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Hoher Besuch aus Ungarn (v. li.): Botschafter Istvan Horvath, Károly Manherz, Staatssekretär für Wissenschaft und Bildung, Bildungs- und Kulturminister Istvan Hiller; Institutsleiter Professor Arnold Suppan
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100 Jahre Institut für Osteuropäische Geschichte
Das Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien ist das einzige weltweit, das sich umfassend mit der Geschichte des osteuropäischen Raumes befasst. Anfang Oktober wurde das 100-jährige Bestehen des Instituts mit einem großen Symposium gefeiert.
Wieninternational.at bat zu diesem Anlass Institutsvorstand Professor Arnold Suppan zum Gespräch über das Institut, seine internationale Bedeutung und wie die historischen Umbrüche die Arbeit zahlreicher Gelehrter und seiner Vorgänger in den letzten 100 Jahren beeinflusst haben:
Pionierarbeit von Josef Constantin Jiricek
„Seit seiner Gründung 1907 hatte das Institut sehr gute internationale Beziehungen, was unserem ersten Ordinarius Josef Constantin Jiricek, einem gebürtigen Wiener aus einer tschechischen Gelehrtenfamilie, zu verdanken war. Auch die damalige Schülerschar kam nicht nur aus allen Teilen der damaligen Monarchie, sondern auch aus Russland, Bulgarien oder Westeuropa. Den Grundstock unserer Bibliothek bildete der Ankauf von 9.000 Büchern aus Russland, die auf abenteuerliche Art nach Wien transportiert wurden. Heute hat unsere Bibliothek 100.000 Bände, davon sind keine 20 Prozent deutschsprachig.“Nach 1938 Stillstand, 1945 Stunde Null
Nach dem ersten Weltkrieg blieben die Kontakte zwischen den Historikern, die nun in den neuen Nationalstaaten Osteuropas ihrer Forschung nachgingen, überwiegend intakt. Das Institut in Wien konnte seine internationale Bedeutung weiter aufrecht erhalten. „Mit 1938 begann eine schwere Zeit für uns. Die Forschungsarbeit kam bis Ende des Zweiten Weltkriegs regelrecht zum Stillstand. Insofern war das Jahr 1945 eine neue Stunde Null. Die wissenschaftliche Verengung galt es mühevoll wieder aufzubrechen.“ Mit Erfolg, denn 1965 fand in Wien ein großer internationaler Historikerkongress statt. Das Wiener Institut wurde wieder als eine bedeutende Einrichtung wahrgenommen.Der Kalte Krieg machte den wissenschaftlichen Austausch mit den Ländern des sowjetischen Blocks schwierig. „Am einfachsten war es noch mit Jugoslawien ab Mitte der sechziger Jahre, mit Ungarn ab 1970. Kurze Zeit gab es auch gute Beziehungen mit Kollegen in der Tschechoslowakei zwischen 1966 und 1968. Die Zerschlagung des Prager Frühling machte viele Bemühungen wieder zunichte. Kontakte und Tagungen kamen am leichtesten über die UNESCO zustande.“
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Michael Viktor Schwarz, Dekan der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien; Minister Istvan Hiller begrüßte die Symposiumsgäste bei einer Feierstunde im Festsaal der Universität
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„Fall des Eisernen Vorhangs Glücksfall für Institut“
„Der Fall des Eisernen Vorhangs 1989 war ein Glücksfall für uns. Wir bekamen Zugang zu vielen bis dahin verschlossenen Quellen und konnten vielen KollegInnen und Instituten in Osteuropa helfen. Mit Hilfe des Bundes wurden Stipendien und Publikationen finanziert.“„Gesamtüberblick Vorteil des Instituts“
Auf die Frage, was den wesentlichen Vorteil des Instituts für Osteuropäische Geschichte in Wien ausmacht, meinte Professor Suppan: „Die Geschichte der letzten 200 Jahre in diesem Raum kann man mit der Auseinandersetzung Imperium vs. Nationalstaat charakterisieren. Dabei geht es nicht um diesen Aufstand hier, diese historische Persönlichkeit dort, sondern um den gesamten Überblick von Finnland bis Griechenland. Nur der große Vergleich ist wichtig. Wir betrachten auch die verschiedenen Erinnerungen zu selben Ereignissen, wie zum Beispiel den Vertrag von Trianon, der dem heutigen Ungarn sein jetziges Staatsgebiet definierte. Naturgemäß wird dieser Vertrag von Ungarn und Slowaken oder Rumänen unterschiedlich gesehen.“„Wichtige Think Tanks anzapfen“
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen wie der Slawistik, bürgerliches und Völkerrecht sowie Sozilogie oder Politikwissenschaft erweitern die umfassende Betrachtung der Geschichte Osteuropas. Kann die Expertise des Instituts auch zukünftige Entwicklungen vorhersagen?„Wir glauben, ja. Den Zerfall Jugoslawiens sahen wir ein bisschen früher voraus, ebenso die Rubel-Krise in Russland 1998, die viele Wirtschaftstreibende etwas überrascht hat. Die Politik könnte durchaus öfter das Wissen zahlreicher Think Tanks anzapfen. Zwischen 1990 und 1995 war das Interesse an uns wesentlich größer als heute.“
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Historiker aus der ganzen Welt kamen zur Jubiläumsfeier, die mit der Studentenhymne "Gaudeamus Igitur" eingeleitet wurde (Bild re.)
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Vor 100 Jahren war Russland der zentrale Forschungsschwerpunkt. Heute befasst sich das Institut für Osteuropäische Geschichte mit insgesamt vier Themenschwerpunkten: der sowjetische Raum und die Imperiumsforschung sowie Ostmitteleuropa mit Ländern zwischen Estland und Bulgarien. Der dritte Bereich befasst sich mit Südosteuropa. Den vierten Schwerpunkt bildet die Region Alpen-Adria.
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| Institut für Osteuropäische Geschichte |
(as)
Fotos © Institut für Osteuropäische Geschichte
erstellt am: 2007-10-09

