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Heftige Proteste in Westungarn gegen Umweltverschmutzung aus Österreich


Burgenland: Zwei verschmutzte Grenzflüsse – die Raab und die Lafnitz –, Abgasbelastung aus einem Businesspark und eine geplante Müllverbrennungsanlage haben zu schweren Umweltprotesten in Westungarn geführt. Dort sieht man die gutnachbarschaftlichen Beziehungen in Gefahr.

Schwarze Trauerfahne auf Halbmast
„Sehr geehrte Nachbarn! Wir haben schwere Bedenken ... und bitten Sie, unseren Kampf zu unterstützen.“ So beginnt  eine Protestdeklaration der Umweltbewegung „Pro Natura St. Gotthard (PRONAS)“ in Westungarn an die „lieben Freunde!“ jenseits der Grenze in Südost-Österreich. Die Westungarn sehen sich durch Verschmutzung von Raab und Lafnitz, Abgase aus dem Businesspark Heiligenkreuz sowie eine dort geplante Müllverbrennungsanlage zutiefst in ihrem Umweltnerv getroffen. Aus Protest ließ der Bürgermeister von Szentgotthard (St. Gotthard) die ungarische Nationalfahne beim EU-Denkmal der Völkerverständigung am sogenannten Pannonischen Tor durch eine schwarze Flagge austauschen und auf Halbmast setzen.

Die westungarischen Komitate (Länder/Regionen) drohten, die Zusammenarbeit mit dem Burgenland in der Euroregion Pannon/West auf Eis zu legen. Sie sehen „unsere Freundschaft und die gut- nachbarschaftlichen Beziehungen“ in Gefahr, auf die alle „Menschen beidseits der Grenze angewiesen“ seien. Neue Protestkundgebungen sind bereits geplant. Ein Höhepunkt soll der 15. März werden, für Ungarn der 159. Jahrestag der Revolution gegen das historische Habsburg-Österreich.

Szentgotthard besorgt um Tourismusprojekte
Die Stadt Szentgotthard (St. Gotthard) im Komitat Vas (Eisenburg) setzt auf Tourismus, sieht aber wegen der geplanten Müllverbrennungsanlage in Heiligenkreuz nur wenige hundert Meter vor den Toren der Stadt die Zukunft von 15.000 Menschen in der Region gefährdet. Zusammen mit dem Landstrich Örseg (Wart) will die Gemeinde im April ein Thermal-Wellnessbad eröffnen. Später soll auch ein Hotel gebaut werden. Auch der Umstellung der Landwirtschaft auf Bioproduktion drohe durch das Projekt das Aus, wird argumentiert. Die vorherrschende Windrichtung werde den Rauch aus dem Schornstein immer nach Ungarn treiben.

Es sei „Wahnsinn“, so Bürgermeister Tibor Viniczai, in die Mitte dreier Nationalparks eine Müllverbrennungsanlage zu setzen. Zusätzlich empört es den Bürgermeister, dass der Investor, der burgenländische Energieversorger „Begas“, für die Müllverbrennungsanlage EU-Quellen anzapfen wolle: Bürgermmeister Viniczai kritisiert dies als „Luftverpestung mit unserem Geld“. Er weiß dabei auch slowenische Ökoaktivisten auf seiner Seite. Der Obmann des Umweltausschusses in Szentgotthard, Bela Labritz, äußerte gegenüber „Compress“ sogar den Verdacht, dass sich dadurch österreichische Wellnes-Bad-Betreiber lästige Konkurrenz in Westungarn vom Hals schaffen wollten. Viniczai sprach von einem „Attentat Österreichs gegen Ungarn“, wie es „seit 158 Jahren“ nicht mehr vorgekommen sei.

Österreichische Stellen suchen zu beruhigen
Im Burgenland zeigt sich Landeshauptmann Hans Niessl um Beruhigung der Lage und Gemüter bemüht, wie er betont. Niessl sagte in einer Unterredung auch dem Präsidenten des Regionalen Entwicklungsrates Westungarn, Csaba Molnar, zu, letzteren in bevorstehende Umweltgenehmigungsverfahren einzubeziehen. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer erklärte dem ungarischen Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsány bei einem Besuch in Budapest, die geplante Müllverbrennungsanlage von Heiligenkreuz stelle für die Umwelt keine Gefahr dar.


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Thermisches Kraftwerk gewaltiger Dimensionen
Die geplante Müllverbrennungsanlage von Heiligenkreuz ist laut Betreiber „Bewag“ eigentlich ein Kraftwerk, wörtlich: eine "thermische Reststoffverwertungsanlage", die Abfall verbrennen und nicht nur Strom, sondern auch Wärme erzeugen werde. Verarbeitet werden sollen vorsortierter, energiereicher Abfall und Klärschlamm. Der Wirkungsgrad liegt laut „Bewag“ um die 80%. Es würden strengere Grenzwerte als für Öl- oder Kohlekraftwerke eingehalten. Rund 70% würde mit der Bahn angeliefert. Jährlich sollen 200.000 Tonnen verbrannt werden, davon 160.000 Tonnen Abfall und 40.000 Tonnen Klärschlamm. Ab 2010 soll die Anlage in Betrieb gehen.

Siehe auch: Wien gewinnt aus Müll saubere Energie
 

 Link-Tipp
Pro Natura St. Gotthard (PRONAS)
pronas.sztg@gmail.com
http://www.nh.sztg.hu/civil/

Homepages gegen Müllverbrennungsanlagen

Greenfo, grüner Kompass auf dem Netz

Abfall-Arbeitsverband

Müllverbrennungsanlagen in Ungarn

Luftverschmutzungslandkarten

Arbeitskreis "Luft"
 

(compress budapest/age)
erstellt am: 2007-03-07