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Christdemokrat Lojze Peterle vor Wahl zum Präsidenten Sloweniens

Archivierter Artikel vom: 
Montag, September 17, 2007

Christdemokrat Lojze Peterle vor Wahl zum Präsidenten Sloweniens

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Wer macht das Rennen: Lojze Peterle, Danilo Türk oder Mitja Gaspari

Der erste Ministerpräsident des unabhängigen Sloweniens und derzeitige christdemokratische Abgeordnete im Europäischen Parlament, Lojze Peterle, 59, hat beste Chancen, zum nächsten Präsidenten Sloweniens gewählt zu werden.

Erste Wahlrunde: 21. Oktober
Gewählt wird in erster Runde am 21. Oktober 2007. Erreicht dabei keiner der Kandidaten 50% plus eine Stimme, fällt die Entscheidung in einer Stichwahl drei Wochen später am 11. November 2007.

Drei führende Kandidaten
In die Präsidentenwahl gehen drei führende Kandidaten: Der langjährige christdemokratische Spitzenpolitiker Sloweniens, Lojze Peterle, 59. Er wird von einer Koalition konservativer Parteien unterstützt. Die Sozialdemokraten gehen mit Danilo Türk ins Rennen, einem 55-jährigen Rechtsprofessor an der Universität Ljubljana, der sich als UNO-Spitzendiplomat einen Namen gemacht und es bis zu einem stellvertretenden Generalsekretär der Weltorganisation in New York gebracht hat.

Die Liberalen treten mit einem Wirtschaftsexperten und Spitzenbanker an, Mitja Gaspari, 56, derzeit Vize-Gouverneur der slowenischen Nationalbank.


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auftritt
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Lojze Peterle fährt plakativ ein umweltschonendes Hybridauto und gibt sich volksnahe, unter anderem mit der Mundharmonika. Rechts mit der österreichischen Band Bluatschink bei einem Benefizkonzert für Afrika


Peterle klarer Favorit in Umfragen
Demnach treten die regierenden Mitte-Rechts-Parteien bei dieser Wahl geschlossen mit einem Kandidaten auf. Die Linke ist gespalten und setzt auf zwei einander konkurrierende Bewerber. Dies spiegelt sich auch in Umfragen wider. Wie Barbara Žaucer Šefman für wieninternational.at aus Laibach berichtet, liegt Lojze Peterle in allen Umfragen klar in Führung. Laut Demoskopen und Politologen würde Peterle die Präsidentenwahl auf jeden Fall gewinnen, die Frage sei lediglich, ob bereits im ersten Wahlgang oder erst in der Stichwahl. Jüngste Prognosen wenige Tage vor der Wahl würden Lojze Peterle ein Wählerpotenzial von rund 32% geben, deutlich vor 15% für Danilo Türk, dem Kandidaten der Sozialdemokraten, und 13% für Mitja Gaspari, dem Bewerber der Liberalen. Sollte es zur Stichwahl am 11. November kommen, sagen Umfragen einen Sieg von Peterle vor Türk mit einem Vorsprung zwischen 3% und 5% voraus.

Wahlkampf
Der Christdemokrat Lojze Peterle gab sich im Wahlkampf volksverbunden, politisch erfahren, konsensbereit, betonte immer wieder, dass er die gespaltene slowenische Gesellschaft einen wolle und die Rolle Sloweniens als Musterland des neuen, erweiterten Europa weiter festigen werde. Peterle trat auch bei Festivals als Harmonika-Spieler auf, fährt plakativ ein umweltschonendes Hybridauto und betreibt ein professionell gemachtes Webportal im Internet. Sein größter Herausforderer, der Rechtsprofessor und UNO-Diplomat Danilo Türk, ist bemüht, Volksnähe vor allem mit Unterstützung des ehemaligen, populären Staatspräsidenten Milan Kučan aufzuholen. Kučan hat sich im Wahlkampf stark für Türk engagiert.

Türk selbst präsentierte sich als Mann des Konsenses und des Ausgleichs mit Welterfahrung, ist aber vielen Slowenen nicht so bekannt wie Peterle, weil er jahrelang im Ausland bei der UNO gearbeitet hat. Der dritte aussichtsreiche Kandidat, Mitja Gaspari, versucht als anerkannter Wirtschaftsexperte für die Liberalen Flagge zu zeigen. Er verspricht vor allem, Sloweniens Aufschwung und Stabilität abzusichern. Umfragen geben ihm aber keine Chancen auf einen Sieg.


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Diplomat Danilo Türk arbeitete jahrelang bei der UNO, rechts mit Milan Kucan, dem ersten Präsidenten der Republik Slowenien


Slowenien-EU Vorsitz 2008
Sloweniens Staatspräsident hat vor allem symbolische Funktionen. Daher erwarten slowenische Medien von der Präsidentenwahl auch keine unmittelbaren großen politischen Auswirkungen. Für Lojze Peterle wäre sie die Krönung seiner politischen Laufbahn, vom Chefbegründer der Christdemokraten, dem ersten nicht-kommunistischen Regierungschef Sloweniens, der 1991 die Unabhängigkeit des Landes ausrief, bis zum derzeitigen EU-Parlamentarier, wie betont wird.

In der Frage, wer Slowenien an der Spitze des Staates am besten beim ersten historischen EU-Vorsitz in der ersten Jahreshälfte 2008 repräsentieren könnte, trauen slowenische Medien eine souveräne Führung sowohl Lojze Peterle als auch Danilo Türk zu. Sensibilität und Geschick wird auch von beiden im angestrebten Ausgleich mit dem Nachbarn Kroatien erwartet. Kroatien selbst erhofft sich generell starke Unterstützung von Slowenien für einen baldigen EU-Beitritt. Die regierenden Konservativen in Kroatien machen allerdings kein Hehl daraus, dass sie sich mit dem slowenischen Christdemokraten Lojze Peterle leichter tun würden und sich von seinem möglichen Sieg bei den Präsidentenwahlen auch einen Auftrieb für eigene Wahlchancen bei den bevorstehenden Parlamentswahlen in Kroatien ausrechnen würden.

Link-Tipp
http://www.peterle.eu/index.php?option=com_frontpage&Itemid=1
http://www.daniloturk.si/
http://www.gaspari.si/

 

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