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Vienna´s weekly European journal

Masterplan Verkehr 2003 - Zielsetzungen für 2020

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Masterplan Verkehr 2003 - Zielsetzungen für 2020

Im Sinne einer intelligenten Mobilität müssen entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, um einem überbordenden Individualverkehr gegenzusteuern. Verankert wurde diese „Marschrichtung“ im Masterplan Verkehr 2003, der alle fünf Jahre (zuletzt 2013) evaluiert wird.

Das letzte Wiener Verkehrskonzept stammte von 1994. Viele Maßnahmen wurden in der Folge auch umgesetzt, etwa die Parkraumbewirtschaftung oder der weitere Ausbau der U-Bahn und der Radwege, es haben sich aber seither einige Rahmenbedingungen geändert.

Der Masterplan Verkehr Wien 2003 wurde am 4. November 2003 vom Wiener Gemeinderat beschlossen. Er gilt als innovativ, orientiert sich an klaren Prioritäten und geht stark auf die Rolle Wiens im neuen Europa ein: Wien als TEN-Knoten (TEN kurz für Transeuropäisches Netz), Wien als potenzieller Profiteur der EU-Erweiterung, Wien als Technologiemetropole und Wirtschaftsstandort.

Bei der Entstehung des Masterplans flossen – in einem der bisher umfangreichsten Beteiligungsverfahren Österreichs – die alltäglichen Verkehrserfahrungen der WienerInnen ebenso ein wie die Meinungen der VerkehrsexpertInnen.
Resultat ist ein modernes urbanes Verkehrskonzept für die nächsten 20 Jahre: Der Anteil der FußgängerInnen, RadfahrerInnen und BenutzerInnen öffentlicher Verkehrsmittel soll erhöht, der Anteil des motorisierten Individualverkehrs bis 2020 von rund 35 auf 25 Prozent reduziert werden. Doch auch dringend benötigte Straßenprojekte müssten zügig umgesetzt werden.

Öffentlicher Verkehr

Schon jetzt hat Wien das weltweit dichteste Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Wiener Bevölkerung und ihren Gästen stehen fast tausend Kilometer an öffentlichen Verkehrslinien zur Verfügung. Dieses Angebot wird noch ausgeweitet. Ziel ist es, Wien als attraktiven Durchgangs- und Umsteigeknoten im Personenverkehr sowie als Güterverkehrsknoten zu positionieren.
Außerdem sollen die öffentlichen Verkehrsmittel noch stärker auf die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden eingehen und sowohl barrierefrei als auch behindertengerecht benutzbar sein. So soll eine Steigerung des öffentlichen Verkehrs auf 40 Prozent gelingen.

Haltende Straßenbahn neben Reiterstatue
Bushaltestellen-Schild und fahrender Bus im Hintergrund

In Wien tragen die Straßenbahnen Nummern zwischen 1 und 71 bzw. Buchstaben (D, O); Buslinien sind am Zusatz A oder B zu erkennen

Motorisierter Individualverkehr

Die Verkehrsentwicklung in Wien war in den letzten Jahrzehnten vom Anwachsen des motorisierten Individualverkehrs (MIV) geprägt. Die Südosttangente (A23) ist mit rund 170.000 Kfz pro Werktag die am stärksten belastete Straße in Wien und entsprechend anfällig für Staus. Aber auch andere Strecken und Knoten im Wiener Straßennetz haben Kapazitätsengpässe, auf denen es in den Hauptverkehrszeiten zu Staus kommt. Im Masterplan Verkehr ist eine Verminderung des motorisierten Individualverkehrs auf 25 Prozent aller Wege vorgesehen.

Die Stadt Wien hatte sich bis 2010 zu einer 14%igen Verminderung der Gesamtemissionen von CO2 gegenüber dem Jahr 1990 verpflichtet. Dessen ungeachtet sind die Emissionen seither aber gestiegen – der Verkehr ist überproportional daran beteiligt. Im Jänner 2006 wurde daher eine generelle Tempo-50-Beschränkung im Ortsgebiet von Wien eingeführt. Ausnahmen gibt es nur für Autobahnen und Schnellstraßen, einige Ein- und Ausfallsrouten sowie für Geschwindigkeitsbeschränkungen unter 50 km/h.

Infrastrukturausbau

Schienen und Straßen sind die „Lebensadern“ jeder mobilen Gesellschaft. Damit Wien im neuen Europa nicht zu einem Nebenschauplatz wird, muss die Infrastruktur – Schiene und Straße – gezielt ausgebaut werden. Zu den wichtigsten Infrastrukturprojekten des Masterplans Verkehr zählen unter anderem der neue Hauptbahnhof, die Erweiterung des U-Bahn-Netzes, der Bau neuer Straßenbahnlinien sowie die Schaffung leistungsfähiger Verbindungen Richtung Flughafen und Bratislava. Aber auch die Nordostumfahrung, Güterverkehrsterminals, Park & Ride-Anlagen sowie verschiedene Autobahnprojekte sind für Wien von zentraler Bedeutung.

