11-block190
11-block191

Massiver Facharbeitermangel bremst Aufschwung in neuen EU-Ländern


In den boomenden Volkswirtschaften der neuen EU-Staaten fehlen quer durch die Branchen vom Bau bis zum Gesundheitswesen Zehntausende qualifizierte Facharbeiter. Dieser Mangel verschärft sich und bremst bereits den Wirtschaftsaufschwung in Osteuropa.

Arbeitskräfte aus Kasachstan, Vietnam und China
Darauf macht der Vize-Direktor des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche, Peter Havlik, aufmerksam. Havlik sagte, der massive Facharbeitermangel wirke sich bereits stark als Wirtschaftsbremse in den neuen EU-Staaten aus. Arbeitskräfte kämen schon aus Kasachstan, Vietnam und China. Der zunehmende Arbeitskräftemangel sei zur größten Herausforderung für die neuen EU-Staaten geworden, so Havlik.

Bauwirtschaft am stärksten betroffen
Generell seien in den neuen EU-Nachbarstaaten wie auch bei uns Bauarbeiter, Architekten oder Ingenieure gefragt, erklärte Havlik. In Bulgarien fehlten vor allem Spezialisten für Informationstechnologien, Kellner und Köche, in Polen und Tschechien besonders Ärzte, Schweißer und Mechaniker. Rumänien bräuchte dringend Textilarbeiter und holt bereits Frauen aus China. In der Slowakei und Ungarn mangelt es vordringlich an Elektroingenieuren, Maschinenbauern und Autokonstrukteuren.

Am stärksten ist überall in Osteuropa die Bauwirtschaft betroffen. Sie gilt als Boombranche und wächst seit zwei Jahren dreifach schneller als die Gesamtwirtschaft. So haben sich etwa in Bulgarien Jobs in der Bauwirtschaft in einem Jahr verdoppelt. Polen schafft es nicht, alle verfügbaren EU-Fördergelder für die Modernisierung der Straßen zu nutzen, weil es zu wenige einheimische Bauarbeiter hat.


Facharbeiter 1
Facharbeiter 2
Facharbeiter 3


Prämien für Heimkehrer
In einigen Osteuropa-Ländern ist der Facharbeitermangel bereits so akut und schwerwiegend, dass sich deren Regierungen entschlossen haben, Prämien zu zahlen, um heimische Arbeitskräfte aus dem Ausland zur Rückkehr zu motivieren. Besonders betroffen ist Rumänien, wo mehr als 2 Millionen der Bürger im Ausland leben und arbeiten, davon viele Fachkräfte.

Die Regierung in Bukarest schreibt ausgewanderte Facharbeiter an und informiert sie, dass sie heute zu Hause in Rumänien auch schon viel besser verdienen könnten als früher. Laut Havlik sind Löhne und Gehälter in Rumänien in der Tat stark gestiegen. Auf dem Bau sei in Rumänien im Vorjahr um fast ein Fünftel mehr bezahlt worden als noch 2005. Nach Ansicht des WIIW-Vize-Chefs werden in Rumänien Gehälter weiter überdurchschnittlich steigen, in den anderen neuen EU-Staaten ebenfalls, aber geringer.

Migranten-Facharbeiter Wirtschaftsfaktor
Facharbeiter aus Osteuropa sind in der EU bereits zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden. So belegt eine Studie des britischen Innenministeriums in London, dass Arbeitsmigration zwischen 2001 und 2005 fast ein Fünftel zum Wirtschaftswachstum Großbritanniens beigetragen habe. Umgekehrt bremst Arbeitsmigration zwar stark den Wirtschaftsaufschwung der neuen EU-Länder.

Diese bleiben derzeit aber noch wettbewerbsfähig. Löhne dort erreichen noch immer erst 35 bis 45 Prozent des österreichischen Niveaus. Havlik stellt allerdings in Frage, wie Länder mit akutem Facharbeitermangel wie Österreich oder Deutschland unter diesen Umständen in Zukunft noch massiv Facharbeiter holen wollten. Der Anreiz, auszuwandern sei in diesen Ländern deutlich geringer geworden.

Link-Tipp
Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche

siehe auch:
Kampf um Facharbeiter in EU verschärft sich
Fachkräftemangel beeinträchtigt Wirtschaftsaufschwung Osteuropas
(fhe)
erstellt am: 2007-12-19