe ich noch nicht getroffen. Es ist leicht zu sagen, ich hätte es genauso gemacht. Was ich gelernt habe, ist, dass man Entscheidungen durchziehen muss. In gewissem Sinne ist „Same same but different“ auch ein Film über Entscheidungen.

wieninternational.at: Die internationale AIDS-Konferenz im Juli in Wien fordert mit dem Slogan „Rights here, right now“ weltweit gleichen Zugang zu HIV-Prävention und Behandlung. Wo müsste man Ihrer Meinung nach ansetzen, um etwas zu bewegen?
Detlev Buck: Ein gutes Leben ist HIV-infizierten Menschen letztendlich nur mit guten Medikamenten möglich, und es kann nicht sein, dass das immer vom Geld abhängig ist. Man sieht im Film, dass die Medikamente in Kambodscha nicht so gut sind wie andere. Jeder muss ein Recht auf ein gutes Leben haben. Man müsste die Patentrechte auf Medikamente aufheben und sie damit jedem zugänglich machen.


Same same Ausschnitt


wieninternational.at: Wie unterschiedlich gehen Ihrer Ansicht nach die Menschen in Europa und in Kambodscha mit dem Thema HIV um?
Detlev Buck: Das Umgehen mit HIV ist auch bei uns immer noch ein Tabu und geradezu so provinziell wie in den 90ern. Damals dachte man noch, dass man nicht im gleichen Raum mit einem Aids-Kranken sein kann, ohne sich anzustecken. Heute sind wir immer noch nicht viel besser drauf. Es ist erschreckend, dass sich da nichts tut. Ich sehe das auch an den ersten Reaktionen auf den Film. Ein Film wie „Love story“ aus dem Jahr 1976, in dessen Mittelpunkt das Thema Blutkrebs stand, wurde offener aufgenommen als heute „Same same but different“. In Kambodscha wiederum wird HIV nicht einmal thematisiert.
David Kross: Die Denkensweise der Menschen in Kambodscha ist eine völlig andere. Im Film wird erklärt, dass die Leute dort denken, dass HIV eine Strafe für ein Vergehen im vorigen Leben ist. Die Menschen glauben an Geister. Selbst wenn sie eine Grippe haben, denken sie, sie hätten sich zu wenig um einen bestimmten Geist gekümmert. Da muss man Bewusstsein schaffen, aber trotzdem deren Kultur respektieren. Mir persönlich ist auch erst durch den Film klarer geworden, wie präsent HIV eigentlich überall ist und wie vorsichtig man sein muss.

wieninternational.at: Wie wurde der Film in Kambodscha aufgenommen?
Detlev Buck: Das kann man nicht mit Deutschland oder Österreich vergleichen. Phnom Penh hat ein Kino und amerikanische Filme gibt es dort überhaupt nicht. Die Kambodschaner selbst nehmen ihr Land anders wahr. Über die Deutschen im Film haben sie gelacht, weil ihnen wiederum unsere Lebensweise fremd ist.

wieninternational.at: Wien setzt sich jährlich mit dem Life Ball für HIV-infizierte Menschen ein. Waren Sie schon einmal Gast dieses riesigen Charity-Events oder haben Sie vielleicht vor, heuer hinzugehen?
Detlev Buck: Ich bin nicht sehr oft auf Charities. Auch Benjamin sagte mir, er würde dort nicht gerne mit Sreykeo als Vorzeigepärchen auftreten. Denn dann hölst du etwas aus, das eigentlich privat ist. Davor schützt er sich und das ist auch gut so.

wieninternational.at: Was ist die Hauptaussage des Films?
Detlev Buck: Es gibt im Film ein Müllmädchen, das Ben mit den Worten „Buy me a drink“ anspricht. Ein anderes Mal läuft das Mädchen Sreykeo über den Weg und sagt ihr, wie hübsch sie ist und dass sie auch so werden möchte wie sie. Am Ende des Films sieht sie beide zusammen als Paar und lächelt, weil sie jetzt weiß, dass es für sie auch Hoffnung auf eine Zukunft gibt. Das Happy End ist das Um und Auf des Films. Schlecht wäre er vielleicht in den Neunzigern ausgegangen. Jeder Mensch, der den Film sieht, merkt, dass es kein Film über Aids, sondern über die Liebe ist.


Same Same Ausschnitt


wieninternational.at: Der Soundtrack ist mit Musik von Charlotte Gainsbourg, Rammstein und anderen sehr europäisch. Wie haben Sie die Filmmusik ausgewählt?
Detlev Buck: In französischen Chansons geht es viel um Leidenschaft. Außerdem passen sie geografisch, weil Kambodscha zu den französischen Kolonien gehörte und man dadurch immer noch von den Franzosen geprägt ist. Damit war die Richtung klar und im Endeffekt habe ich lauter Liebeslieder ausgewählt.

wieninternational.at: Sind Sie zum ersten Mal in Wien? Was gefällt Ihnen besonders an der Stadt?
Detlev Buck: Ich bin sehr oft in Wien. Ich bin besonders von den Menschen hier angetan, denn die Wiener sind fast ein bisschen buddhistisch. Sie sind so lässig und haben viel Ruhe. Es kommt einem vor, als müssten sie auch nicht alles in einem Leben erledigen (lacht).
David Kross: Ich bin erst zum zweiten Mal in Wien und hatte nie Zeit, mir viel anzusehen. Aber mir gefällt die Stimmung. Man hat ein gutes Gefühl, wenn man durch die Stadt spaziert.


Same Same Ausschnitt
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wieninternational.at: Haben Sie schon Pläne für die Zukunft?
David Kross: Ich drehe ab März an einem Kinofilm in Deutschland. Für danach habe ich schon ein paar Angebote. Es sind auch internationale Projekte dabei, die teilweise vom Zweiten Weltkrieg handeln. Ich muss erst überlegen, was ich als Nächstes mache.
Detlev Buck: David und ich arbeiten seit ein paar Jahren an „Die Vermessung der Welt“. Das wird sich noch einige Zeit hinziehen, aber irgendwann machen wir daraus vielleicht einen Film.

wieninternational.at: Würde es Sie reizen, einmal in Wien zu drehen? Gerade jetzt, wo der österreichische Film immer erfolgreicher wird?
Detlev Buck: Natürlich hat das seinen Reiz, aber man sucht sich den Drehort ja nicht aus. Immerhin habe ich nicht vor, das Leben von Sigmund Freud zu verfilmen (lacht). Das macht ein anderer ... Ich bin mehr so ein Hobo (Landstreicher, Anm. d. Red.), der durch die Lande zieht.


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Info:
18. Life Ball
17. Juli 2010

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Unicef für Kinder – Unicef gegen Aids

Jede Stunde sterben 50 Kinder an den Folgen von AIDS. Täglich infizieren sich mehr als 6.000 Kinder und Jugendliche mit HIV. 15 Millionen Kinder hat die Epidemie schon zu Waisen gemacht.
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Ein Fahrrad für Helfer, die Waisen unterstützen: € 22
Tausend Stück Antibiotika für HIV-positive Kinder: € 13
Hundert Stück Schulhefte für Aids-Waisen: € 26
 
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(ene)
erstellt am: 2010-02-03