Aufnahme von Großbaustelle von oben

Wiens größte Baustelle von oben: seit Dezember 2012 sind bereits Teile des Hauptbahnhofs Wien in Betrieb

Verkehrssicherheit

Die Anzahl der im Verkehr Verletzten und Getöteten soll bis 2020 um 50 Prozent reduziert werden. Die Projekte „Aktiv gegen Unfallschwerpunkte“, „Schulwegpläne“ und „Lichtoffensive“ werden verstärkt und erweitert. Radfahrprüfungen, Safety Audits bei Planungen, kinder- und seniorengerechte Straßenraumgestaltungen, Beratungen und Gender Mainstreaming sollen noch mehr Gewicht bekommen.

Radverkehr im Aufschwung

Der Anteil des Radverkehrs soll möglichst rasch auf acht Prozent gesteigert werden. Pro Jahr investiert die Stadt Wien 6 Millionen Euro in das Radverkehrsnetz. Das Radwegenetz ist 2011 bereits auf 1.206 Kilometer angewachsen, Anfang der 1990er Jahre hatte es gerade einmal 190 Kilometer Länge. 2014 war der Radverkehrsanteil in Wien erstmals höher als sieben Prozent. Die WienerInnen fahren somit mehr mit dem Fahrrad als je zuvor.

Das Radverkehrsnetz der Zukunft, welches durch das so genannte Netzlückenschluss-Programm komplettiert wird, soll durch qualitativ hochwertigen Bestand und einheitliche Ausbaustandards attraktiver werden.

Das 2003 eingeführte Leihfahrrad „Citybike Wien“ hat sich zu einem fixen Bestandteil des Wiener Stadtverkehrs entwickelt. Es kann an 120 Bike Stationen entliehen und an jeder dieser Stationen wieder zurückgegeben werden. Die einzige Voraussetzung ist eine einmalige Registrierung mittels Maestro-, Kredit- oder Citybikekarte – diese wird auch häufig von Tourist/innen genützt. Das Online Service der MA 46 (Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten) unter www.wien.at/stadtplan sowie der Routenplaner des Verkehrsverbund Ost-Region unter www.anachb.at bieten allen Rad-Begeisterten einen Überblick über das mehr als 1.200 Kilometer umfassende Wiener Radwegnetz, das sich aus verschiedenen Anlagearten zusammensetzt. Mit wenigen Mausklicken können aktuelle Radwege abgerufen und ausgedruckt werden.

Pärchen radfahrend vor österreichischem Parlament

Seit mehr als 10 Jahren prägen die Citybikes das Stadtbild

Zu Fuß in der Stadt

Zu Fuß in Wien unterwegs zu sein, soll durch vorgeschriebene Gehsteigmindestbreiten (2m), die Beseitigung von Barrieren, taktile und akustische Leitsysteme sowie längere Grünzeiten attraktiver werden.

Ruhender Verkehr

Der verkehrspolitische Erfolg der 1994 eingeführten Wiener Parkraumbewirtschaftung (Stichwort: Parkpickerl) ist unbestritten. Der Verkehr konnte in den innerstädtischen Bezirken durch die Verringerung von Dauerparkern und Parkplatzsuchenden reduziert und die Parkraumsituation der Wohnbevölkerung verbessert werden. 2012 wurde auch in fünf Bezirken außerhalb des Gürtels das Parkpickerl eingeführt.

Im Rahmen des ebenfalls 1994 entwickelten Garagenprogramms wurden über 50.000 Stellplätze errichtet. Garagen und Park&Ride-Anlagen werden weiter ausgebaut und gefördert.

Verkehrsmanagement und Bewusstseinsbildung

Rund 37% aller PKW-Fahrten könnten in Wien ohne wesentliche Qualitätseinbußen auch zu Fuß, per Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden. Der Masterplan Verkehr sieht daher eine Bewusstseins- und PR-Offensive zur Optimierung des Verkehrsverhaltens vor. Aber auch die Verkehrsorganisation soll durch das Projekt VEMA (Verkehrsmanagement) optimiert werden – etwa mittels interaktiver Ampelschaltungen, flexibler Verkehrszeichen oder permanent aktueller Verkehrsinformation und -leitung.

Europäische Verkehrsnetze

Mit TINA – Transport Infrastructure Needs Assessment – wird ein Kompetenzzentrum für europäische Verkehrsinfrastrukturplanungen umschrieben. Über dieses soll das Transeuropäische Netz (TEN) kontinuierlich weiterentwickelt werden. Das TINA-Sekretariat wurde von der Europäischen Kommission nach Wien vergeben. Anlaufstelle für eine europaweite Ost-West-Verkehrsplanung ist die Vienna-Transport Strategies GmbH.

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