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Wien im Rennen um Europäisches Technologie-Institut


Wien hat sich um den Sitz des geplanten Europäischen Technologie-Institutes ETI beworben. Damit will die Stadt EU-Drehscheibe für ein Netzwerk von Forschung, Industrie und Wissensgesellschaft werden.

Konkurrenzkampf um Standort
Ausgeschrieben wurde das ETI-Hauptquartier im August 2007. Offizielle Bewerbungen neben Wien kamen aus Budapest und Breslau. Aus Deutschland hatten Nürnberg, Aachen, Karlsruhe und Braunschweig Interesse bekundet. Frankreich setzte sich für einen Standort in der Nähe von Paris ein und erklärte, eventuell auch ungeachtet einer EU-Entscheidung ein eigenes Technologieinstitut bauen zu wollen. In einer Debatte im EU-Parlament war auch angeregt worden, das geplante Technologieinstitut in den Gebäuden des Europäischen Parlaments in Straßburg anzusiedeln. Standort-Entscheidung fiel bisher keine. Österreich könne eventuell aufgrund seiner Vorreiterrolle in der Energie- und Umwelttechnologie punkten. Die Entscheidung wurde bis spätestens 2009 angekündigt.

Spitzenforschung made in EU
Kommissionspräsident José Barroso schlug bereits im Februar 2005 ein Europäisches Technologie-Institut ETI vor. Es sollte die „besten Köpfe, Ideen und Unternehmen“ zusammenbringen. Das ETI sollte dazu beitragen, die sogenannte Lissabon-Strategie der EU zu erfüllen. Mit dieser will Brüssel Europa bis 2010 zum „wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt“ machen. Im November 2006 legte die Kommission zum ETI einen konkreten Vorschlag vor: Geplant ist eine kleine Zentrale sowie ein Netz aus „Wissens- und Innovations-Gemeinschaften“ (Knowledge and Innovation Communities – KIC). Ein ETI Verwaltungsrat sollte Prioritäten festlegen. Dem stimmten dann im Sommer 2007 die Forschungs-Minister der EU und das Europäische Parlament zu.

Organisation des ETI - Verwaltungsrat und KIC
Das geplante Europäische Technologieinstitut wird aus zwei Ebenen bestehen: Aus einem Verwaltungsrat sowie aus „Wissens- und Innovations-Gemeinschaften“ (KIC). Die Zentrale wird ein Verwaltungsrat aus 19 Personen bilden. 15 davon werden Industrie, Forschung und Wissenschaft vertreten und weitere 4 Personal, StudentInnen sowie die KIC. Aufgabe des Verwaltungsrates wird sein, strategische Prioritäten des Institutes festzulegen und zu entscheiden, welche Wissens- und Innovations-Gemeinschaften (KIC) diese verwirklichen sollen. Alle Projekte (Partnerschaften) müssen in einem offenen und transparenten Bewerbungsverfahren ermittelt werden. KIC müssen nach überprüfbaren Kriterien wie Innovationsfähigkeit, Effizienz und Spitzenqualität in Forschung und Ausbildung ausgewählt werden. Themenschwerpunkte müssen in den drei Bereichen Ausbildung, Forschung und Innovation liegen, dem so genannten Wissensdreieck der EU.

Die KIC selbst werden Joint Ventures aus verschiedenen Partnerorganisationen wie Universitäten, Forschungsinstitutionen, Behörden und Unternehmen sein. Sie sollen so genannte integrierte Partnerschaften eingehen, 7-15 Jahre lang gemeinsam Forschungsprogramme durchführen und Nachwuchskräfte ausbilden. Forschungsschwerpunkte sollen in Bereichen wie erneuerbare Energien, Nanotechnik, Klimawandel, Medizin und Kommunikationstechnologien liegen.


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Aufgabenteilung mit Europäischem Forschungsrat
Bei der Gründung des Europäischen Technologie-Institutes (ETI) soll eine Konkurrenzierung mit anderen, bereits bestehenden EU-Einrichtungen wie dem Europäischen Forschungsrat (EFR) vermieden werden. Beide sollen einander vielmehr ergänzen. Dabei soll der EFR wie bisher Gelder für Forschungsprojekte zur Verfügung stellen und Grundlagenforschung finanzieren. Das ETI würde dagegen eine Wissenseinrichtung mit offener Finanzierung sein, die konkrete Forschungsergebnisse auch kommerziell vermarkten sollte.

ETI-Finanzierung noch offen
Die EU-Kommission schätzt die Kosten für das ETI bis 2013 auf insgesamt rund 2,37 Milliarden Euro. Diese Mittel sollen aus EU-Geldern, nationalen Förderungen und Investitionen der Wirtschaft finanziert werden. Letztlich soll sich das ETI aber aus Lizenzen für eigene Projekte weitgehend selbst tragen. Aus dem EU-Haushalt will Brüssel zur Finanzierung der Struktur des ETI rund 309 Millionen Euro für die Jahre 2008 bis 2013 bereitstellen. EU-Ziel sind 3 Prozent des BIP für Forschung und Entwicklung. 2003 erreichte die EU im Schnitt nur knapp 2 Prozent. Die USA halten bei 2,59 Prozent und Japan bei 3,15 Prozent.


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Gründung noch 2008 - Führung bis Sommer - Standortentscheidung bis 2009
Jüngste Entwicklung: Nach neuesten Plänen der Europäischen Kommission soll das ETI nun  im Laufe des Frühjahrs 2008 formell gegründet sein. Geplant ist zunächst nur ein Pilotprojekt. Die Ernennung der ETI-Führung ist bis Sommer 2008 geplant. Eine Standort-Entscheidung für die Zentrale des ETI will die EU bis spätestens 2009 fällen.

 
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(fhe)
erstellt am: 2008-01-28